Elefanten in Aichach-Friedberg?

So könnten die Schaufelzahnelefanten (Archaeobelodon) in Friedberg und Umgebung ausgesehen haben. (Foto: Farbzeichnung von Ute Gregor, Naturmuseum Augsburg)
 
Urelefanten im Friedberger Schloss: Zwei mächtige Stoßzähne stehen hier neben eindrucksvollen Zähnen und Knochen.
Friedberg: Wittelsbacher Schloss |

Einst zogen Elefantenherden durch dichte Auenwälder im Landkreis Aichach-Friedberg. Warum ein Fund ganz in der Nähe für Aufsehen in der Fachwelt sorgt.

In Europa gibt es keine Elefanten außer im Zoo, doch das war nicht immer so. Lange bevor sich Menschen zwischen der Paar und dem Lech ansiedelten, lebten auch bei uns jede Menge verschiedener Rüsseltiere. Der Beweis steckt im Boden. In Sand- und Kiesgruben in und um Friedberg, Schrobenhausen und Pfaffenhofen aber auch bei Bobingen, Stätzling und Augsburg werden seit dem 19. Jahrhundert Zähne, Stoßzähne und Knochen von unterschiedlichen Ur-Elefantenfamilien gefunden. Manche dieser alten Landsäuger wurden bis zu vier Meter groß. Sie sind die Vorfahren der heutigen Elefanten. Die Ur-Elefanten wanderten vor etwa 20 Millionen Jahren zahlreich aus Afrika nach Asien und zu uns nach Europa ein. Auch bei uns zogen die Dickhäuter über einen Zeitraum von etwa 15 Millionen Jahren mal durch dichte Auenwälder und feuchte Niederungen, mal durch Eislandschaften. Man vermutet, dass die vielen verschiedenen Urelefantenarten unterschiedliche Nahrungsstrategien hatten. Denn nur so konnten sie so zahlreich nebeneinander existieren ohne zu hungern.

Die Elefantenzähne und -kiefer im Friedberger Schloss stammen aus der Umgebung und wurden im 19 Jahrhundert gefunden. Sie gehören sie zu den ältesten Ausstellungsstücken, erklärt die Museumsleiterin, Dr. Alice Arnold-Becker. Im wiedereröffneten Museum im Wittelsbacher Schloss kommen auch die bedeutenden überregionalen Funde neu zur Geltung. Hier erfährt man, dass im Raum Augsburg und Aichach-Friedberg bis vor kurzem Vertreter aus drei Ur-Elefantenfamilien nachgewiesen waren: Die massigen Deinotherien, auch Hauerelefanten genannt, die Gomphotherien – welche den heutigen afrikanischen Elefanten auch in der Größe ähneln, allerdings im Unterkiefer zwei Stoßzähne hatten – und die Mammutiden mit ihrer typischen fliehenden Stirn und einem dichten Fell. Seit dem Fund aus einer Sandgrube bei Junkenhofen in der Nähe von Schrobenhausen deutet sich immer mehr an, dass eine vierte Urelefantengattung das Wittelsbacher Land bewohnt hat, die Schaufelzahn-Elefanten (Archaeolobelodon). Erdgeschichtlich ordnet man diese Tiere der Ordnung der Elephantoidea zu, welche lange vor den eiszeitlichen Mammuts (Mammuthus) die Erde bewohnten. Von Schaufelzahn-Elefanten lagen bislang weltweit nur vereinzelte Reste vor. Das rund 15 Millionen Jahre alte Skelett des Elefantenbullen von Junkenhofen ist so sensationell, weil es sich um ein fast komplettes, gut erhaltenes Skelett handelt, erklärt Dr. Michael Rummel. Der Leiter des Naturmuseum Augsburg hielt in der Reihe Friedberger Forum einen Vortrag über „Fossile Elefantenreste aus dem Raum Augsburg“. Auch bei der Neupräsentation der archäologischen Sammlung stand das Naturmuseum dem Team des Friedberger Schlosses beratend zur Seite.

„Wie ein Sechser im Lotto“

Von den ursprünglich sehr artenreichen Rüsseltieren haben nur der asiatische und der afrikanische Elefant überlebt. Funde von erdgeschichtlich gesehen „erst kürzlich“, ausgestorbenen Mammuts in der Umgebung, wie die bei Bobingen von 2005 oder in Baar von 2017, seien immer aufregend, doch der Junkenhofener Elefant sei für die Paläontologie „wie ein Sechser im Lotto“, sagt Michael Rummel. Schließlich handele es sich nicht nur um eine weitere Art, sondern auch um den bislang einzigen weltweit erhaltenen Fund des Archaeobelodon in dieser Qualität. Schon während der Bergung der unteren Stoßzähne mit der für die Gattung typische, schaufelartig verbreiterte Form, wurde klar, dass es sich um einen erst selten gefundenen Schaufelzahn-Elefanten handelte. Diese Tiere lebten vor mehr als 15 Millionen Jahren in den feuchten Auenwäldern zwischen Passau und dem Bodensee.

Eine Kollegin aus Wien und ein Wirbeltier-Paläontologe aus München erforschen nun gemeinsam den Urelefanten, weiß Dr. Michael Rummel. Die Dokumentation werde voraussichtlich 2020 veröffentlicht. Im Naturmuseum möchte man das Tier und seinen Lebensraum darstellen. Dazu sind eine populärwissenschaftliche Dokumentation, eine Darstellung des Fundorts mit Originalknochen als lebensgroße 3-D-Teilplastik sowie eine digitale Animation geplant. Hierzu möchte das Museum mit der Hochschule Augsburg zusammenarbeiten. Dann erfährt man mehr darüber, wie der betagte „Schaufelzahn“ und seine Artgenossen bei uns gelebt haben. Ob er einen Rüssel hatte, ist noch unklar. Seine massigen Knochen, Zähne und die kräftige Nackenpartie könnten auf eine spezialisierte Ernährungsweise hindeuten, soviel darf schon vermutet werden.

Termine & Ausflugstipps


Jeden ersten Sonntag im Monat finden kurzweilige Führungen zu einem Thema im neu gestalteten Museum im Wittelsbacher Schloss in Friedberg statt, zum Beispiel:
  • 15. Dezember: Geschichte mit Geschmack – Kurzweilige Führung über religiöse Kunst im Museum
  • 19. Januar: International − Friedberger Uhren in ganz Europa
  • 16. Februar: Das Grab des Friedberger Mädchens. Auf den Spuren einer frühmittelalterlichen Adelsfamilie

Im Naturmuseum Augsburg, Ludwigstraße 14, kann man noch bis zum 1. Januar echte Schlangen und Echsen, faszinierende Fossilien und Präparate in der Sonderausstellung „Ganz schön giftig“ bewundern und Spannendes über Gifte im Tierreich erfahren.
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