Gemeinsam auf dem Weg: Auf einer ökumenischen Gemeindefahrt suchen Evangelische und Katholische Luthers Spuren - und finden zueinander

Martin Luther stand im Zentrum der ökumenischen Gemeindefahrt. Um ihn herum ist ein offener Dialog zwischen den Konfessionen entstanden, der die Ökumene nochmals in Fahrt gebracht hat
 
Ob hier in Eisleben beim Geburtshaus Luthers oder an anderen Orten – die Teilnehmer der Reise lernen die jeweils andere Konfession besser kennen und tauschen sich aus. Der offene Dialog ist ein großer Gewinn
Zugegeben, auf den ersten Blick ist es schon erstaunlich, wenn sich evangelische und katholische Gemeindemitglieder in Friedberg miteinander auf den Weg machen, um ausgerechnet die Spuren Martin Luthers zu entdecken. Dass Interesse von Lutheranern ist nachvollziehbar, auch ein Jahr nach dem Reformationsjubiläum. Aber was treibt Katholiken an, sich einer solchen ökumenischen Gemeindefahrt anzuschließen? Sind die Spuren des Reformators wirklich das richtige Thema für Ökumene? Können evangelische und katholische Christen auf dem Weg einen Konsens finden?

Fragen, Antworten und mehr
Dass die Fahrt innerhalb kürzester Zeit ausgebucht war, spricht schon für das große Interesse beider Kirchengemeinden an der Klärung solcher Fragen. Und in der Tat wurden die Teilnehmer nicht enttäuscht, sondern fanden während Reise Antworten darauf – und noch viel mehr. Monika Göppel, Vertrauensfrau des evangelischen Kirchenvorstands, und Pater Steffen Brühl, Stadtpfarrer von St. Jakob in Friedberg, hatten die Reise gemeinsam perfekt organisiert und begleitet. Fünf Tage lang führte uns ein abwechslungsreiches Programm zu vielen Orten, an denen Luthers Spuren heute noch zu finden sind: Eisenach, Eisleben, Erfurt, Wittenberg und Leipzig. Wir entdecken, wo Luther geboren und getauft wurde, wo er als Mönch lebte, studierte und zum Priester geweiht wurde, wo er (vermeintlich) die Thesen anschlug, wo er Zuflucht fand, predigte, starb und begraben ist. Martin Luther ist tatsächlich eine höchst interessante Person, für evangelische Christen genauso wie für katholische. Als Lehrer im Glauben kann er uns allen ein Vorbild sein, das wird auf dieser Reise deutlich.

Ein Katalysator für den offenen Dialog
Vieles auf dieser Spurensuche beeindruckt uns tief. Eindringlich erleben wir, wie ungemütlich es sich wohl früher schon auf der Wartburg angefühlt haben muss. Inspirierend wirkt die Morgenandacht, in der Gertrudkapelle des Zisterzienserinnenklosters Helfta, aber auch im Bus. Für Gänsehaut sorgt es, wenn wir dicht aneinander gedrängt im fast dunklen Vorraum der evangelischen Predigerkirche in Erfurt spontan gemeinsam Kirchenlieder singen und damit sogar im wahrsten Sinne des Wortes Türen öffnen können. Und mindestens genauso bewegend ist natürlich die gemeinsam gefeierte Messe in dieser Kirche. Besonders spannend aber ist der Dialog, der sich ständig entwickelt. Fünf Tage lang nutzen wir die Chance, ins Gespräch zu kommen. Wir tauschen uns aus und lernen uns kennen, ganz neu oder auch von einer anderen Seite. Wir lernen voneinander, diskutieren, was die Konfessionen trennt, vor allem aber entdecken wir unsere Gemeinsamkeiten. Martin Luther wollte die Kirche erneuern, nicht spalten. Darauf besinnen wir uns und sind froh, dass diese Reise sich als Katalysator für einen offenen Dialog entwickelt. Das empfinden alle, gleich welcher Konfession, als echte Bereicherung. „Dialog funktioniert nur, wenn jeder weiß, auf welcher Basis der andere steht“, ist Stadtpfarrer Steffen Brühl überzeugt. „Dies den Gemeindemitgliedern näherzubringen, war unser Ziel.“ Das ist ohne jeden Zweifel gelungen. „Hier ist eine wunderbare Gemeinschaft entstanden“, berichtet Monika Göppel, die sich auch über die zahlreichen positiven Rückmeldungen der Teilnehmer freut. Die Ökumene ist in Friedberg ohnehin auf einem guten Weg. Mit der Reise hat sie noch ein Stück mehr an Fahrt aufgenommen.
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