Nach Sondersitzung des Kreistags: Klinik-Chef muss gehen

Vor zwei Jahren unterzeichnete Klinik-Geschäftsführer Dr. Krzysztof Kazmierczak (rechts) nach neun Jahren eine Verlängerung seines Vertrags um weitere fünf Jahre. Landrat Klaus Metzger (links) stand trotz aller Kritik bis jetzt hinter ihm. Archivfoto: Carina Lautenbacher

Der Landkreis Aichach-Friedberg trennt sich nun doch vom Geschäftsführer der Kliniken an der Paar. Am Mittwoch traf sich der Kreistag zu einer kurzfristig anberaumten nicht-öffentlichen Sitzung. Darin wurde die Abberufung des Geschäftsführers ab 1. September beschlossen. 

Dr. Krzysztof Kazmierczak hatte Landrat Klaus Metzger vor zehn Tagen den Nachtragswirtschaftsplan für die beiden Krankenhäuser in Aichach und Friedberg vorgelegt. Darin setzt sich das schon angekündigte Defizit fort und summiert sich laut einer Pressemitteilung auf "weit über" 30 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren, die die Kliniken an der Paar nicht selbst erwirtschaften können. Die Summe müsste der Landkreis zuschießen.

Diese Entwicklung besprach Landrat Klaus Metzger vor wenigen Tagen mit dem Ältestenrat - also Vertretern aller Fraktionen des Kreistags - und den beiden Bürgermeistern aus Aichach und Friedberg, Klaus Habermann und Roland Eichmann. "Der Ältestenrat war sich weitestgehend einig, dass der vom Geschäftsführer vorgelegte Finanzplan den Landkreis in den nächsten Jahren finanziell komplett überfordern würde", heißt es in der Mitteilung. Darüber hinaus habe es keine akzeptablen Vorschläge gegeben, wie das Defizit effektiv reduziert werden könnte. 

Über die Abberufung des Geschäftsführers war seit längerem immer wieder diskutiert worden. Schon die Verlängerung seines Vertrags vor zwei Jahren war nicht völlig unstrittig, denn zu diesem Zeitpunkt wuchsen bereits die Defizite - die in den Jahren zuvor unter seiner Leitung deutlich gesunken waren. Als nach dem Umzug die Geburtshilfe im neuen Aichacher Krankenhaus geschlossen werden musste, geriet Krzysztof Kazmierczk weiter unter Beschuss. Der Vorwurf: Er sei an einer Geburtshilfestation in Aichach nicht interessiert. Mit den hohen Defizitprognosen der vergangenen Monate war nun offensichtlich das Fass voll. Wobei man dem Geschäftsführer für das vorzeitige Vertragsende vermutlich eine Entschädigung zahlen muss. 

Der im Landratsamt zuständige Abteilungsleiter Georg Großhauser und Peter Schiele, Geschäftsführer der Personalgesellschaft des Landkreises, werden die Aufgabe des Klinik-Chefs vorübergehend übernehmen, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden ist. Ihnen sei es "zuzutrauen, zunehmend wertschätzende Gemeinsamkeit und damit Arbeitsplatzzufriedenheit" für die Mitarbeiter herzustellen. Nötig sei ein "neuer Geist des Miteinanders". 

Landrat Klaus Metzger versichert weiterhin, dass beide Krankenhausstandorte nicht in Gefahr sind: Man könne die medizinische Versorgung nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten. (Von Carina Lautenbacher)
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