Politsatire darf in Friedberg nicht auf die Bühne - In der Hauptrolle: ein Bürgermeister namens Robert Reichmann

Das Theaterstück "Die Qual der Wahl" war nun doch nicht in Friedberg zu sehen. Die Premiere fand nicht statt. Foto: Theatergruppe Friedberg/Vhs


Der Friedberger Tobias Hilgers ist Autor und Regisseur des Stückes "Die Qual der Wahl" - darin spielt er Bürgermeister Robert Reichmann. In der Inhaltsangabe auf dem Flyer der Politsatire heißt es: Die Bürgermeisterwahlen stehen vor der Tür und Bürgermeister Reichmann steckt mitten im Wahlkampf. Doch jede Menge Probleme machen Reichmann das Leben zur Hölle. So sorgt ein Feng-Shui-Gutachten für Ärger, das Reichmann aufgrund negativer Schwingungen im städtischen Schloss beauftragt hat - und dann gibt es noch die Gegenkandidatin Erika Eser-Huberth. Das alles wollten die elf Schauspieler in der Mensa der Mittelschule Friedberg aufführen - doch aus der Premiere wurde nichts.

Hilgers hatte die Theatergruppe an der Volkshochschule Aichach-Friedberg gegründet und nicht zum ersten Mal wollten die Schauspieler in der Mensa der Mittelschule Friedberg auftreten. Aber nun hatte die Volkshochschule Bedenken. Das Stück sei zu politisch. Ruth Reisinger, die Geschäftsführerin der Volkshochschule Aichach-Friedberg, erklärt: "Da Herr Hilgers, der Leiter der Gruppe, Kursleiter bei der Volkshochschule ist, hat er mir im Januar schon die vorbereiteten Flyer geschickt. Ich habe dann beschlossen, das Stück aufgrund des angedeuteten Inhalts nicht unter dem Mantel der Volkshochschule aufzuführen." Hilgers habe dann mitgeteilt, dass er selbst mit dem Friedberger Bürgermeister Roland Eichmann Kontakt aufnehmen möchte.

Ein Feng-Shui-Gutachten für das Schloss

Hilgers traf sich also mit Bürgermeister Eichmann. Der hatte im Jahr 2015 ein Feng-Shui-Gutachten für den Schlossumbau in Auftrag gegeben, da das Schloss immer wieder Mittelpunkt von Auseinandersetzungen war - so wie Bürgermeister Robert Reichmann in dem Theaterstück "Die Qual der Wahl". Diese vermuteten negativen Kräfte sollten ins Positive umgewandelt werden. Medien berichteten auch, dass Eichmann aufgrund seines Hundes Ares, der sich in den Gemäuern unwohl fühlte, das Gutachten bestellt hätte. Darüber musste er niemanden informieren, da die Kosten in Höhe von 5000 Euro in seinem alleinigen Entscheidungsbereich lagen. Trotzdem sorgte das Gutachten für viel Medienrummel. Als die Erkenntnisse vorlagen, gab es weder eine Tischvorlage noch ausführliche Erläuterungen. Eichmann präsentierte die Ergebnisse mündlich: Auf der Westterrasse empfahl die Expertin ein Denkmal für die Wittelsbacher. Etwas Gläsernes oder Kristallenes solle integriert werden. Mit einer erneuten Grundsteinlegung könne die neue Nutzung symbolisiert werden. Und eine bewusste Platzierung des Themas "Frieden" im Schloss könne dazu beitragen, dass die Geschichte des Schlosses, das jahrhundertelang aufgrund seiner Grenzlage als militärisches Bollwerk diente und am Konflikt orientiert war, zum Positiven gedreht werde. Die Grünen wollten daraufhin Einblick in das Gutachten erhalten, das Landratsamt entschied aber, dass der Bürgermeister das Gutachten nicht vorlegen muss, da keine weiteren Entscheidungen mit haushaltsrechtlicher Relevanz in diesem Zusammenhang getroffen werden mussten.

Laut Hilgers ist das Stück "Die Qual der Wahl" fiktiv und greift lokalpolitische Ereignisse wie das Feng-Shui-Gutachten zum Friedberger Schloss auf. Dass besagtes Gutachten in "Die Qual der Wahl" vorkommt, habe Eichmann gestört, berichtet Hilgers. Sogar mit rechtlichen Konsequenzen habe er ihm gedroht. "Er wollte, dass ich ihm den Text vorlege, damit er ihn lesen und kommentieren kann." Hilgers habe sich auf die Kunstfreiheit berufen und abgelehnt.


Bürgermeister Roland Eichmann beantwortet keine Fragen

Somit kam die Mensa als Veranstaltungsort nicht mehr in Frage - als Privatperson ist es laut Hilgers außerdem nicht möglich, die Mensa der Mittelschule als Aufführungsort zu mieten. Was erwidert aber Bürgermeister Eichmann auf den Vorwurf, dass er keinen Spaß verstehe? Dass das schon Zensur sei? Eichmann will sich zu den Fragen der StadtZeitung nicht äußern und verweist auf die Geschäftsführerin der Volkshochschule Ruth Reisinger. Die erläutert, dass Eichmann die Information über das Stück von ihr erhalten habe. Und: "Herr Hilgers und ich haben uns übrigens dann schon im Februar darauf geeinigt, dass er das Stück nicht aufführen wird. Aufgrund der aktuellen Berichterstattung hat er da wohl sein Vorhaben zurückgenommen."

Hilgers will weitermachen. "Wir planen, das Stück aufzuführen und suchen nach einem alternativen Aufführungsort." Im Herbst könnte "Die Qual der Wahl" in Augsburg zu sehen sein.
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