Einsturzgefahr: Ehemaliges Weinnest in Friedberg evakuiert

Das Gebäude , in dessen Erdgeschoss sich bis vor einem Jahr das Weinnest befand (rechts im Bild), gilt laut einem Gutachten als einsturzgefährdet. Die Stadt hat den Bereich rund um das Haus zur Sicherheit gesperrt. Foto: Kristin Deibl
 
Im Dach des einsturzgefährdeten Hauses klafft bereits ein Loch seit das Nachbargebäude abgerissen wurde. Foto: Christl Fischer

Die Friedbergerin Barbara Truger und ihre drei Kindern mussten in der vergangenen Woche Knall auf Fall ihr Zuhause verlassen. Grund für die überraschende Evakuierung: Ein Gutachten hatte ergeben, dass das denkmalgeschützte Haus in der Bauernbräustraße, das die Vier bewohnen, akut einsturzgefährdet sei. Die Stadt hat den Bereich um das Gebäude gesperrt.

Es war am Mittwochabend, als Bürgermeister Roland Eichmann unerwartet vor Trugers Tür stand und sie über das Gutachten informierte. Die Familie durfte noch die wichtigsten Sachen einpacken, dann musste sie die Wohnung verlassen. "Meine Familie steht immer noch unter Schock", sagt Christl Fischer. Sie ist die Eigentümerin des Hauses und zugleich Mutter von Barbara Truger. Besonders für ihre jüngste Enkelin mit zwölf Jahren sei das alles unbegreiflich.

Das Gebäude, in dem Barbara Truger mit ihren Kindern lebt, beherbergte über mehrere Jahrzehnte im Erdgeschoss das Lokal Weinnest, das vor etwa einem Jahr geschlossen wurde. Christl Fischer möchte das Haus nun verkaufen. Der neue Käufer steht bereits fest. Georg Holzbrecher möchte das denkmalgeschützte Gebäude sanieren. Er war es auch, der die Statik überprüfen ließ. Es war nicht das erste Gutachten, das zum Zustand des Hauses erstellt wurde. Der Besitzer des Nachbargebäudes, der Unternehmer Bernhard Spielberger, hatte im April begonnen, sein Gebäude abzureißen. Im Zuge der Arbeiten stellte sich allerdings heraus, dass die beiden Häuser eine gemeinsame Mauer haben. Ein von Spielberger beauftragter Gutachter bescheinigte, dass das Haus dennoch weiterhin bewohnbar sei.

Christl Fischer bezweifelt das. "Ich hatte die Befürchtung, dass das Haus einsturzgefährdet ist, als beim Abriss des Nebenhauses die ersten Brocken auf dem Dachboden landeten. Ab da rieselte und fiel immer wieder etwas in meinen Dachbodenbereich", schildert sie. "Meine Tochter, die mit ihren Kindern in dem Haus lebte, musste nun die ganze Zeit Arbeiter der Abbruchfirma, Gutachter und Architekten durch ihre Wohnung zum Dachboden lassen. Es ging plötzlich zu wie auf dem Stachus." Die Giebelseite sei schließlich von ihrer Seite aus mit Brettern und Stützen gesichert worden. Als einsturzgefährdet gelten laut Gutachten der Dachstuhl, Zwischendecken und die Mauer zum Nachbarn.

Barbara Truger und ihre Kinder wollen nicht erst seit den aktuellen Ereignissen ausziehen. "Sie suchen schon, seit angedeutet wurde, dass das Nachbarhaus abgerissen werden darf", erzählt Christl Fischer. Doch die Suche gestalte sich schwierig. "Sie hoffen nun, schon bald ein neues Heim zu bekommen." Vorerst sind sie bei verschiedenen Verwandten untergekommen.

Neben der Evakuierung des Gebäudes ordnete die Stadt zunächst auch eine komplette Sperrung der Bauernbräustraße an, als das Gutachten bekannt wurde. "Nach ersten fachlichen Prüfungen am Freitag konnte die Sperrung nun soweit reduziert werden, dass die Straße für den Verkehr in Nord-Süd-Richtung wieder gefahrlos befahrbar ist", schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Fußgänger könnten das einsturzgefährdete Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite ebenfalls passieren. Die Zufahrt zur Garage West ist aus der Richtung Friedberger Berg möglich, alle Ladengeschäfte sind erreichbar. Die Kreitmayrgasse, die von den Sicherungsmaßnahmen ebenfalls betroffen ist, bleibt über die Jungbräustraße erreichbar.

"Die Stadt Friedberg arbeitet mit den Beteiligten mit Hochdruck daran, die Straßensperrung zeitnah wieder aufzuheben, sobald die Gefahrenlage es zulässt. Sie ist dabei jedoch auf die Zu- und Mitarbeit der betroffenen Gebäudeeigentümer sowie von Fachfirmen angewiesen", heißt es von der Stadt. Ob der Abriss des Nachbargebäudes für die Einsturzgefahr verantwortlich ist und wie die beiden Gutachten zu solch verschiedenen Ergebnissen kommen konnten, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden. (
Von Kristin Deibl)
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