Südufer Festival 2020 versenkt

Das "Südufer" ist tot , es lebe das "Festival am Friedberger Baggersee": Profis sollen demnächst dem Stadtrat ein Konzept für 2021 vorstellen. Foto: Valterio D'Arcangelo


- Der Name hat auf jeden Fall ausgedient. "Südufer" ist zu negativ besetzt, nachdem dieses Festival in den zwei Jahren, die es stattfand, also 2017 und 2018, eher ein Reinfall war. Heißen soll es künftig "Festival am Friedberger Baggersee". Stattfinden wird es frühestens wieder 2021.

Die Besucherzahlen ließen zu wünschen übrig, die Stadt hatte ein hohes Defizit zu stemmen, 2018 waren es 100 000 Euro plus 70 000 Euro, die der Einsatz des Bauhofs kostete. Schon wegen des regnerischen Wetters wunderten mäßige Besucherzahlen im Jahr 2018 zumindest nicht. Nach zwei schlechten Jahren wurde also beschlossen, das Festival heuer einmal ruhen zu lassen, auch wegen des Altstadtfests. Nach der jüngsten Stadtratssitzung ist klar: Auch im kommenden Jahr wird es nichts damit.

Als das Südufer entwickelt wurde, waren die Hauptinitiatoren, Dominique Gregor und Luca Aschenbrenner, noch Schüler. Von der Jugend für die Jugend, so wollte man einst vorgehen, viele Hände, tolles Ergebnis. Doch wie das oft so ist mit ehrenamtlichen Helfern: Erst ist da viel Begeisterung, dann weniger Durchhaltevermögen. Im Pausenjahr 2019 entwickelte eine Projektgruppe, besetzt mit Jugendlichen, Mitarbeitern der Verwaltung und Stadträten, neue Ideen.

Gregor und Aschenbrenner stellten das neue Konzept nun im Stadtrat vor. Das Organisationsteam schafft es nicht mehr. Wenn es weiter ein derartiges Festival geben soll, muss es in professionelle Hände gelegt werden, so ihr Tenor.

Die beiden jungen Leute befinden sich inzwischen in der Ausbildung. Zeit, mal eben so nebenbei ehrenamtlich ein Festival zu stemmen, bleibe da nicht, hieß es. Dominique Gregor ist bei der Mategroup, die bisher in Augsburg das Modular veranstaltete, und sie hätte deshalb nun, quasi als Teil ihrer Lehre, das Festival am Baggersee organisieren wollen. Aschenbrenner lernt beim Bayerischen Rundfunk. Er erklärte, der BR könne als Medienpartner wirken und so mehr Besucher auch von außerhalb herbringen, denn 3000 Gäste könnten langfristig nicht aus der Region requiriert werden.

Der Jugendclub - Dominique Gregor meinte: "Es gehört schon mehr dazu, als zu überlegen, was cool ist" - kann und will das Festival nicht stemmen, dem neuen Jugendrat kann man es nicht aufoktroyieren, und die Stadtverwaltung ist mit der Landesausstellung ausgelastet. Also was tun?

Man möchte effizienter werden. Am Freitag Musik aus der Konserve spielen, statt teure Bands zu verpflichten. Am Donnerstag davor die Anlage für Kabarett nutzen, zum Beispiel. Einen Campingbereich ausweisen, denn auch, wenn das Festival von Friedbergern für die Friedberger Jugend sein soll - Stadträtin Marion Brülls (Grüne) betonte, man solle das Marketing keinesfalls auf Augsburg oder auch nur den Landkreis ausdehnen -: die Besucher möchten zelten. Weiter stellt sich die Projektgruppe die Aufteilung der Festivalzone in einen kostenpflichtigen und einen kostenlosen Bereich vor. Badegäste, die in der Vergangenheit dem Festival, das sie vom See fern hielt, mit Missmut begegneten, sollen mit Gastronomie, "Straßenmusik" und allerlei Spielen auf der Liegewiese positiv gestimmt werden. Um gegen das Wetter gefeit zu sein, soll ein Zelt aufgestellt werden. Bei der Auswahl der Musik will man stärker den Massengeschmack berücksichtigen. Gregor und Aschenbrenner schlugen vor, die Festivalorganisation zunächst ganz der Mategroup zu übertragen, dann mit Workshops zunehmend mehr Freiwillige einzubinden und Vereine mit ins Boot zu nehmen. Und sie sagen: Wenn es 2020 kein Festival gibt, ist es tot. Das befürchtet auch Bürgermeister Roland Eichmann.

Doch darauf ließ sich der Stadtrat nicht ein. Prinzipiell gab es Lob für die Projektgruppe, aber mit drei Stimmen Mehrheit entschied das Kommunalparlament, dass das Fest 2020 noch einmal ausfällt, und folgte damit der Argumentation von Jugendpflegerin Simone Losinger (CSU), die sagte, es brauche mehr Zeit, etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen. Marion Brülls war strikt gegen die Verpflichtung der Mategroup und schlug vor, Sponsoren zu suchen, setzte sich damit aber nicht durch. Die Profis sollen beauftragt werden, ein Konzept über drei Jahre zu entwickeln und dieses mit Zahlen zu unterfüttern, so der Stadtrat bei fünf Gegenstimmen. Bei der nächsten Sitzung am 12. Dezember werden sie ihre Pläne präsentieren. (
Von Monika Grunert Glas)
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