Verlängerung der Linie 6 nach Friedberg? Bauausschuss ist geteiler Meinung

Bislang hält die Linie 6 am P&R-Platz.Um nach Friedberg zu kommen, müssen Fahrgäste in einen Bus umsteigen. Foto: Kristin Deibl

Mit der Straßenbahn von der bisherigen Endhaltestelle Friedberg-West in wenigen Minuten zum Schulzentrum: Wie das künftig funktionieren könnte, soll eine Machbarkeitsstudie untersuchen, die der Friedberger Bauausschuss einstimmig in Auftrag gegeben hat. Für eine Verlängerung der Linie 6 stellten Walter Casazza und Robert Underberg von den Augsburger Stadtwerken den Bauausschussmitgliedern zwei mögliche Varianten vor.

Favorit ist die kürzere, zweigleisige Trasse mit knapp 2,5 Kilometern. Sie würde vom P&R-Platz in Friedberg-West über Stationen an der Hans-Seemüller-Straße und am Schloss zum Schulzentrum führen. Auf dem Volksfestplatz gäbe es eine Wendeschleife.

Die zweite Möglichkeit wäre eine eingleisige Schleife im Uhrzeigersinn über B 300, Festplatz, Bahnhof und Steirer Berg. Nachteile dieser Variante sind die doppelte Zahl von Gleiskilometern und die Notwendigkeit eines parallelen Busverkehrs für die Fahrt in Gegenrichtung. "Außerdem ist bei dieser Lösung die Förderfähigkeit fraglich", gab Underberg zu bedenken.

Ob überhaupt eine der beiden Linienführungen technisch realisierbar ist, soll jetzt eine Studie klären, deren Kosten noch nicht bekannt sind. Im städtischen Haushalt sind dafür aber bis zu 70.000 Euro eingestellt. Bei der Planung müsse auch die neue Augsburger Ostumgehung bedacht werden, sagte Casazza.

Er sieht Potenzial für eine Verlängerung der Linie 6, "weil Verkehrsströme nicht an Gemarkungsgrenzen enden". Zur Paartalbahn gebe es keine Konkurrenz, denn diese sei als schnelle Verbindung gedacht, die Tram erschließe dagegen ganze (Wohn-)Gebiete.

"Das wäre ein Gewinn für Friedberg", sagte Bürgermeister Roland Eichmann im Hinblick auf die städtebauliche Entwicklung. "Wir müssen Grundlagen für die nächste Generation schaffen." Roland Fuchs (SPD) sprach von einer akzeptablen Lösung und plädierte dafür, beide Varianten zu untersuchen.

Dagegen zeigte sich Claudia Eser-Schuberth (Grüne) skeptisch und sprach von Science-Fiction-Vorstellungen. Lieber solle man sich um aktuelle Verkehrsprojekte kümmern, denn die Stadt Königsbrunn habe Jahrzehnte gebraucht, um mit der Linie 3 eine direkte Verbindung nach Augsburg zu bekommen.

Die Friedberger hoffen, dass eine Verlängerung der Sechser nicht so lange dauern wird. Die voraussichtliche Bauzeit, falls Kurvenradien und Steigungen zu bewältigen sind, dürfte etwa zwei Jahre betragen. Über Fördermittel von Land oder Bund konnten die Vertreter der Stadtwerke keine Aussagen machen; in der Vergangenheit lagen die Zuschüsse zwischen 55 und 85 Prozent.

Die im Dezember 2011 eröffnete Straßenbahnlinie 6 sehen die Augsburger Stadtwerke als Erfolg. Dass die Endhaltestelle sich auf der grünen Wiese befindet, ist den Friedbergern von jeher ein Dorn im Auge. Denn Passagiere müssen in den Bus umsteigen, um nach Friedberg zu kommen. "Das machen viele Fahrgäste nicht gern", stellte Casazza fest.

Die vom Bauausschuss befürwortete Planung bezeichnete er als "spannende Aufgabe in einer historischen Stadt", für die man auch unkonventionelle Lösungen in Betracht ziehen müsse. Trotzdem dürfte die von Eser-Schuberth ins Gespräch gebrachte Seilbahn keine Chancen auf Verwirklichung haben.
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