Stadtrat debattiert über Zukunft der Ludwigstraße: Bürgermeister Eichmann möchte die Bevölkerung einbeziehen

Im Friedberger Stadtrat wird am Donnerstag über eine von den Grünen geforderte Einbahnregelung debattiert. Drei weitere Fraktionen präsentieren ein eigenes Modell und Bürgermeister Roland Eichmann stellt eine Bürgerbefragung in Aussicht. (Foto: Clarissa Beck)

Die Ludwigstraße beschäftigt möglicherweise bald nicht nur den Stadtrat, sondern auch Friedbergs Bürger. In einer Sitzung am Donnerstagabend wird ein Antrag der Grünen auf eine Einbahnregelung diskutiert. Drei Fraktionen, die Parteifreien Bürger, ÖDP und FDP sprechen sich klar dagegen aus und fordern ihrerseits ein ganzheitliches Verkehrskonzept für die Altstadt, das „Modell der fünf Stöpsel“. Bürgermeister Roland Eichmann machte in Stadtratskreisen den Vorschlag, die Zukunft der Ludwigstraße der Friedberger Bevölkerung in einer Bürgerbefragung vorzulegen.

Die Diskussionen um die Ludwigstraße beherrschen seit Jahren die Kommunalpolitik in Friedberg. Fußgängerzone oder Einbahnstraße, zu viel Parküberwachung oder zu wenig, Aufenthaltsqualität oder schnelle Erreichbarkeit. Oft eint nur die Kritik an der aktuellen Verkehrssituation. Weniger Einigkeit herrscht bei den Lösungsansätzen. Nun haben die Grünen die Einbahnstraße herausgezogen, die bisher nur innerhalb der SPD und der Einzelhändlerschaft diskutiert wurde, um den Gästen der Landesausstellung 2020 ein schöneres Bild zu bieten.

Am Donnerstag, 15. November, um 19 Uhr wird im Stadtrat in einer öffentlichen Sitzung der Antrag der Grünen auf die Umwandlung der Ludwigstraße in eine Einbahnstraße diskutiert.Laut Antrag gehöre in Bezug auf das Motto der Landesausstellung „Wittelsbacher Städtegründungen“ eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation in der Ludwigstraße dazu, um Friedberg optimal zu präsentieren.

Die Grünen fordern eine Einbahnstraßenregelung

Die Altstadt soll für die prognostizierten mindestens 100 000 Besucher als Ort des „Flanierens, Verweilens und Einkaufens in positiver Weise erlebbar werden.“ Dies sei beim derzeitigen Durchgangsverkehr nicht möglich. Ziehe man die Wahrscheinlichkeit eines zusätzlichen Verkehrsaufkommens, beispielsweise durch Reisebusse, durch die Landesausstellung in der Altstadt in Betracht, so sei Handlungsbedarf gegeben. Darum fordern die Grünen als ersten Schritt eine Einbahnstraßenregelung.

Abgesehen davon, dass die Grünen die Landesausstellung in Aichach und Friedberg von Mai bis November 2020 bisher im Grunde abgelehnt haben, mache so ein „Schnellschuss“ laut Bürgermeister Roland Eichmann keinen Sinn. Es würden sich die Verkehrsströme zu sehr verändern, Altstadtgassen würden belastet und auch für die Buslinie müssten im großen AVV-Gesamtsystem Lösungen gefunden werden.

Bürgermeister Roland Eichmann möchte die Bevölkerung mit einbeziehen

„Ich habe deshalb den Vorschlag gemacht, über ein Ratsbegehren oder eine Bürgerbefragung die Frage zur Zukunft der Ludwigstraße der Bürgerschaft vorzulegen“, sagt Eichmann. Diese Fragestellung sei zentral und betreffe fast jeden in der Stadt. Dort sei die Entscheidung richtig angesiedelt, eine Stadtratsentscheidung in dieser Frage sei bereits schon einmal unentschieden ausgegangen. Eine Entscheidung im Rat davon abhängig zu machen, ob und wer gerade vielleicht krank oder im Urlaub sei, halte Eichmann für falsch.

