Nach Aichacher Zugunglück: Neue Aufgaben für die Ermittler

Das Wrack des Zuges wird von der Bayerischen Regiobahn nach wie vor aufbewahrt. Noch nicht abgeschlossen sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zum Hergang des Unglücks, bei dem zwei Menschen starben und 14 zum Teil schwer verletzt wurden. Foto: Monika Grunert Glas

Am 7. Mai prallte ein Passagierzug in direkter Nähe des Aichacher Bahnhofes auf einen stehenden Güterzug. Der 37 Jahre alte Triebwagenführer der Bayerischen Regiobahn und eine 73-jährige Passagierin, die in der Paarstadt aussteigen wollte, kamen ums Leben. 14 Menschen wurden verletzt, teilweise schwer. Die Aufarbeitung des Unglücks ist noch nicht abgeschlossen. Zwar liegt inzwischen das unfallanalytische Gutachten vor, doch daraus ergaben sich laut Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungsansätze. Offen ist zudem, wann das veraltete Stellwerk in Aichach umgerüstet wird.

Die verhängnisvolle Karambolage ereignete sich, als der einfahrende Personenzug auf ein Gleis geleitet wurde, auf dem ein Güterzug abgestellt war. Nach dem damaligen Erkenntnisstand hatte der Fahrdienstleiter, der die Weichen mechanisch stellen muss, den abgestellten Zug nicht gesehen oder vergessen. Der Bahnhof in der Paarstadt ist der einzige auf der Strecke zwischen Augsburg und Ingolstadt, an dem noch ein mechanisches Stellwerk seinen Dienst verrichtet. Dort gilt das Prinzip des Augenscheins - und Handarbeit. Ob freie Sicht herrscht, muss der Fahrdienstleiter selbst prüfen. Ein elektronisches Warnsystem, das die Kontrolle durch reinen Augenschein ersetzt, hätte das Unglück vermutlich verhindert.

Eine technische Störung schloss die Polizei kurz nach dem Unfall jedenfalls aus, man ging von menschlichem Versagen aus. Der 24-jährige Fahrdienstleiter wurde vorläufig festgenommen, der Haftbefehl wurde aber einen Tag später wieder außer Kraft gesetzt, weil seitens der Staatsanwaltschaft keine akute Fluchtgefahr bei dem jungen Mann vermutet wurde. Ein Gutachten wurde zur genauen Klärung des Unfallhergangs in Auftrag gegeben.

Das liege inzwischen vor, wie Augsburgs Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai auf Nachfrage erklärte. Zu Inhalten wollte er sich nicht äußern. Es seien ergänzende Ermittlungen notwendig geworden. Wann auch sie abgeschlossen sind, könne man momentan nicht sagen. "An Spekulationen beteilige ich mich nicht", so Nickolai.

Im Sommer kündigte die Deutsche Bahn an, ab 2019 innerhalb von fünf Jahren 600 der deutschlandweit fast 1200 mechanischen Stellwerke aufzurüsten und mit neuer Technik auszustatten. In Aichach keimte die Hoffnung auf, zu den ersten zu gehören. Bis jetzt allerdings gebe es noch keine konkreten Signale dafür, so Bürgermeister Klaus Habermann.

Auch die Bayerische Regiobahn will nicht locker lassen. "Wir sind an vorderster Front dabei", unterstrich Pressesprecher Christoph Raabe und berichtete von Gesprächen "auf hoher Ebene" zwischen DB Netz und Regiobahn. Einen Zeitplan gebe es allerdings noch nicht. Das liege nicht zuletzt an der Dimension des Umrüstungsprojekts.

Der Unfall-Triebwagen ist übrigens noch nicht verschrottet worden. Er werde von der Regiobahn nach wie vor abgesichert aufbewahrt, so Christoph Raabe. (Robert Edler)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.