Strom statt Schnitt: Friedberger Krankenhaus bietet risikoärmeres Verfahren zur Entfernung von Schilddrüsenknoten

Zufrieden mit der ersten Thermoablation am Friedberger Krankenhaus sind Funktionsoberarzt Dr. Dinh-Duoc Tran, Patient Thomas Karl, Chefarzt Dr. Patrick von Parpart und Oberarzt Dr. Lev Dubovoy (von links). Foto: Kristin Deibl

Friedberg - Gutartige Schilddrüsenknoten sollen im Friedberger Krankenhaus nun schneller und risikoärmer entfernt werden als bislang mit der konventionellen Operation, bei der Patienten oft auch gesundes Gewebe verlieren. Thermoablation heißt das neue Verfahren, das die Klinik nun als eines von bundesweit nur wenigen Krankenhäusern anwendet. Der neue Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. Patrick von Parpart, der das Verfahren in Friedberg eingeführt hat, will ein Kompetenzzentrum für Schilddrüsenchirurgie etablieren und verspricht sich von der Thermoablation einen "großen Run" auf das Krankenhaus.

Bislang wurden in der Klinik drei Patienten mit dem neuen, minimalinvasiven Verfahren behandelt. Der erste war Thomas Karl. "Ich bin mit der Hoffnung hergekommen, meine Schilddrüse nicht komplett zu verlieren", erzählt er. In seiner Familie sei väterlicherseits allen Mitgliedern die Schilddrüse entfernt worden, und sie seien nun auf Tabletten angewiesen. Das habe er sich ersparen wollen. Karl ist überzeugt von der Thermoablation. Er habe sich bereits am Tag nach dem Eingriff wieder voll einsatzfähig gefühlt und gearbeitet. "Die Schluckbeschwerden, die von dem Knoten in der Schilddrüse kamen, waren auch direkt besser", berichtet er.

Bei dem minimalinvasiven Verfahren wird unter lokaler Betäubung eine dünne Nadel über einen oder zwei nur zwei Millimeter große Hautschnitte in den Knoten eingebracht. Damit verabreicht der Chirurg hochfrequenten Wechselstrom direkt in den Knoten. Der Strom erwärmt diesen stark, ohne jedoch die gesamte Schilddrüse zu schädigen. Das durch Hitze veränderte Gewebe verliert seine Fehlfunktion und wird in den folgenden Wochen oder Monaten über die körpereigene Immunabwehr abgebaut. Während die Patienten nach der herkömmlichen OP meist zwei Wochen außer Gefecht gesetzt seien - im Fall von Komplikationen sogar bis zu einem halben Jahr - gebe es nach der alternativen Methode eine sehr kurze Genesungszeit, sagt von Parpart. Nach dem Eingriff, der nur 20 bis 30 Minuten dauere, müssten die Behandelten derzeit zur Sicherheit ein bis zwei Nächte in der Klinik bleiben. Die rund 90-minütige Operation solle dennoch weiterhin angeboten werden: "Die Patienten sollen die Wahl haben."

An Karls Hals erinnert nur ein kleiner, kaum sichtbarer Punkt an die Thermoablation. "Der einzige Nachteil ist, dass ich jetzt nicht mit einer Narbe angeben kann", scherzt er. Neben dem ästhetischen Ergebnis sei die Methode auch deutlich risikoärmer, erklärt von Parpart. Mögliche Nachwirkungen wie Blutungen, Nervenschädigungen und Verletzungen der Stimmbänder oder der Nebenschilddrüse seien deutlich unwahrscheinlicher als mit der konventionellen OP.

Das Verfahren eigne sich vor allem für Patienten mit wenigen, symptomatischen oder stetig wachsenden Knoten, Zysten oder autonomen Adenomen, erläutert von Parpart. Bösartige Tumore würden weiterhin mit der klassischen Operation entfernt. Allerdings sei die Behandlung mit der Thermoablation auch in diesen Fällen möglich, etwa wenn ein nicht vertretbar hohes Operationsrisiko vorliege.

Mit dem neuen Verfahren soll das Leistungsspektrum der Kliniken an der Paar erweitert werden, sagt Landrat Klaus Metzger. Es gebe an verschiedenen Stellen Entwicklungsbedarf und sei wichtig, sich nicht nur wirtschaftlich sondern auch medizinisch weiterzuentwickeln. Die Gesundheit der Patienten müsse im Vordergrund stehen. "Ein Verfahren, das besser ist, auf das wir aber draufzahlen, ist aus wirtschaftlicher Sicht bedauernswert. Es geht aber auch um die Reputation des Krankenhauses", so der Landrat. Kliniken, die in der Außenwirkung gut beleumundet seien, stünden besser da.

Dass sich die Anwendung der Methode vorerst nicht rechnet, erklärt Geschäftsführer Krzysztof Kazmierczak: Pro Eingriff fielen für das Krankenhaus Kosten in Höhe von rund 2000 Euro an. Damit sei die Methode teurer als die konservative Operation. Das Gerät, das bislang nur von einer Firma hergestellt werde, sei teuer. Ins Gewicht falle zudem das Verbrauchsmaterial. Eine Nadel etwa, die nur einmal verwendet werden könne, koste mehrere Hundert Euro.

Dr. von Parpart, der zusammen mit dem Leitenden Oberarzt Dr. Lev Dubovoy aus dem Schilddrüsen-Referenzzentrum in Hannover nach Friedberg gewechselt hat, rechnet allerdings mit "einem großen Run" auf das Krankenhaus. "Wir haben mit der Methode etwas Attraktives anzubieten", ist er überzeugt. (
Von Kristin Deibl)
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