Nach Zugunglück: Neues Stellwerk für Aichach

Zwei Tote und 14 teils Schwerverletzte: Den Rettungskräften bot sich am 7. Mai am Aichacher Bahnhof ein schockierendes Bild. Foto: Nayra Weber

Nach dem tödlichen Zugunglück in Aichach will die Bahn 600 Stellwerke von insgesamt 1178 nachrüsten. Das hat das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Wochenende berichtet. Namentlich wird der Aichacher Bahnhof als einer derjenigen aufgeführt, die von der Umrüstung profitieren sollen.

Am 7. Mai waren in Aichach zwei Menschen gestorben, als ein einfahrender Zug auf ein Gleis geleitet wurde, auf dem ein Güterzug abgestellt war. Nach bisherigem Erkenntnisstand hat der Fahrdienstleiter, der die Weichen mechanisch stellt, den abgestellten Zug nicht gesehen oder ihn vergessen. Ein Gutachten wurde zur Klärung des genauen Hergangs in Auftrag gegeben.

Ein elektrisches Warnsystem, das die Kontrolle durch reinen Augenschein ersetzt, hätte den Unfall wahrscheinlich verhindert. Ein solches System soll laut "Spiegel"-Bericht nun eingeführt werden. Sensoren am Gleis mit einer Verbindung zu den Schalthebeln am Arbeitsplatz des Fahrdienstleiters sollen zu einem akustischen und visuellen Warnsignal führen, wenn die Freigabe für ein belegtes Gleis erteilt werden sollte.

Bei der Auswahl der 600 Stellwerken von 1178, die umgerüstet werden sollen, hat sich die Deutsche Bahn laut "Spiegel"-Informationen auf die Strecken konzentriert, auf denen ein hohes Verkehrsaufkommen herrscht und auf denen Geschwindigkeiten über 40 km/h gefahren werden. Die Warnanlagen sollen ab kommendem Jahr eingebaut werden, bis alle 600 Bahnhöfe umgerüstet sind, kann es bis 2024 dauern. Von Investitionen in Höhe von rund 90 Millionen Euro ist die Rede. An der Strecke von Ingolstadt in Richtung Augsburg gibt es in Radersdorf, Dasing und Friedberg bereits elektrische Stellwerke, Hochzoll wird elektronisch aus München gesteuert.

In Aichach waren bei dem Unglück der 37 Jahre alte Zugführer und eine 73 Jahre alte Passagierin ums Leben gekommen. 14 Menschen wurden verletzt, teilweise schwer. Der Sohn der verstorbenen Frau hatte sich kurz nach dem Unglück an die Öffentlichkeit gewendet: Er werde nicht ruhen, ehe nicht alle Stellwerke umgerüstet worden sind. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem Unglückstag gegen den 24 Jahre alten Fahrdienstleiter, der in jener Nacht in Aichach Dienst hatte. Sie ging von Anfang an von menschlichem Versagen aus. Der Mann hatte schon bei der ersten Befragung umfassend Auskunft gegeben.

Ein Haftbefehl wurde nach einem Tag wieder außer Kraft gesetzt, weil seitens der Staatsanwaltschaft keine akute Fluchtgefahr bei dem jungen Mann vermutet wurde. (von Carina Lautenbacher)
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