K&L sucht nach Investoren: Schutzschirmverfahren beantragt

Jens Bächle. (Foto: K&L)
 
Jens Bächle. (Foto: K&L)

Die K&L GmbH & Co. Handels-KG hat beim Amtsgericht Weilheim einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Alle 57 Standorte des Unternehmens sollen laut einer Pressemitteilung auf den Prüfstand, defizitäre Filialen ohne Entwicklungspotenzial will das Unternehmen zeitnah schließen. In der Region hat K&L Standorte in Augsburg-Haunstetten und Gersthofen.  

Das Unternehmen wurde 1962 von Karl Ruppert gegründet. Mit Wirkung zum 1. September 2017 übernahm der bis dahin verantwortliche Finanzvorstand Jens Bächle im Zuge eines Management Buy-Outs K&L und leitete als Geschäftsführender Gesellschafter umgehend eine Neuausrichtung des Unternehmens ein. K&L führt aktuell 57 Filialen im süddeutschen Raum und beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter. Mit rund 100 Auszubildenden gehört K&L zu den großen Ausbildungsbetrieben in Bayern. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 116 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2018 geht Jens Bächle nach vorläufigen Berechnungen von einem Umsatz von rund 120 Millionen aus.

„Der September war im Gesamtmarkt eine Katastrophe, die dazu geführt hat, dass die bisherige positive Entwicklung und bisherige Planerreichung auf den Kopf gestellt wurden“, sagt Jens Bächle. „Um K&L dauerhaft wieder wettbewerbsfähig positionieren und solchen aktuellen Marktentwicklung standhalten zu können, braucht es eine Sanierung durch ein gesteuertes Insolvenzverfahren. Ziel ist es, den bereits begonnenen Restrukturierungsprozess verstärkt fortzuführen und das drohende Liquiditätsproblem langfristig zu lösen.“

Ursachen der finanziellen Schieflage

Die Ursachen der finanziellen Schieflage von K&L sieht das Unternehmen neben Fehlern in der Vergangenheit in den "gravierenden Veränderungen innerhalb der Modebranche, die den hohen Wettbewerbsdruck verstärkt und zu Frequenz- sowie Umsatzrückgängen geführt haben". Unter anderem drängten zahlreiche internationale Modekonzerne auf den deutschen Markt, gleichzeitig sei der Preisdruck durch Fashion-Discounter sowie die Konkurrenz durch das Internet gestiegen. Einhergehend mit Veränderungen des Kaufverhaltens der Kunden verlagerte sich in den letzten Jahren der stationäre Handel verstärkt hin zum Online-Handel. Diese Entwicklung lasse wenig Spielraum für "ineffiziente Bereiche beziehungsweise Kostenstrukturen in einem Geschäftsmodell".


Vor diesem Hintergrund hatte Jens Bächle bereits im September 2017 begonnen, einen Restrukturierungsplan basierend auf den vorhandenen Gegebenheiten umzusetzen. So wurden verschiedene Ansätze vorangetrieben, um das Unternehmen in einem schwierigen Branchenumfeld neu auszurichten. Neben weiteren Kosteneinsparungen wurde etwa die Steigerung der Attraktivität und Flächenproduktivität durch die Aufnahme weiterer Partnermarken bei K&L forciert. Zudem wurde die eigene Einkaufsgesellschaft in Asien geschlossen oder die Neuausrichtung der eigenen Kollektionen ab Herbst-/Winter 2018 begonnen.

"Die eingeleiteten, sich positiv entwickelnden Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, gravierende Umsatzentwicklungen wie im September zu kompensieren. Immer noch ungünstige Kostenstrukturen, unter anderem auch bedingt durch langfristige Mietverträge, müssen weiter deutlich verbessert werden. Bis zuletzt führte die Geschäftsführung auch intensive Gespräche mit potenziellen Investoren. Jedoch konnte aufgrund der aktuellen Voraussetzungen keine zusätzliche Liquiditätsstärkung erzielt werden.
Um K&L nachhaltig in die Profitabilität zurückzuführen und effizient aufzustellen, müssen die bisher eingeleiteten Maßnahmen verstärkt und beschleunigt werden. Die Nutzung des Schutzschirmverfahrens bietet dazu die Möglichkeit.

