Solide Bilanz in einer Bankenwelt des raschen Wandels

Verabschiedung aus dem Aufsichtsrat v.l.n.r.: Vorstandsvorsitzender Georg Schneider, stv. Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Johann Popp, Aufsichtsrat Josef Foag, Aufsichtsratsvorsitzender Otto Völk, Aufsichtsrat Georg Aman, Vorstand Jürgen Reinthaler (Foto: VR Bank Handels- und Gewerbebank eG)
Gersthofen: Stadthalle Gersthofen |

VR-Bank Handels- und Gewerbebank eG setzt ihren Wachstumskurs fort

„Bei Onlinekunden und digitaler Beratung sind Hamburg, London oder New York genauso nahe wie Augsburg, Diedorf, Gersthofen, Neusäß, Meitingen und Wertingen.“ Mit diesem Satz umriss Georg Schneider, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Handels- und Gewerbebank, bei der Vertreterversammlung des genossenschaftlichen Instituts die Herausforderungen, die aus der Digitalisierung für die Arbeit einer Bank entstehen.

Vor 172 gewählten Vertretern in der Gersthofer Stadthalle machte Schneider deutlich, dass die aktuellen Entwicklungen in der Kommunikations- und Datentechnik „Segen und Fluch zugleich“ sind. Bei der Verbesserung und Standardisierung von Arbeitsabläufen helfen sie einerseits genauso wie beim Öffnen vielfältiger und einfacher Zugänge für die Kunden.

Auf der anderen Seite verstärken sich dadurch der Druck im Wettbewerb und der Zwang zur fortlaufenden Veränderung. „Wir legen dabei größten Wert darauf, dass sowohl Mitarbeiter wie Kunden das erforderliche Tempo gut mitgehen können“, sagte Schneider. „Die Akzeptanz von Veränderungen hängt von den Menschen ab, nicht von der Technik.“

Intelligentes Miteinander von Online-Banking und persönlicher Beratung

Als Antwort auf den drastischen Wandel, den die Bankenwelt in Folge von Online-Banking und Digitalisierung durchlaufe, setzt die größte Genossenschaftsbank in Bayerisch-Schwaben auf ein „intelligentes Miteinander von Online-Banking und persönlicher Beratung“, so Schneider. „Die Kunden sollen frei entscheiden, ob sie in die Filiale gehen, zum Telefon greifen oder online mit uns arbeiten wollen. Alle drei Wege sind für alle Kunden jederzeit möglich.“

Vor diesem Hintergrund erwartet die VR-Bank H&G, dass der Anteil von Kunden, die persönliches Banking in der Filiale in Anspruch nehmen, von heute 45 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 abnehmen wird. Der Anteil „hybrider“ Kunden, die beide Wege nutzen, wird von 50 auf 60 Prozent zunehmen, die Quote rein digital orientierter Kunden von 5 auf 15 Prozent wachsen. Selbst wenn die Schließung einzelner Geschäftsstellen wie auch 2016 „für uns sehr schmerzhaft war“, sprächen die Kostenfrage und die Vernunft für diese Entscheidung.

„Online-Filiale“ geht im Herbst an den Start

Mit einer neu geschaffenen Abteilung „Online-Filiale“, in der aktuell vier Mitarbeiter beschäftigt sind, trägt die Bank der Nachfrage-Entwicklung und dem Service-Bedarf seitens der Kunden Rechnung. Für den Herbst ist die Eröffnung einer „Online-Filiale zum Anfassen“ in Gersthofen vorgesehen, die – wie der Vorstand betonte - „im Gegensatz zu Direkt- und Großbanken für den Kunden ein Gesicht haben wird“. Dort können sich Kunden alle digitalen Innovationen ansehen und kennenlernen. Bei Bedarf werden sie dann dort auch bei der Installation und Anwendung aller Online-Banking-Tools unterstützt.

Bilanzsumme erreicht fast 2 Milliarden Euro

Beim dazu erforderlichen Wandel der internen Prozesse und der Mitarbeiter-Qualifizierung stelle sich „nicht die Frage, ob wir diesen Weg gehen wollen, sondern ob wir ihn schnell genug gehen, um zu überleben“. Die VR-Bank H&G vollzieht die Veränderung aus einer starken, gesunden Position, wie Vorstand Jürgen Reinthaler anhand der Bilanzzahlen für 2016 erläuterte. Die Bilanzsumme der Bank konnte um 4,5 Prozent auf 1,946 Mrd. € gesteigert werden. Die Kreditausleihungen wuchsen um 4,3 Prozent auf 1,191 Mrd. €, das gesamte betreute Kreditvolumen liegt bei nunmehr 1,281 Mrd. €. Insgesamt wurden 270 Mio. € neu als Kredit ausgegeben. Bei den Kundeneinlagen belief sich die Steigerung auf 1,9 Prozent und führte zu einem Volumen von 1,561 Mrd. €. Das gesamte betreute Kundenanlagevolumen beträgt 2,376 Mrd. € (plus 3,3 Prozent).

