Landratsamt schließt Tierheim Lechleite: Ehemalige Leiterin akzeptiert Strafe

Momentan sind nur noch Hunde im Tierheim Lechleite in Derching untergebracht. Nach Auskunft des Rechtsbeistandes des Trägervereins handelt es sich um etwa ein Dutzend Tiere. Eine einmonatige Frist hat das Landratsamt eingeräumt, um den Bestand aufzulösen, neue Tiere dürfen nicht mehr aufgenommen werden. Foto: Tanja Marsal

Das Tierheim Lechleite muss den Betrieb einstellen. Am Dienstag entzog das Landratsamt Aichach-Friedberg die entsprechende Betriebserlaubnis und ordnete den Sofortvollzug an. Als Grund wurde die Nichteinhaltung einer Reihe von Auflagen angegeben. Der Trägerverein hat laut Landratsamt einen Monat Zeit, den Tierbestand, der aktuell ausschließlich aus Hunden besteht, aufzulösen. Bernhard Hannemann, Rechtsanwalt des "Vereins gegen Tierversuche und Tierquälerei", kündigte an, die Entscheidung der Behörde nicht zu akzeptieren: "Wir werden klagen."

Im Dezember war Gerlinde Bitzl, frühere Leiterin des Tierheims und nach wie vor Vorsitzende des Trägervereins, vor dem Aichacher Amtsgericht wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt worden. Wie berichtet, sah es Richter Walter Hell als erwiesen an, dass zwei Hunde in der Vergangenheit nicht richtig behandelt worden waren und deswegen unnötig Schmerzen erleiden mussten. Bitzl hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Die Verhandlung sollte eigentlich Anfang der Woche am Augsburger Landgericht über die Bühne gehen, wurde aber kurzfristig abgeblasen. Die 83-Jährige hatte das Urteil doch noch angenommen, im Gegenzug verzichtete die Staatsanwaltschaft auf weitere Ermittlungen. Vom "Deckel darauf machen" sprach nun Bernhard Hannemann. Die Vorsitzende sei mental sehr angeschlagen, betonte der Vereinsanwalt und wollte damit deutlich machen, dass die Annahme des Urteils aus Sicht Bitzls nicht als Schuldeingeständnis zu werten sei. Klar ist freilich auch, dass die frühere Leiterin des Tierheims damit rechtskräftig wegen Tiermisshandlung verurteilt ist.

Tierheim konnte Auflagen des Landratsamtes nicht einhalten

In einer Pressemitteilung schreibt das Landratsamt von einer "tierschutzrechtlichen Unzuverlässigkeit" des Vereins. Diese Einschätzung hat nicht nur mit der Verurteilung Bitzls zu tun. Deren Nachfolgerin als Tierheimleiterin hat vielmehr Mitte März fristlos gekündigt. Eine neue Leitung sei durch den Verein nicht benannt worden. Die dauerhafte personelle Ausstattung zur Sicherstellung einer tierschutzrechtlichen Betreuung war allerdings eine der Bedingungen, die das Landratsamt im Dezember mit der damals erteilten Betriebserlaubnis verbunden hatte. "Um einen ordentlichen Betrieb und den Schutz der Tiere sicherzustellen, war die Erlaubnis mit einer Reihe von Auflagen versehen. Da diese teilweise durch den Verein nicht eingehalten wurden, hat das Landratsamt Aichach-Friedberg die Betriebserlaubnis nun widerrufen", heißt es in der Pressemitteilung.

Bernhard Hannemann sieht das anders. "Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten alles getan", unterstreicht der Jurist. Wie gefordert, sei Gerlinde Bitzl nicht mehr in die Tierheimleitung eingebunden gewesen, die 83-Jährige sei zudem bereit, sich aus dem Trägerverein zurückzuziehen. Das soll demnach im Rahmen der ordentlichen Jahreshauptversammlung passieren, die Ende 2019 ansteht. Dass die neue Tierheimleiterin die Brocken hinschmiss, lag aus Sicht Hannemanns nicht an internen Komplikationen: "Sie wollte den Kleinkrieg mit dem Landratsamt nicht mitmachen."

Einige Kommunen hatten Kooperationsverträge mit dem Tierheim Lechleite

Ein Personalproblem stellt das aus Sicht des Anwalts aber nicht dar. Es gebe schließlich eine Stellvertreterin - eine Tierärztin aus Starnberg. Die werde die Leitung übernehmen, bis die Stelle dauerhaft neu besetzt ist. Die Suche laufe bereits.

Beim Landratsamt will man das nicht mehr glauben. Man habe dem Verein zunächst die Möglichkeit gegeben, das Tierheim vorübergehend freiwillig zu schließen, bis ausreichend sachkundiges Personal und eine neue Tierheimleitung beschäftigt werden können. Diese Möglichkeit habe der Verein aber verstreichen lassen. Eine aufschiebende Wirkung habe die vom Verein angekündigte Klage nicht, wie Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes, auf Nachfrage erklärte.

Wie die Gemeinden mit der Schließung des Tierheims umgehen werden, muss sich erst zeigen. Einige Kommunen haben jedenfalls Kooperationsverträge mit der Lechleite zur Unterbringung eventueller Fundtiere geschlossen. Seinen Teil der Verträge kann das Tierheim zumindest momentan nicht erfüllen. (Robert Edler)
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