Friedbergerin Margit Hummel machte Schlagzeilen mit dem "teuersten Wiesn-Dirndl"

Schneidermeisterin Margit Hummel geht immer "boarisch". Sie trägt drei Unterröcke, Mieder und Schürze. Ihr Luxusdirndl machte Schlagzeilen als teuerstes der Wiesn. Foto: Monika Grunert Glas

Am Rande der Altstadt, an der Aichacher Straße, gibt es ein ganz besonderes Geschäft. In den hellen, mit Schränken, Stoffregalen und liebevoll dekorierten Schaufensterpuppen vollgestellten Räumen residiert Margit Hummel. Die Schneidermeisterin und ihre vier Mitarbeiterinnen nähen alles, was es zu nähen gibt, vom Reißverschluss über das Brautkleid bis zum Herrenanzug. Doch Margit Hummels ganz besondere Liebe gilt der Tracht. Zuletzt machte die 57-Jährige Schlagzeilen mit der Behauptung: "Ich habe das teuerste Dirndl der Wiesn!"

30.000 Euro soll das Dirndl kosten. Wie kommt es zu diesem Preis? Vieles an der Tracht ist reine Handarbeit. Der Spitzenkoller etwa und das blaue Mieder, das mit reicher Stickerei aus Goldfäden versehen ist. Dafür benötigten drei Stickerinnen drei Monate. Die Vorlage für das Dirndl entdeckte Margit Hummel in der Trachtenberatungsstelle Krumbach. Dort durfte sie auch silberne Haken ausleihen, die sie dann in Bad Wörishofen kopieren ließ. "Was ein Dirndl teuer macht, ist vor allem der Schmuck", berichtet Margit Hummel. Den bewahrt sie natürlich nicht in ihrem Geschäft auf. Schließlich ist schon die einzigartige Halskette mit der goldenen Hummel eine Kostbarkeit, gar nicht zu sprechen vom "Geschnür", das zahlreiche Edelmetall-Anhänger zieren.

Die weinrote Bluse und die rot-grün karierte Schürze mit Jaquardmuster sind aus reiner Seide, den rostroten Rock ziert eine Borte aus Frankeich. Der Meter davon kostet 50 Euro. Um den ausgestellten Rock zu umranden, benötigte man gut vier Meter.

Damit der Rock gut absteht und die Taille schmaler wirkt, trägt Margit Hummel, die auch im Alltag stets "boarisch geht", darunter den "Weiberspeck", eine Art ausgestopfte Rolle, die umgebunden wird. Vier Unterröcke, samt einem wattierten, tun ein Übriges für den Sitz. "Unter ein gutes Mieder zieht man keinen BH", verrät die Expertin. Es ist so verstärkt, dass es alles zusammenhält und an die richtige Stelle schubst. "Der Busen geht dahin, wo Platz ist", sagt sie lachend. "Bei der Tracht ist das oben."

Dass sie einmal Schneiderin würde, das wusste Margit Hummel schon als Kind. Später dann, als sie Ahnenforschung betrieb, fand sie heraus, dass es ihr wirklich im Blut liegt. Über Jahrhunderte übten Vorfahren dieses Handwerk aus. Dennoch ergriff sie in ihren 30ern eine gewisse Unruhe. Sie machte, schon Mutter, ihr Abitur nach und studierte katholische Theologie. Margit Hummel ist Diplomtheologin. Auch eine Doktorarbeit könnte sie noch abschließen, sie forscht über Königin Esther. "Ich glaube aber nicht, dass ich noch den Doktor mache", schränkt sie ein. "Es ist mir nicht mehr wichtig."

Zu sehr belastet sie auch ihre Erkrankung. Sie erzählt, dass ihr für ein MRT - eine Art Röntgen des Kopfes - Kontrastmittel verabreicht wurde. Seit zehn Jahren lebt sie mit einem Gehirntumor. Doch dieser sei es nicht, der die neurologischen Ausfälle, die wandernden Schmerzen, die Herzprobleme, den Lungenhochdruck ausgelöst habe, sagt die Schneidermeisterin. Nach einem langen Leidensweg fand sie eine Ärztin, die die richtige Diagnose stellte: Sie leide unter einer Gadolinium-Vergiftung. Margit Hummel hat inzwischen eine Selbsthilfegruppe gegründet. Dass Gadolinium gefährlich sein kann, steht fest. Einige Kontrastmittel wurden zuletzt verboten.

An manchen Tagen fällt Margit Hummel der Betrieb ihres Geschäfts recht schwer. Doch sie lässt sich nichts anmerken. Sorgfältig und kreativ berät sie unentschlossene Kunden, die zum Beispiel eine Jacke bei ihr bestellen. Welche Form würde der Frau besonders stehen? Trägt sie gerne Halstücher? Wo setzt man welche Taschen hin? Margit Hummel ist eine der seltenen Meisterinnen, die auch Herrenschneider sind. Sie fertigt Maßanzüge - wohl gemerkt, keine Maßkonfektion. Bei ihr wird jedes Detail individuell festgelegt, von der Stoffart bis zum Knopf. Ein dreiteiliger Anzug kostet ab 2500 Euro. Bei dem steht dann aber auch das Jacket nicht seltsam am Po ab und die Hose spackt nicht im Schritt. Ein Baron aus dem Landkreis lässt sich gerade Knickerbocker nähen.

Für einen Frack mit passendem Mantel hat Margit Hummel beim Wettbewerb der deutschen Schneiderelite im vergangenen Jahr zwei Silbermedaillen gewonnen. Dort räumt sie regelmäßig Preise ab. Das richtige Messen ist ihr besonders wichtig. Jeder Körper ist anders, und das beeinflusst den Sitz der Kleidung. Ein Gräuel sind ihr deshalb Billigdirndl aus Asien oder Apps, mittels derer sich Kunden "selbst vermessen" sollen, um dann ein "Maßkleid" zu erhalten. Das könne gar nicht perfekt sitzen, ist sie überzeugt. Sie bedauert sehr, dass die Meisterpflicht der Schneider abgeschafft wurde. So könne nun quasi jeder ein Geschäft aufmachen.

Dabei hält sie ansonsten nicht viel von Konventionen. Eine ihrer Auszubildenden machte sie mit einer "ganz und gar unmöglichen" Bewerbung neugierig. Grottige Noten, Wörter durchgestrichen, per Hand drüber geschrieben. Sie lud die junge Frau ein. Unterhielt sich mit ihr und entdeckte "ein Juwel. Sie hat mehr Talent als ich", gesteht sie freimütig.
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