Effizienz und Produktivität sind strategische Mittel gegen Nullzinspolitik

Die Einnahmen der Bank gingen auf 50 Mio. € zurück, begründet durch den geringeren Zinsüberschuss in Folge der anhaltenden Nullzins-Politik der EZB. Andererseits sanken auch die Personalkosten auf einen Wert von 0,93 Prozent der Bilanzsumme, womit sich das Institut wie auch bei den Gesamtbetriebskosten deutlich unterhalb des Durchschnittswerts der bayerischen Genossenschaftsbanken bewegt.

„Der Kostenvorteil unserer Bank liegt umgerechnet bei circa 5,6 Millionen Euro“, so Reinthaler. Nach einer satzungsgemäßen Einstellung von 1.600.000 € in die Rücklagen weist die VR-Bank H&G einen Bilanzgewinn von rund 6,97 Mio. € aus. „Dies ermöglicht wiederum die Ausschüttung einer attraktiven Dividende von 5 Prozent auf die Geschäftsguthaben und eine Stärkung der Ergebnisrücklagen um rund 5,3 Mio. €“, so der Vorstand.

Möglichkeiten der Digitalisierung müssen intensiv genutzt werden

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet er einen weiteren Rückgang der Zinsspanne, was bei annähernd gleichen Betriebskosten auf ein leicht reduziertes Betriebsergebnis von 1,0 (1,1) Prozent hindeutet. „Wir haben seit 2009 die Produktivität pro Mitarbeiter deutlich erhöhen können“, sagte Reinthaler, „von 10 auf mittlerweile 15 Millionen Euro betreutes Kundenvolumen. Wäre uns diese Produktivitätssteigerung nicht gelungen, hätte sich das Betriebsergebnis mit 0,6 Prozent fast halbiert.“

Vor diesem Hintergrund und dem nicht absehbaren Ende der Nullzins-Politik seien die Bank und alle Mitarbeiter gefordert, den eingeschlagenen Kurs nachhaltig fortzuführen: „Die Möglichkeiten der Digitalisierung müssen intensiv genutzt werden, denn ohne fallabschließende schlanke Prozesse wird die geplante Produktivitätssteigerung kaum möglich sein.“ Zumal die „Datensammelwut“ seitens Bundesbank und Bankenaufsicht den Anteil nicht produktiver Arbeiten weiter erhöhen werde. In diesem Zusammenhang wies Schneider darauf, dass der Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand gerade im Beratungsbereich drastisch zugenommen hat und verstärkt personelle Kräfte bindet, die im Service fehlen. Gleichzeitig werde der vorgeblich verbesserte Verbraucherschutz mitunter ins Gegenteil verkehrt und führt zur Entmündigung der Verbraucher.

Einstimmige Entlastung für Aufsichtsrat und Vorstand

Die Vertreterversammlung erteilte Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig die Entlastung für 2016. Sie folgte damit der Einschätzung von Aufsichtsratsvorsitzendem Otto Völk, der für das zurückliegende Jahr „in sehr zufriedenstellendes Ergebnis für die Bank“ konstatierte. Sowohl auf bayerischer wie auf Bundesebene befinde sich die VR-Bank H&G mit einem Rating von A++ in der Spitzengruppe der Banken. Die Zustimmung zur Gewinnverwendung erfolgte mit einer Gegenstimme.

Georg Aman und Josef Foag scheiden aus dem Aufsichtsrat aus

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden Bernhard Berchtenbreiter und Johann Hosemann wiedergewählt. Georg Aman und Josef Foag schieden mit Erreichen der satzungsgemäßen Altersgrenze aus dem Gremium aus. Ihre beiden Plätze wurden einvernehmlich nicht neu besetzt, womit der Aufsichtsrat nun aus neun Mitgliedern besteht, durch die, so Völk, „die Geschäftsbereiche unserer Bank weiterhin angemessen vertreten sind“. Foag erhielt aus der Hand vom stv. Bezirksverbandspräsident Georg Schneider die goldene Ehrennadel des Genossenschaftsverband Bayern. Damit würdigt die Organisation die 40 Jahre, die er sich engagiert in den Dienst der genossenschaftlichen Idee und der Kunden seiner Bank gestellt hat.
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