Bauhof-Standort nicht geeignet

Für den neuen Bauhof sind nach wie vor zwei Standorte in der Diskussion. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Fachmann rät Stadtrat von alternativer Fläche ab

Peter Stöbich
Friedberg. Nicht empfehlenswert, so lautet das fachmännische Urteil zum Neubau des Friedberger Baubetriebshofes im Bereich Afrastraße/Bressuire-Ring südlich der Firma Ziegenaus. Mit einem Stufenplan wollte die Stadtverwaltung prüfen lassen, ob sich dieser Standort als Alternative zum 20 Millionen teuren „Lueg ins Land“ eignet; damit hatte das Gremium die Konsequenz aus der enormen Kostensteigerung für das Projekt gezogen.
Landschaftsarchitekt Georg Dinger nahm in einer Machbarkeitsstudie verschiedene Parameter wie die Bodenbeschaffenheit, Verkehrsanbindung und Hochwassersituation eingehend unter die Lupe; in der jüngsten Stadtratssitzung stellte er die Ergebnisse vor. Die rund 36.000 Quadratmeter großen landwirtschaftlichen Grundstücke verfügen über eine gute Verkehrsanbindung, so der Fachmann. Allerdings sieht er auch gravierende Probleme: So sei ein Bodenaustauch erforderlich und das Hochwasser-Risiko in diesem Bereich sehr hoch.
Konfliktpotenzial gebe es auch mit der Erholungsnutzung im Bereich der Afraseen. Außerdem müssten naturschutz- und wasserrechtliche Aspekte genau geprüft werden, stellte Dinger im Stadtrat fest. Als Fazit empfahl er, den Alternativstandort nicht weiter zu verfolgen.
Weil die Ratsmitglieder die Unterlagen erst zum Sitzungsbeginn bekommen hatten, wollten sie noch keine Entscheidung fällen, damit sich erst die Fraktionen mit den Argumenten näher auseinandersetzen können. Somit sind weiterhin zwei mögliche Standorte für einen neuen Bauhof in der Diskussion.
Daß Friedberg möglichst schnell eine funktionsfähige Anlage brauche, unterstrich Thomas Kleist (CSU). Man müsse das Beste aus der Situation machen, sagte Claudia Eser-Schuberth (Grüne): "Manches überzeugt, anderes nicht!" Bürgermeister Roland Eichmann sprach von einem schwierigen Abwägungsprozeß, mit dem sich das Gremium jetzt in seiner nächsten Sitzung erneut beschäftigen muss.
Überlegungen zum Bau des neuen Betriebshofs reichen zurück bis in die 1990-er Jahre. Ursprünglich war sogar die Rede davon, mit dem Verkaufserlös des alten Bauhofgeländes in Friedberg-Süd eine Umsiedlung zu finanzieren. Doch schon die ersten Kostenschätzungen zeigten damals, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Erste konkrete Schritte leitete der Stadtrat auf Antrag der CSU im Jahr 2004 ein mit dem Bau einer neuen Lagerhalle am „Lueg ins Land“. 2008 folgte dann ein Gesamtkonzept, dessen Kosten auf 7,9 Millionen Euro veranschlagt und damit als nicht finanzierbar betrachtet wurden.
Eichmann änderte nach seinem Amtsantritt die Organisationsstruktur der Stadtverwaltung und gliederte den Bauhof in das neue Bürgermeisterreferat unter seiner Leitung ein. Damit nahmen auch die Planungen für einen Neubau wieder Fahrt auf. War zunächst noch von zehn Millionen Euro Baukosten die Rede, so kletterten sie im Lauf des Jahres 2016 auf 13 Millionen. Gegenüber dem damaligen Konzept wurde die Bruttogeschossfläche zwar von 7960 Quadratmeter auf 6780 Quadratmeter reduziert. Die dadurch erzielten Einsparungen werden wahrscheinlich aber wieder aufgefressen durch die zu erwartenden Preissteigerungen bis zum angestrebten Baubeginn im Frühjahr 2021.
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