Der Untericht macht allen Spaß

Die Lebensfreude und Kultur ihrer katalonischen Heimat will sie den Stadtbergern vermitteln.
 
In ihrer Freizeit ist Marta Gomis gern kreativ, fotografiert, malt und musiziert. Fotos: Stöbich
Marta Gomis vermittelt südländische Lebenfreude

Peter Stöbich
Als temperamentvolle Spanierin will Marta Gomis den Stadtbergern neben der Sprache auch südländische Kultur und Lebensart nahebringen. Außer in ihrer eigenen Schule in Leitershofen unterrichtet sie auch im Bürgerhaus Pfersee und engagiert sich als Naturführerin bei der Umweltstation Augsburg.
„España fascina“ ist auf einem bunten Poster zu lesen, das die Iberische Halbinsel mit touristischen Symbolen der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten zeigt. Die Türme der berühmten Kirche Sagrada Familia sind bei Barcelona platziert, der Heimat der Katalanin. Sie hat das Plakat im Unterrichtsraum ihres Hauses in Leitershofen aufgehängt; dort gibt sie nicht nur Kurse in Spanisch, sondern veranstaltet auch regelmäßige Gesprächsabende. "Dabei geht es um aktuelle Nachrichten ebenso wie um kulturelle Themen aus meiner Heimat", sagt sie, "denn viele Schüler interessieren sich sehr für Landeskunde."
Barcelona, die kosmopolitische Hauptstadt der Region Katalonien, ist für ihre Kunstwerke und Architektur bekannt. Die imposante Kirche Sagrada Família und andere Wahrzeichen der Moderne von der Hand des Künstlers Antoni Gaudí sind überall in der Stadt zu finden. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Barcelonas stammen von berühmten Künstlern und Architekten. Auch der Park Güell, eine Hommage an die Natur, wurde von Gaudí entworfen.
In Barcelona fanden 1992 die Olympischen Sommerspiele statt; zum ersten Mal seit 20 Jahren waren Sportler aller Nationen vertreten, die ein Nationales Olympisches Komitee hatten. "In diesem Jahr bin ich mit meinem Mann Werner nach Deutschland gegangen", erzählt sie. "Er arbeitete damals als Gärtner in Südspanien und hatte mich in der U-Bahn nach dem Weg gefragt." 1996 heiratete das Paar und baute später sein Haus in Leitershofen.
In ihrer Heimat hatte Marta Tourismus studiert und bereits Deutsch gelernt; außerdem spricht sie Englisch und Italienisch. Für sie gibt es viele Gründe, um Spanisch zu lernen: "570 Millionen Muttersprachler sprechen Spanisch; damit kann man in 24 Ländern Kontakte aufnehmen und pflegen." An vielen Schulen sei Spanisch Hauptfach und viele Unternehmen pflegen enge Verbindungen zu spanischsprachigen Partnerfirmen.
Die Kulturen zusammenzubringen, Interesse und Verständnis füreinander zu wecken, war immer ihr Anliegen. Deshalb hatte sie in Stadtbergen einen eigenen Verein gegründet, der sich vor einiger Zeit aber wegen organisatorischer Probleme wieder aufgelöst hat. Jetzt lädt sie in ihrer Schule an der Volkweinstraße zum regelmäßigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch ein. Der Unterricht macht allen Spaß und die Teilnehmer kommen aus dem ganzen Landkreis Augsburg: Anfänger, Geschäftsleute, Schüler, Urlauber werden unterrichtet, in Konversationskursen Kenntnisse aufgefrischt.
Dabei kann man außer der Sprache auch vieles über Land und Leute lernen. "Barcelona ist nach Paris die am zweitdichtesten besiedelte Millionenstadt Europas", erzählt Marta Gomis. Am 1. Oktober 2017 wurde von der Regionalregierung Kataloniens ein umstrittenes Referendum über die Unabhängigkeit abgehalten, denn viele Katalanen wollten selbst über ihr Schicksal entscheiden und kein Teil mehr von Spanien sein. Das Verfassungsgericht hatte die Abstimmung zuvor für rechtswidrig erklärt, da die spanische Verfassung keine Abstimmungen über die Unabhängigkeit einer Autonomen Gemeinschaft vorsieht; die Regierung versuchte, die Befragung mit Berufung auf deren mangelnde Rechtsgrundlage zu verhindern.
Für die Erwachsenenbildung hat sie viele interessante Ideen, zum Beispiel das Lernen mit Bewegung zu verbinden: "Man kann ja auch beim gemeinsamen Tanzen oder Wandern Spanisch üben!" Als Stadt- und Naturführerin in Augsburg liegt ihr der Umweltschutz besonders am Herzen und sie plant mit ihren Schülern eine Ausstellung zu diesem Thema: Plastik vermeiden, Wasser sparen, Tiere schützen und so weiter.
Außerdem möchte die ehemalige Flamenco-Tänzerin ein wenig südländische Lebensfreude vermitteln. "Die Deutschen sollten nicht alles so eng sehen", sagt sie und nennt als anschauliches Beispiel ein Sommerfest. "Das wäre hierzulande sehr strukturiert und durchgeplant - wir Spanier sind eher locker und improvisieren halt spontan, falls es bei so einem Fest regnet."
Außer der Mentalität gibt es zwischen den Ländern noch einen Unterschied, an den sie sich bis heute nicht so recht gewöhnen konnte. "Während des langen Winters in Deutschland vermisse ich das Licht und freue mich jetzt auf die warmen Monate!" Nicht umsonst hat auch ihre Schule in Stadtbergen den schönen Namen "Sol" (die Sonne).
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