Eine solche Befragung oder ein Bürgerentscheid könnte zum Beispiel parallel zur Europawahl im kommenden Frühsommer erfolgen.
Die Parteifreien Bürger, ÖDP und FDP fordern ihrerseits den Stadtrat auf, den Antrag der Grünen abzulehnen und stattdessen ein ganzheitliches Konzept für die Innenstadt zu verfolgen.Eine Einbahnregelung würde auf keinen Fall das Verkehrsaufkommen halbieren. Sie würde sogar zu einer Verbesserung des Verkehrsflusses und damit auch zur Erhöhung der gefahrenen Geschwindigkeiten führen.

Parteifreie Bürger, ÖDP und FDP stellen eigenes Konzept vor

Die Idee zur Verkehrsberuhigung der Friedberger Innenstadt nennen die Fraktionen Parteifreie Bürger, ÖDP und FDP „Das Modell der fünf Stöpsel“.
Das gesamte Altstadtgebiet ist bereits verkehrsberuhigter Geschäftsbereich, Parken ist gebührenpflichtig. Anwohner und Geschäftsinhaber genießen Sonderrechte, daran soll nichts geändert werden. Es sollen laut diesem Modell fünf versenkbare Poller oder Schrankenanlagen diesen Bereich absperren. Wie in einem Parkhaus ziehe man zum Hineinfahren ein Kärtchen und suche sich einen Parkplatz. Nach Erledigung der Einkäufe, dem Besuch beim Arzt, einem Café, einem Treffen mit Freunden oder ähnlichem, egal wie lange es dauert, ohne sich vorher festlegen zu müssen, gehe man zu einem Kassenautomaten oder in ein Geschäft und bezahle die Parkgebühr. Danach stehe eine angemessene Zeit zur Verfügung, um die Stadt wieder durch einen beliebigen Poller zu verlassen. Moderne Anlagen dieser Art würden jegliche Zahlungssysteme wie Kreditkarte, Scheckkarte oder Smartphone direkt bei der Ausfahrt zulassen und den Gang zum Kassenautomaten ersparen. Solche Systeme seien flexibel und würden allen Forderungen nach Rabatten und zeitlich unterschiedlicher Preisgestaltung gerecht.

Das Modell soll keine City Maut darstellen

Der Durchgangsverkehr würde durch dieses Konzept wahrscheinlich von selbst abgeblockt. Sollte dies nicht der Fall sein, gebe es die Möglichkeit, die ersten zehn Minuten besonders teuer zu machen. Nach diesem Mindestaufenthalt könnten dann wieder Vergünstigungen oder gar Kostenfreiheit für den kurzen Einkauf greifen.
Bei dieser Idee handle es sich ausdrücklich um keine City Maut, sondern um ein System der Parkplatzbewirtschaftung. Das Problem, dass bevorrechtigte Anwohner oder Gewerbetreibende, die frei einfahren dürfen, weil sie zu ihren privaten Stellplätzen oder Garage wollen, dann unberechtigt öffentliche Stellplätze als Langzeit-Parker blockieren, lasse sich mit technischen Vorkehrungen oder Plaketten lösen. Rechtlich gelöst werden müsse noch das Zufahren eines Besuchers auf ein Parkgrundstück.
Linienbusse würden per Funk die Sperranlagen öffnen.

Dieses System könne weiter ausgebaut werden, gaben die drei Fraktionen an. Weitere versenkbarer Poller könnten an anderen Standorten Wohnquartiere schützen oder temporär einzelne Bereiche für Veranstaltungen absperren.

Viele Friedberger diskutieren in den sozialen Netzwerken über die Zukunft der Ludwigstraße

Unter der Mitteilung von Bürgermeister Eichmann diskutieren Friedbergs Bürger in den sozialen Netzwerken eifrig über die Ludwigstraße. Ein Nutzer sagt: „Einbahnstraße ist ein halbherziger Schnellschuss!“
Eine Friedbergerin machte gar auf eine Problematik bei der vergangenen Abstimmung aufmerksam. „Es wurde erzählt, dass der Verkehr dann zwischen Kirche und Pfarrzentrum durchläuft, den Fahrradfahrern wurde sogar suggeriert dass sie nicht mehr durchradeln dürfen beziehungsweise absteigen müssen.“ Dutzende Befürworter einer Fußgängerzone hätten aus diesen Gründen dann doch dagegen gestimmt. Eichmann versicherte daraufhin, dass wenn der Stadtrat diesen Weg gehen wolle, im Vorfeld eine transparente und sachliche Diskussion stattfinden müsse.
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