Altstadt wird zur Festkulisse

Historientreue gilt bei der Friedberger Zeit nicht nur fürs Gewand, sondern auch für die handwerklichen und musikalischen Darbietungen. Fotos: Stöbich
  Friedberg: Friedberg | "Habe die Ehre" heißt es im Juli bei der Friedberger Zeit

Peter Stöbich
Friedberg. Aller guten Dinge sind drei: Nach der Einweihung ihres umgebauten Schlosses und der Wiedereröffnung des Museums wollen die Friedberger im Juli gleich zehn Tage lang mit ihren Gästen feiern. Das traditionelle Altstadtfest lädt die Besucher zu einer Zeitreise ins 17. und 18. Jahrhundert ein. Auftakt ist am Freitag abend, 12. Juli, mit einem grossen Festzug, die komplette Innenstadt bleibt dann bis 21. Juli für den Verkehr gesperrt.
Der Eintritt für einen Tag kostet fünf Euro, für mehrtägige Besuche zehn Euro. Historisch gekleidete Bürger im Gewand der Friedberger Zeit bezahlen keinen Eintritt. Die Veranstaltung zählt zu den beliebtesten historischen Festen in Süddeutschland.
Die Altstadtkulisse ist dabei Schauplatz für Theater- und Musikdarbietungen sowie für die Demonstration alter Handwerkskünste. So kann man Steinmetzen, Maurern, Schmieden, Münzprägern und Töpfern bei der Arbeit zusehen oder sich beim Bader eine Massage gönnen. Außerdem werden Papierschöpfer, Herrgottsschnitzer und Beutelschneider ihre Handwerkskünste von anno dazumal zum Besten geben. Selbst die kulinarischen Genüsse richten sich ganz nach dem, was die Friedberger Vorfahren gerne verschmaust haben.
Die Historientreue ist ein Aspekt, der von der Stadt und den Organisatoren nach wie vor hochgehalten wird, sich aber nicht nur auf Kleidung, sondern auch auf Geschirr, Dekor und das vielfältige Programm bezieht. In einer Präambel sind viele Details geregelt: vom passenden Gruß „Habe die Ehre“ über die Kleiderordnung bis zum Trinkspruch „Auf die Gesundheit“.
„Habe die Ehre“, als Begrüßung in Friedberg bis in die Fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu hören, entsprach dem Ehrgefühl der Menschen der damaligen Zeit und wird beim Stadtfest wieder mit Freude gesprochen. Die Handwerker, die am Stadtfest teilnehmen, halten diese Ehre hoch: Sie nehmen alle ehrenamtlich teil und investieren Zeit, Kosten und viel Mühe.
Die Nachfolge der Zünfte, von denen es im Jahre 1728 in Friedberg 16 gab, haben heute die Kreishandwerkerschaften und Innungen übernommen. Sie nehmen jetzt die Gesamtinteressen des selbständigen Handwerks wahr.
Vorbild für das Fest ist die Epoche zwischen 1680 bis 1790. Damals hatte Friedberg seine Hochphase als Uhrmacherstadt mit bis zu 50 Handwerkern aus diesem Bereich. Während des Festes schlüpfen viele Teilnehmer in Gewänder, wie sie die Bürger ihrer Heimatstadt im 18. Jahrhundert getragen haben.
Nach seiner Sanierung kann auch das Wittelsbacher Schloss wieder ins Programm einbezogen werden. Der Saal steht für Aufführungen der Schultheater zur Verfügung. Auch der Schlosshof wird zur Bühne: Dort finden außer Theater Musik und Tanz statt.
Auch die Partnerstädte haben sich bereits angekündigt; Gruppen aus Völs, Bressuire und Chippenham werden im Juli kommen. Die spanische Theatercompagnie Cia La Tal wird dieses Jahr wieder einen Auftritt haben; mit ihrem Uhrentheater war sie 2016 das erste Mal nach Friedberg gekommen und sofort zu einem Publikumsliebling avanciert. Sie tritt wieder am Eisenberg auf. Dieser wird dieses Mal auch Veranstaltungsort für die Tuchakrobaten und die Feuershow des TSV Friedberg.
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen machen auch vor dem Altstadtfest nicht halt. Unter anderem wird es eine Beschallungsanlage für Durchsagen entlang der Hauptachse der Festzone geben, falls die Veranstaltung wegen Feuers oder einer Explosion evakuiert werden muss. Um Sicherheit geht es auch bei der Vorbereitung des Fackelzugs: Die Aufstellung findet aus Sicherheitsgründen im Hof der Mittelschule statt. Der Aufbau der zahlreichen Stände beginnt Mitte Juni in den Seitenstraßen. Am Freitag, 5. Juli, wird die Ludwigstraße gesperrt. Der letzte Wochenmarkt findet am 21. Juni statt, dann ist erst am 26. Juli wieder Markt auf dem Marienplatz.
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