Vater schlägt Tochter mit Ast: Urteil am Aichacher Amtsgericht

Ein zweifacher Vater musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er hatte im Oktober 2018 seine fünfjährige Tochter mit einem Ast geschlagen. (Foto: ©tom_u-123rf.com)

„Ich weiß: Was kann das Kind dafür? Das war die schlimmste Reaktion meines Lebens“, beteuerte ein 41-Jähriger, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung gegenüber seiner Tochter vor dem Aichacher Amtsgericht zu verantworten hatte. Im Oktober vergangenen Jahres schlug er die Fünfjährige auf einem Spielplatz mit einem Ast. Die Polizei suchte mit Hilfe der lokalen Presse nach Zeugen, nachdem ihr der Fall von einem Bürger gemeldet worden war. Als der zweifache Vater den Aufruf online entdeckte, stellte er sich.

Am 3. Oktober des vergangenen Jahres war der Angeklagte nachmittags mit seinen beiden drei- und fünfjährigen Töchtern auf einem Spielplatz im südlichen Landkreis. Zu dieser Zeit war er schon zwei Tage mit den Kindern allein, da seine Frau ihre schwerkranke Mutter im Kosovo besuchte. Die ganze Familie sei aufgewühlt gewesen, die Kinder hätte die „sehr emotionale Sache“ ebenfalls sehr belastet, weshalb sie sehr unruhig gewesen seien, erklärte der Angeklagte vor Gericht und räumte ein, er sei „ein bisschen überfordert“ gewesen. Die große Schwester hatte die jüngere von der Rutsche geschubst, woraufhin die Kleine auf den Rücken und den Kopf gefallen war. „Das hat so schrecklich ausgeschaut“, weshalb er die Nerven verloren habe.

Der Ast war 30 bis 40 Zentimeter lang

Laut Anklage hat der Mann die Fünfjährige daraufhin am Arm gepackt, geschüttelt, ihr mit einem 30 bis 40 Zentimeter langen Ast zehn bis 20 Mal auf die Finger, den Handrücken, den Rücken, die Oberschenkel und das Gesäß geschlagen. Der Mann räumte die Vorwürfe ein, allerdings habe er nicht fest zugeschlagen und der Ast sei sehr dünn gewesen. „Das war das Allerdümmste, was ich je gemacht habe. Bei uns läuft sonst alles wunderbar“, meinte er.
Als er den Zeugenaufruf online entdeckt und realisiert habe, dass es um ihn gehe, sei er schockiert gewesen. Einen Tag nach dem Vorfall hat sich der Mann gestellt, um zu zeigen, dass es seiner Tochter gut gehe und er die Tat bereue, wie er dem Richter erklärte. Bei der Polizei wurden Fotoaufnahmen der Fünfjährigen gemacht, die zeigen, dass das Kind keine Verletzungen davongetragen hat.


Mann stellte sich

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten sein Geständnis zu Gute, dass er bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, also nicht vorbestraft ist, und hielt es für glaubwürdig, dass er selbst über die Tat bestürzt sei. Dennoch habe er ein kleines Kind vor den Augen eines anderen Kindes geschlagen. Staatsanwältin Katharina Stoll plädierte wegen gefährlicher Körperverletzung für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 45 Euro, also insgesamt 6750 Euro.
Verteidiger Stephan Eichhorn meinte, der Angeklagte „hat verstanden, dass so etwas nicht geht“, zudem sei es zuvor noch nie so weit gekommen. Das rechtfertige die Tat nicht, lasse allerdings erkennen, dass sie sich aus Überforderung und „nicht um des Schlagens willen“ zugetragen habe. Er sprach sich für eine mildere Strafe von 90 Tagessätzen aus.
Der Angeklagte hatte wie üblich das letzte Wort und beteuerte erneut: „Ich kann nur sagen, dass es mir wirklich leid tut und nicht mehr passieren wird.“

"Schlagen geht gar nicht"

Amtsgerichtsdirektor Walter Hell verurteilte den zweifachen Vater zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 60 Euro, also 5400 Euro. Er stellte klar: „Schlagen geht gar nicht, erst recht nicht mit einem Gegenstand, erst recht nicht ein Kind.“ Es spreche zwar für einen minderschweren Fall, dass das Mädchen keine Spuren davongetragen habe, doch Auswirkungen auf die Psyche hätten derartige Geschehnisse dennoch.
Der Angeklagte nahm das Urteil an, es ist somit rechtskräftig. (von Nayra Weber)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.