Kunst auf nackter Haut: Tattoo-Convention in Friedberg

Kunst, die unter die Haut geht, gab es am Wochenende in der Stadthalle Friedberg. (Foto: Alfred Haas)
 
Kunst, die unter die Haut geht, gab es am Wochenende in der Stadthalle Friedberg. (Foto: Alfred Haas)

Schwere Jungs und leichte Mädchen gaben sich am Wochenende ein Stelldichein in Friedberg. So schien es jedenfalls auf dem ersten Blick. In Wirklichkeit ging am Samstag und Sonntag in der Stadthalle die Tattoo-Convention über die Bühne. 

Mehr als 80 Tattoo-Artisten aus ganz Europa präsentieren ihr Können, Frauen und  Männer zeigen stolz ihre Kunstwerke auf nackter Haut, von der in einigen Fällen nicht mehr viel zu sehen ist. Ganz nach dem Motto „Find your way and be free”, was einigen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

Ein stämmiger Kerl, kurze Jeans, Barbarossabart, T-Shirt, stolziert durch die Halle. Die kräftigen Oberarme, links und rechts, total tätowiert, auf den prächtigen Waden zeigt ein Löwe mit mächtiger Mähne seine scharfen Zähne, links und rechts, versteht sich. Ein Anblick, der an diesen beiden Tagen keine Seltenheit ist. Auch die Frauen in Mini-Röcken und High-Heels zeigen bereitwillig ihre schönen Bilder auf den Oberschenkeln und den anmutigen Ring, der sich durch den Nabel bohrt. Piercing gehört zur Tattoo-Messe wie das Salz in die Suppe.

Haike ist extra aus Ulm gekommen, um sich von „ihrem Meister Peter“ stechen zu lassen. Schon seit 12 Uhr sitzt sie geduldig auf dem Stuhl. Jetzt, um 16.30 Uhr, dauert es noch etwa eine Stunde, bis das Werk vollendet ist. Die nicht mehr ganz junge Frau lässt sich die Mutter der Drachen aus der TV-Serie „Game of Thrones“ auf den Oberarm tätowieren. „Es tut nicht sehr weh, nur an manchen Stellen ist es etwas unangenehm“, teilt sie auf Nachfrage mit.

Zwei Messestände weiter sitzt Attila aus Augsburg. Sein Körper ist schon nahezu voll. Die Mama, Wölfe, ein Hirsch, Engelsflügel, ein Partner Tattoo mit seiner Frau und Batman trägt er ständig mit sich herum. Milan hat Mühe, noch einen freien Platz zu finden. Künftig schaut Vonom, eine Comicfigur, von Attilas Schienbein.

Gleich nebenan macht es sich Nicole, blond, schlank aus München, gemütlich. Sie liegt entspannt auf einer Liege und spielt mit dem Handy, während ihr Raoul einen Diamanten zwischen die Brüste verewigt. Ein Strumpfband am Oberschenkel, in dem eine Neunmillimeter Pistole steckt, hat sie schon. An den Lippen und am Bauchnabel ist sie gepierct.

„Es ist noch blutig, aber es lässt schon nach“ sagt Diane aus Augsburg. Die Frau mittleren Alters hat sich eine Fee mit den Anfangsbuchstaben ihrer Kinder in den Unterarm stechen lassen. Das Tattoo ist noch ganz frisch und Diane „sehr zufrieden“. Mit der Convention insgesamt „und auch mit den Tätowierern“.

Kunst zum Mitnehmen ist nicht umsonst zu kriegen. 150 Euro muss man beispielsweise für eine kleine Rose an der Fessel hinblättern. „Lässt man sich den ganzen Unterarm tätowieren, sind schnell mal 800 bis 1000 Euro beisammen“, sagt Elke vom Studio Beauty Box aus Rohrbach.

Für die Besucher ist es ein Kommen und Gehen. Sie schlendern durch die Händlermeile, lassen sich beraten und über die verschiedenen Stilrichtungen informieren. Kataloge in Hochglanzformat liegen überall aus. Andere gucken sich einfach nur den angesagten Schmuck an, bestaunen die spezielle Kleidung oder bewundern die zahlreichen Accessoires. Große Strahler, wie in einem OP-Saal, machen die Stadthalle taghell und warm. Wieder andere Besucher sind einfach noch unentschlossen, so wie beispielsweise Julia aus Augsburg. Ihre Haut ist noch nicht verziert. Generell sagt sie ja, zu einem Tattoo. „Aber ich weiß noch nicht was, wo - und wann.“

Von Alfred Haas
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