Die Zukunft der Landwirtschaft? Seit zwei Monaten betreibt Friedelhof bei Friedberg "Solawi"

Einige Mitglieder der Solawi am Friedelhof pflanzen gemeinsam Gurken ein. (Foto: Jonas Machnik)
 
So könnte eine Wochenration an lokal produziertem Gemüse im Spätherbst aussehen. (Foto: Jonas Machnik)

Solawi, das steht für „Solidarische Landwirtschaft“ – ein Konzept, bei dem Landwirte sich mit mehreren Menschen oder Familien zusammentun, um ihr Gemüse oder auch andere Erzeugnisse lokal zu vermarkten. Solch einen Hof hat Jonas Machnik vor zwei Monaten auch in der Nähe von Friedberg eröffnet.



Die Käufer zahlen einen monatlichen Beitrag und verpflichten sich damit für ein Jahr, dem Landwirt einen Teil seines Gemüses abzunehmen. Im Gegenzug erhalten sie wöchentlich eine Ration lokaler Produkte und dürfen in den jährlichen Versammlungen mitbestimmen, was auf dem Friedelhof angebaut werden soll.

Der Friedelhof liegt zwischen Augsburg und Dachau an der A8, von Friedberg aus ist er mit dem Auto in 15, von Augsburg aus in 25 Minuten zu erreichen. Seit die Familie Colsman den Hof im Jahr 1956 erwarb, betreibt sie hier biologische Landwirtschaft. Die Solawi baut hauptsächlich Gemüse an, auf den Wiesen stehen außerdem circa 60 Obst- und Nussbäume, auch Erdbeeren werden gepflanzt.

"Ich spüre, dass es das richtige ist"

Vor zwei Monaten startete Jonas Machnik das Projekt Solawi am Friedelhof. Der 29-Jährige stammt ursprünglich aus Dachau und arbeitet seit zehn Jahren als Gemüsebauer und Landwirt. „Obwohl es erst seit zwei Monaten läuft und gerade sehr viel Arbeit ist, spüre ich, dass es das richtige ist“, sagt Machnik. Für ihn sei es toll, nicht für einen anonymen Markt zu produzieren. Einerseits, weil auf dem Markt ein enormer Preiskampf herrsche, der die Erzeuger zu Quantität statt Qualität zwinge. Aber auch weil es schön sei, Kontakt zu den Leuten zu haben, die das Gemüse essen. „Alle sind interessiert und freuen sich zu sehen, was ich mache und wie alles wächst. So eine Wertschätzung kriege ich vom Handel nicht.“

Außerdem sorge dieses System auch dafür, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden, weil „krummes Gemüse“ nicht weggeworfen wird. So könne der Gemüsebauer nun auch Sorten anbauen, die besser schmecken, aber weniger Ertrag haben. „Weil ich keine Handelsnormen einhalten muss, relativiert sich der geringere Ertrag“, erklärt Machnik. „Und die Leute schmecken den Unterschied.“

Für die Mitglieder bietet die Solawi die Chance, genau zu wissen, wo und wie das eigene Gemüse angebaut wird. Alle Mitglieder können, wenn sie wollen, am Hof mitarbeiten. Einmal im Monat gibt es Treffen zu bestimmten Aktionen, zum Beispiel zur Apfelernte oder zum Sauerkrautstampfen. Die Mitarbeit sei nicht Pflicht, aber wichtig für das Bestehen des Projekts. „Im Vordergrund steht aber, dass wir zusammen kommen und Spaß haben, es wird gekocht, gegessen, was auch immer uns einfällt.“ Außerdem könnten die Mitglieder hier auch wunderbar die Natur erleben und von einer neuen Seite kennenlernen.

Auch die Natur profitiert vom Konzept

Bisher hat die Solawi am Friedelhof 24 Mitglieder. „Es können gerne noch andere mitmachen“, sagt Machnik. Jeden Freitag ist für die Mitglieder Abholtag am Friedelhof. Gestern bestand die wöchentliche Ration aus einer Gurke und einer Zucchini („die ersten in diesem Jahr“, merkt Machnik an), zwei Salaten, zwei Kohlrabi, 300 Gramm Rettich, zwei jungen Knoblauch, 200 Gramm Erdbeeren und 150 Gramm Rucola. „Die Leute, die weiter weg wohnen, haben sich zusammengeschlossen“, erklärt der 29-Jährige. „Zum Beispiel gibt es in Dachau eine Verteilstation, bei der die Leute das Abholen untereinander organisieren. Das sind insgesamt sechs Mitglieder, jeder muss also alle sechs Wochen einmal zum Friedelhof fahren.“ Ein solches System könnte er sich auch noch für andere Orte, zum Beispiel Augsburg vorstellen.

Wichtig ist auch die Transparenz. „Wir zeigen, welche Kosten uns entstehen, um die Gemeinschaft mit Lebensmitteln zu versorgen.“ Für einen Anteil entständen dem Landwirt Kosten von circa 90 Euro, unter anderem für Lohn, Maschinen und die Pacht. Bei mehr Mitgliedern könnten die Kosten etwas sinken. „Die Mitglieder können aber einen monatlichen Mitgliedsbeitrag zwischen 60 und 180 Euro frei wählen.“ So sollen auch Leute mit geringerem Einkommen die Chance erhalten, an der Solawi teilzuhaben.

Auch die Natur profitiert letzlich von diesem Konzept, ist Jonas Machnik sich sicher: Weil weniger weggeschmissen wird, da die Transportwege kürzer sind und kaum Verpackungsmüll entsteht, und weil vielfältiger und ökologischer angebaut werden kann.

Informationen zur Solawi am Friedelhof unter https://solawi-am-friedelhof.de/.
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