Schutzschirmverfahren (Sanierung in Eigenverwaltung)

Jens Bächle bleibt als Geschäftsführender Gesellschafter im Amt und führt die Sanierung in Eigenverwaltung fort. Im Verfahren werden die identifizierten Potentiale und Restrukturierungsmaßnahmen konsequent umgesetzt. Zunächst wird der Sanierungsplan erstellt. Durch das Verfahren ist das Unternehmen vor Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt und weiterhin voll handlungsfähig. Die operativen Geschäfte an den 57 Filialstandorten sollen während des Verfahrens ohne Einschränkungen weiterlaufen.

Um den Sanierungsplan möglichst rasch und effektiv umzusetzen, bestellte die Gesellschafterversammlung neben Jens Bächle als Chief Executive Officer (CEO) den Rechtsanwalt Dr. Christian Gerloff zum Geschäftsführer/Chief Restructuring Officer (CRO). Gerloff ist Partner der Kanzlei Gerloff Liebler Rechtsanwälte in München, die das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mit vorbereitet hat. Der Restrukturierungsexperte verfügt mit seinem Team über langjährige Erfahrungen in der Textilbranche. Er sanierte neben Escada und Laurèl in jüngster Vergangenheit im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens auch den Modehändler Wöhrl.

Mit der Bestellung des Münchner Rechtsanwalts Oliver Schartl aus der auf Insolvenzverfahren spezialisierten Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen zum vorläufigen Sachwalter ist das Gericht dem Vorschlag des Unternehmens gefolgt. Schartl verfügt über große Expertise bei Insolvenzverfahren in der Textilbranche (unter anderem Roeckl, Nicowa). Bei K&L hat Schartl als vorläufiger Sachwalter die Aufgabe, die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorschriften im Verfahren zu überwachen.

Ziel der Restrukturierung ist, "K&L nachhaltig in die Profitabilität zurückzuführen und flexibler aufzustellen, um auf das sich verändernde Konsumentenverhalten sowie Marktveränderungen besser reagieren zu können", so die Pressemitteilung.

Eckpunkte der Restrukturierung:

Senkung der Kosten und Verschlankung der Strukturen: Das Portfolio der 57 sehr unterschiedlichen Filialen mit Flächen von 500 bis 3200 Quadratmeter Verkaufsfläche wird derzeit auf das langfristige Wachstums- und Ertragspotenzial jedes einzelnen Standorts hin überprüft. Defizitäre Filialen ohne solches Potenzial sollen zeitnah geschlossen werden. Zudem sind basierend auf den sich dann ergebenden Umsatzgrößen nach Schließung von Filialen die Strukturen in der Hauptverwaltung und Logistik anzupassen und weiter Kostenreduzierungen einzuleiten.

Sortimentsstraffung: Das Produktportfolio reicht von Mode über Businessbekleidung bis hin zu Sport- und Trachtenmode, ergänzt durch Accessoires. Mit insgesamt elf verschiedenen Eigenmarken deckt K&L die ganze Familie ab. Um die Attraktivität zu steigern, bietet K&L seit kurzem Mode ausgewählter, bekannter Partnermarken an. Die Maßnahmen zur weiteren Optimierung des Sortiments umfassen die Konzentration auf Kernlieferanten und Kernsortimente, die Erweiterung des Angebots trendorientierter Ware und Aktionsware zu einem guten Preis/Leistungsverhältnis sowie der weitere Ausbau der Zusammenarbeit mit Partnermarken – mit dem Ziel, die bisherige Flächenproduktivität weiter zu steigern.

Verbesserung der Kundenansprache und -bindung: K&L verfügt durch das langjährig-laufende Kundenbindungsprogramm „BestCard“ sowie aufgrund der starken Kundennähe über die letzten 55 Jahre über eine starke Stammkundschaft in Süddeutschland. Diese vorhandene Stärke muss weiter ausgebaut und kundenspezifisch mit Angeboten gefördert und genutzt werden. Ziel ist, Kunden zu reaktivieren und das schon vorhandene Serviceangebot weiter zu stärken. Zudem soll das Online-Geschäft, das derzeit rund 4 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht und unter anderem Services wie Click & Collect, Return-to-Store und die Warenverfügbarkeit im Store abbildet, weiter optimiert werden.

Stärkung der Kapitalbasis: Zur erforderlichen Stärkung der Kapitalbasis und damit bestmöglichen Gläubigerbefriedigung hat die Gesellschaft eine strukturierte Investorensuche auf den Weg gebracht. Damit soll zugleich die Brücke für das Unternehmen in eine gesicherte Zukunft in einem sich stark verändernden Marktsegment geschlagen werden. (pm)
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