Eine Lobby für den Einzelhandel

Die Innenstadt will der Friedberger Citymanager Thomas David beleben. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Neuer City-Manager zieht im Stadtrat erste Bilanz

Peter Stöbich
Friedberg. Jahrelang war in Friedberg über die Position eines sogenannten City-Managers diskutiert worden. Seit Ende letzten Jahres ist Thomas Alexander David im Amt und schilderte jetzt in der jüngsten Stadtratssitzung seine ersten Eindrücke und Erfahrungen. Er sei "Lobbyist der Einzelhändler", sagte Bürgermeister Roland Eichmann.
Über Nutzen und Kosten eines professionellen Fachmanns hatten die Mitglieder des Verkehrsvereins schon vor längerer Zeit eingehend diskutiert. Der Stadtrat hatte die Verwaltung beauftragt, mit interessierten Unternehmen die Rahmenbedingungen für eine GmbH-Gründung abzustecken. In dieser Gesellschaft sollten einem Vorschlag des Bürgermeisters zufolge Stadtmarketing, Quartiersmanagement und Wirtschaftsförderung gebündelt werden. Die Stadt hatte zunächst eine Kostenbeteiligung in Höhe von 30.000 bis 40.000 Euro vom Verkehrsverein verlangt, was dessen finanzielle Mittel bei rund 140 Mitgliedern aber übersteigt.
Der gebürtige Münchner David lebt seit 14 Jahren in Augsburg, wo er Wirtschaftsgeografie studierte und zuletzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Humangeografie tätig war. Zum Thema Citymanagement konnte er dabei bereits Praxiserfahrung sammeln. Neben dem Stadtmarketing soll er in Friedberg auch die Aufgaben des Wirtschaftsbeauftragten übernehmen, der sich um die Ansiedlungswünsche von Unternehmen kümmert. Dazu kommt die Begleitung des neuen Einzelhandels-Gutachtens, das die alte Studie aus dem Jahr 2009 ablöst.
Im Stadtrat machte David klar, daß er als Einzelkämpfer nicht viel ausrichten könne: Die Attraktivität der Kernstadt lasse sich nur gemeinsam mit den Mitgliedern des Aktivrings und den Einzelhändlern stärken. Dazu gab es einen sogenannten City-Dialog; dabei betonte der neue Mann, es sei wenig sinnvoll, auf langfristige Lösungen wie eine autofreie Innenstadt zu warten oder auf flächendeckend bis Samstagabend geöffnete Geschäfte. Stattdessen könne man mit kurzfristigen Maßnahmen schnell viel erreichen; statt zum Beispiel neue Parkflächen zu schaffen, sollte lieber das besser genutzt werden, was schon vorhanden ist.
Am wirksamsten seien gemeinsame Aktionen, an denen viele Läden teilnehmen. Dafür hat David Vorschläge gesammelt, die die Gewerbetreibenden mit seiner Hilfe leicht umsetzen können. Als Beispiele nannte er im Stadtrat unter anderem eine Schaufenster-Schnitzeljagd quer durch die Innenstadt, Gewinnspiele oder Straßenmusik. Um die Geschäftsleute über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten, will sie David per Mail in einem regelmäßigen Newsletter informieren.
Als Erfolg bezeichnete er das neue Gutscheinsystem mit dem Namen „Cityscheck“. Ziel sei es, durch eine möglichst breite Akzeptanz unter den Friedberger Einzelhändlern und Gewerbetreibenden Kaufkraft in der Innenstadt zu halten, aber auch zurückzugewinnen. Bislang gab es kein einheitliches Gutscheinsystem in Friedberg. Die neuen Karten gibt es im Wert von elf und 22 Euro. In der Summe ergibt sich ein Wert von 44 Euro, das ist genau die Höhe, die man auch für Personalgutscheine ausgeben darf.
Als Ziele für seine künftige Arbeit nannte der Manager auch eine Stärkung der Friedberger Marktsonntage oder die Bündelung von Interessen in der Kernstadt. Doch bis zu sichtbaren Erfolgen sei es noch ein weiter Weg, stellte Peter Feile (SPD) in der Diskussion fest. Claudia Eser-Schuberth (Grüne) kritisierte, daß in Davids umfangreichem Maßnahmenkatalog die Kunden überhaupt nicht vorkämen.
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