Künstler kämpfen für freie Gedanken

  Friedberg: Friedberg | Ausstellung erstmals im Friedberger Schloss zu sehen

Peter Stöbich
Friedberg. Noch bis zum 5. Mai sind in Friedberg rund 80 eindrucksvolle Kunstwerke zu sehen – erstmals im Wittelsbacher Schloss und zum ersten Mal für die Dauer von drei Wochen. „Für die 40. Ausstellung im kommenden Jahr werden wir einen neuen Ort finden müssen“, sagte bei der Vernissage Bürgermeister Roland Eichmann, denn 2020 sind die Schlossräume durch die Landesausstellung belegt.

Die aktuelle 39. Schau in der ehemaligen Remise steht unter keinem speziellen Motto, aber die Titel vieler Exponate machen deutlich, dass sich die Künstler ihre Gedanken zum Thema Flucht, Entfremdung und Unterwegs Sein gemacht haben. So zeigt Christiane Osann aus Friedberg ein geschnitztes Boot, in dem sich Menschen zusammendrängen. Rita Höfler aus Dasing nennt ihr Acrylbild „Unterwegs“, andere Werke heißen Befreiung, berstendes Land, Morgendämmerung, der Weg oder die Reisenden.

„Mit unserer zeitgenössischen Kunst sind wir in der Lage, Politik und Kunst zu verbinden“, sagte die Organisatorin Rose Maier Haid bei der Eröffnung vor zahlreichen Besuchern. „Wir reflektieren unsere Welt und sollten jedwede Unterstützung erhalten!“ Künstler würden der aufmerksamen Welt Erfindungen, neue Ideen und poetische Erweiterungen schenken, stellte sie fest. Viele kämpften trotz der finanziellen Unsicherheit mutig für den freien, unabgesicherten Gedanken. Maier Haid forderte auch von den Besuchern Mut in ihrem Alltag: „Nehmen Sie die Freiheit dieser Bilder, Skulpturen und Objekte mit!“

In ihrer Begrüßung stellte sie die Geschichte und Tradition des Friedberger Schlosses der Gegenwartskunst gegenüber, für die sie sich mehr Chancen in Form von Anerkennung, Geld und Räumen wünschte. Dem Bürgermeister schlug sie eine Präsentation vor, die Historie und Gegenwartskunst zeigt, beide mit den gleichen Bedingungen und zur gleichen Zeit.

Für ihre Bilder und Objekte haben sich die Künstler allerhand Originelles einfallen lassen, das beim ersten Blick erstaunt und irritiert. Denn nicht nur Holz oder Zeichenpapier wurde verwendet, sondern auch Kaffee oder Rotwein verarbeitet. „Gezähmtes Gespinst“ aus Eisendraht oder ein schwarzer Altkleiderrest ließen manche Betrachter ratlos und verwirrt zurück. „Über Geschmack kann man ja streiten“, meinte zum Beispiel Ulrike Erhard aus Mering, „aber was an einem alten Stofffetzen Kunst sein soll, frage ich mich schon.“

Andere Werke lassen dagegen keine Fragen offen wie eine barbusige Lindenholz-Skulptur von Isabella und Michael Merkle aus Friedberg oder die Darstellung „Kleinfamilie macht Strandurlaub“, für die Andrea Gross Plastikmüll aus dem Meer verwendet hat. Außerdem sind unter anderem ein Hochseilakt und eine Trachtlerin mit Ziege, eine Sommerweide und ein Schweineturm zu sehen.

Die Friedberger Ausstellung ist bis zum 5. Mai von Dienstag mit Samstag jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen bereits ab 10 Uhr. Am Donnerstag, 25. April, wird es in der Zeit von 15 bis 17 Uhr eine Malaktion für Kinder geben, abends um 20 Uhr können interessierte Besucher dann die Werke in der Remise im Schein von Taschenlampen bewundern. Der Eintritt zu dieser 39. Schau im Friedberger Schloss ist frei.
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