Ermittlungen im Fall des Aichacher Zugunglücks abgeschlossen: Gericht erlässt Strafbefehl

Das Unglück ereignete sich gegen 21.15, als die Paartalbahn in den Aichacher Bahnhof einfahren wollte und dabei auf einen stehenden Güterzug prallte (Foto: Monika Grunert Glas)

Im Fall des Zugunglücks, das sich Anfang Mai 2018 in Aichach ereignet hatte und bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, hat die Staatsanwaltschaft nun gegen den 25-jährigen Fahrdienstleiter den Erlass eines Strafbefehls wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Fahrlässiger Gefährdung des Bahnverkehrs beantragt.

"Dem Angeschuldigten wird zur Last gelegt, als Alleinverantwortlicher für den Zugverkehr am Bahnhof in Aichach, nachdem er auf Gleis 2 des Bahnhofs einen Güterzug abstellen ließ, es vorschriftswidrig unterlassen zu haben, eine Hilfssperre am mechanischen Stellwerk anzubringen, die eine Einfahrt eines weiteren Zugs auf dieses Gleis verhindert hätte", erklärt die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung. In der Folge soll der Ange-schuldigte zudem die vorgeschriebene sogenannte „Hinsehensprüfung“ auf das Gleis 2 des Bahnhofs nicht vorgenommen haben, bevor er die Einfahrt des aus Dasing kommenden Personenzugs auf dieses Gleis freigab, so dass der Personenzug ungebremst auf den stehenden Güterzug auffuhr.

Die Ermittlungen hätten keine Hinweise darauf ergeben, dass Betäubungsmittel- oder Alkoholeinfluss beziehungsweise eine Ablenkung durch Handynutzung oder Gespräche ursächlich für die Sorgfaltspflichtverletzungen wären. Die Staatsanwaltschaft geht von menschlichem Versagen aus.

Bei der Kollision erlitten der 37-jährige Lokführer und eine 73-jährige Zugpassagierin tödliche Verletzungen.Zwölf Passagiere wurden leicht bis mittelschwer, ein Passagier schwer verletzt.

Der gesetzliche Strafrahmen beträgtfür fahrlässige Tötung Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, für fahrlässige Körperverletzung Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu drei Jahren oder Geldstrafe und für fahrlässige Gefährdung des Bahnverkehrs Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe.

Das Amtsgericht Augsburg hat den Strafbefehl antragsgemäß erlassen. (pm)
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