Hunde auf dem Friedhof? Friedberg ändert Friedhofssatzung

Künftig ist es in Friedberg erlaubt, Tiere mit auf den Friedhof zu bringen. Foto: Monika Grunert Glas

Darf Waldi auf den Friedhof? Bislang untersagt die Stadt Friedberg das Mitführen von Hunden auf dem Gottesacker bei der Wallfahrtskirche Herrgottsruh. Darauf weist auch ein Schild hin, das am Eingang hängt. Doch jetzt hat der Werkausschuss einstimmig beschlossen, die Zamperl - an der Leine - zuzulassen. Und am Donnerstagabend stimmte auch der Stadtrat für die Änderung.

Man darf den Friedhof nur bei Tageslicht besuchen, nicht drüberradeln, auf dem Areal keine Waren anbieten, nicht rauchen, lärmen oder Sport treiben. Kinder unter zehn Jahren dürfen nur mit Erwachsenen an die Gräber - und Tiere bislang gar nicht, ausgenommen: Blindenhunde. Jetzt soll die Friedhofssatzung geändert werden. Künftig ist das Mitnehmen von Tieren aller Art gestattet. Alles andere wäre nicht mehr "zeitgemäß", heißt es.

Die ältere Frau, die an diesem sonnigen Herbsttag ein Grab von Laub befreit, liebt Hunde. Sie hätte nichts dagegen, wenn Leute ihre Vierbeiner mitbrächten. Schließlich gebe es ohnehin viele Tiere auf den Friedhöfen: "Eichkatzerl, Vögel, sogar Hasen", habe sie schon beobachtet.

"Es ist ja auch erwiesen, dass Hunde trauern. Sie finden den Weg zum Grab ihres Herrn, ohne dass man es ihnen zeigt", erzählt sie. Ihren Namen mag sie nicht in der Zeitung lesen, ebenso wenig wie die Dame ein paar Grabreihen weiter hinten. Auch sie erledigt "Gartenarbeit", bepflanzt eine Ruhestätte mit Erika. Sie hat sich jahrelang um Hunde gekümmert, auch selbst schon einen kleinen mit auf den Friedhof genommen. Natürlich an der Leine.

"Die Besitzer müssen halt sehr aufpassen, dass sie ihre Tiere unter Kontrolle halten", sagt sie. Und dass das bestimmt nicht immer gewährleistet wäre. Hunde, die an Grabsteinen ihr Bein heben, das würde ihr natürlich missfallen. "Deshalb sollte man es besser nicht erlauben. Es bringt nur Unfrieden", findet sie.

Radler müssen weiterhin absteigen

Weiterhin soll der Friedhof nur zwischen Sonnenauf- und -untergang besucht werden dürfen. Schließlich ist das Gelände nicht beleuchtet. Diskutiert wurde, ob das geändert werden sollte, allerdings müsste dann beispielsweise auch im Winter abends Schnee geräumt werden. Deshalb entschied man sich dafür, es zu lassen, wie gehabt. Auch Radler müssen weiterhin absteigen, wenn sie Herrgottsruh durchqueren. Das nun freut die ältere Dame: "Auf dem protestantischen Friedhof in Augsburg werden Sie manchmal fast umgefahren", berichtet sie. 

Ebenso mit der Zeit gehen will man in Friedberg, wenn es um das Material geht, aus dem Urnen gefertigt werden. Wer einen Trauerfall hatte, hat es vielleicht schon erlebt: Man kann beim Bestatter wählen zwischen biologisch abbaubaren Gefäßen und etwa solchen aus Keramik. In Friedberg werden künftig nur noch abbaubare zugelassen, aus Umweltschutzgründen. Bei Särgen haben manche Räte zwar auch Bedenken wegen der Holzarten, doch möchte man in diesem Bereich keine Vorschriften machen: Diese stellten einen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit der Hinterbliebenen dar, hieß es. 

Nicht geändert werden die Größen der Urnengräber und der Leichenhauszwang. 24 Stunden vor einer Beerdigung müssen die Toten in ein Leichenhaus gebracht werden. Für die Benutzung erhalten die Hinterbliebenen dann eine Rechnung. Das führte in der Vergangenheit schon dazu, dass auch Rechnungen ausgestellt wurden, wenn Bestatter von außerhalb gar kein Leichenhaus genutzt hatten, sondern eine Urne kurz vor der Abschiedsfeier mitbrachten.
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