Western City: Mann verschüttet in heil gebliebenem Gebäude Benzin und täuscht eine weitere Brandstiftung vor

Vor gut einem Jahr brannte die Western-City bei Dasing fast vollständig ab. Eine Woche nach dem Brand wurde Benzin ausgegossen. Foto: Maximilian Glas

Vor gut einem Jahr brannte die Western-City in Dasing fast vollständig ab. Den Menschen, die auf dem Gelände lebten und arbeiteten, hat sich das Ereignis buchstäblich ins Gedächtnis gebrannt. Vor diesem Hintergrund erscheint die Tat eines heute 45-Jährigen noch niederträchtiger: Der Mann, der bis vor einem Jahr selbst in dem Freizeitpark beschäftigt war, verschüttete in einem der heil gebliebenen Gebäude Benzin. Er wollte eine weitere Brandstiftung vortäuschen.

Das sah das Aichacher Amtsgericht am Mittwoch als erwiesen an und verurteilte ihn zu sechs Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Zusätzlich muss er 1000 Euro zahlen.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Walter Hell war bemüht, den Abend des 7. auf den 8. August 2017 so genau wie möglich zu rekonstruieren. Mehrere Zeugen wurden deshalb gehört. Mit leichten Abweichungen gaben sie folgende Version der Geschehnisse wieder: Seit dem Brand der Westernstadt war die Stimmung unter den Bewohnern ängstlich und verständlicherweise angespannt. Das Ereignis war für viele traumatisierend, hinzu kam, dass sämtlichen Angestellten gekündigt wurde, beziehungsweise wurden sie aufgefordert, ihre Wohnung schnellstmöglich zu räumen. Zusätzlich trieben sich offenbar immer wieder Katastrophentouristen auf dem Gelände herum. Die verbliebenen Bewohner der Westernstadt liefen mehrmals Patrouille.

In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde der Polizei am frühen Abend eine Sachbeschädigung an der Ferienanlage gemeldet. Zu dem Zeitpunkt hielten sich auf dem Gelände mehrere Personen auf - darunter Angestellte der Western-City und zwei Nachbarn, die sich mit dem Freizeitpark eng verbunden fühlen. Wie der Angeklagte selbst berichtete, will er Geräusche gehört haben, anschließend machten sich angeblich zwei Gestalten aus dem Staub.

Er selbst entdeckte in der Folge zusammen mit einer weiteren Person, dass die Werkstatt am Reitstall aufgebrochen war. In dem Gebäude befanden sich Geräte, sie waren mit rund einem halben Kanister Benzin übergossen.

Weiter ergab die Befragung der Zeugen, dass das Benzin nicht ausgelaufen sein kann, sondern absichtlich ausgebracht worden sein muss: als Brandbeschleuniger. Das bestätigte ein auf derartige Straftaten spezialisierter Beamter aus Friedberg. Angesprochen auf das Feuer, das rund eine Woche vorher in der Westernstadt wütete, erklärte der Polizist wie nebenbei: "Es war Brandstiftung. Und wir sind uns ziemlich sicher, wer es war." Alle Verdachtsmomente deuteten auf eine Person, allein: "Wir haben zu wenig Beweise." Ob es sich bei dem Angeklagten um die besagte Person handelt, wurde nicht besprochen.


"Sie fühlten sich von ihren Arbeitgebern im Stich gelassen und wollten ihnen etwas auswischen."

Beide Vorfälle wurden jedoch darauf untersucht, ob sie zusammenhängen. Dabei ergaben sich offenbar Widersprüche und der Fall des absichtlich ausgebrachten Benzins landete schließlich vor Gericht. Verschiedene Zeugen sagten aus, dass der Angeklagte bereits vor der Entdeckung der aufgebrochenen Werkstatttür dort war. Der Angeklagte erklärte diesen Sachverhalt damit, dass er einen Schlüssel vergessen habe. Das wollte Richter Walter Hell aber nicht so recht einleuchten. Ebenso wenig die Variante, dass ein auswärtiger Brandstifter vor Ort war, Benzin ausschüttete und dann unverrichteter Dinge von dannen zog. "Diejenigen hätte man doch sehen müssen", wandte Hell ein. Gesehen hat sie aber angeblich nur der Angeklagte. Für den Amtsgerichtsdirektor stand deshalb fest: "Da hat jemand nur so getan, und in Frage kommen nur Sie." Die Motivation für die Tat sah der Richter in der Kündigung des Angeklagten. "Sie fühlten sich von ihren Arbeitgebern im Stich gelassen und wollten ihnen etwas auswischen." Hell bezeichnete das Vorgehen als verwerflich, die Angst der Bewohner auf diese Weise ausgenutzt zu haben. Er folgte in seiner Strafzumessung der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der 45-Jährige, der bereits fünf Mal straffällig geworden ist, wurde zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Dem Gefängnis entging er knapp, und das nur, weil der Mann aktuell eine Beschäftigung hat. (Thomas Winter )
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