Gersthofer Geschichten: Ein ausgezeichnetes Schulprojekt

Die Klosteranlage in Thierhaupten. (Foto: Florian Stöckle)
 
Die Lehrerinnen Christine Schmid-Mägele und Franziska Grotz haben das Projekt geleitet und betreut. (Foto: Florian Stöckle)
 
Gruppenfoto der Gymnasiasten mit der Leiterin des Bauarchivs Julia Ludwar (links), Christine Schmid-Mägele (2. von links) und der Stifterin Elisabeth Schosser (rechts). (Foto: Florian Stöckle)

Für ihr Projekt zur Erforschung des Klosterkomplexes Thierhaupten und seiner Geschichte wurden Schüler der Klassen 7 und 8 des Paul-Klee-Gymnasiums in Gersthofen mit dem Bayerischen Jugenddenkmalpreis ausgezeichnet. Die beteiligten Lehrerinnen schildern, wie es dazu gekommen ist.

Von Florian Stöckle

Kinderlachen dringt an diesem Donnerstagvormittag aus dem Innenhof des Klosters in Thierhaupten. Schüler amüsieren sich bei schönem Wetter auf dem kleinen Spielplatz zwischen den Klostermauern. Eine Gruppe Achtklässler sitzt auf einer nahestehenden Bank beieinander und unterhält sich angeregt. Es ist kurz vor elf Uhr, als die Lehrerin Christine Schmid-Mägele ihre Schüler bittet, ins Innere des Klosters zu gehen. Im Kapitelsaal versammeln sich die siebte und achte Klasse des Paul-Klee-Gymnasiums, um für ein Projekt ausgezeichnet zu werden, das sie über das ganze Schuljahr 2017/18 hinweg begleitet hat. Sie haben den Klosterkomplex Thierhaupten mitsamt seiner Geschichte bis zur Säkularisation 1803 erforscht. Dafür möchte ihnen die Dr. Erich und Elisabeth Schosser Stiftung - eine Treuhandstiftung unter dem Dach von Kulturerbe Bayern den Bayerischen Jugenddenkmalpreis verleihen. Auf einem Tisch in der Mitte des Saals steht das Modell, das Schüler der siebten Klasse während ihres Ganztagsunterrichts gebaut haben. Einige der Achtklässler halten runde, farbige Schilder mit Nummern in den Händen. Sie werden die Besucher und eine Grundschulklasse nach der Preisverleihung durch das Kloster führen. Die beteiligten Lehrkräfte Christine Schmid-Mägele und Franziska Grotz erzählen, welche Herausforderungen sich während des Projekts gestellt haben.

Wie kam es dazu?

Die Anfänge des Schulprojekts lagen darin, die Jugendlichen während ihres Ganztagsunterrichts zu betreuen. „Wir haben am Paul-Klee-Gymnasium eine Kooperation mit dem FCA und für die Schüler, die nicht Fußball trainieren, wurde dieses Projekt ins Leben gerufen“, erklärt Schmid-Mägele. Damit hätten sie sich dann bei „denkmal aktiv“, dem Schulprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, beworben, das schulische Projekte zu den Themen Kulturerbe und Denkmalschutz unterstützt. Nach erfolgreicher Bewerbung band Schmid-Mägele das Projekt im Schuljahr 2017/18 auch in den Geschichtsunterricht der 8. Klasse ein, im Rahmen dessen sich die Schüler ohnehin mit dem Thema „Napoleon und Bayern“ befassten und so wurde die Säkularisation u.a. am Beispiel des Klosters Thierhaupten behandelt. An dem Projekt wurde das ganze Jahr immer mal wieder gearbeitet, erzählt die Lehrerin, bis zur abschließenden Führung am Schuljahresende.
Unter Grotz‘ Leitung haben sieben Siebtklässler ebenfalls das Kloster erforscht und ein Modell des Häuserkomplexes angefertigt. Dafür musste erst einmal ein Plan des Klosters erstellt werden. „Das kann man sich ja heute alles virtuell mit Google-Earth ansehen“, schildert die Lehrerin die erste Herangehensweise. Am Ende habe sich die Projektgruppe das Kloster natürlich auch von innen angeschaut. Probleme hat es dann aber mit der Auswahl der richtigen Materialien gegeben. Nach einem ersten Fehlbau aus Styropor versuchte es die Gruppe anschließend mit Gipsbinden und Zubehör aus dem Modelleisenbahnbau. “Learning by doing“ hieß die Devise, erinnert sich Grotz.
Schmid-Mägele erzählt, anfangs habe Skepsis bei den Schülern geherrscht, aber vor allem die Arbeit mit den Grundschülern am Ende habe ihnen augenscheinlich Spaß gemacht. Im neuen Schuljahr habe sie sogar eine Schülerin aus der fünften Klasse angesprochen, die selbst bei der Führung mit dabei gewesen ist und sich sehr gefreut hat, dass man sich schon kannte.

Geschichte in vier Stationen

Hilfe erhielten die beiden Lehrkräfte auch von ihren Kolleginnen Inge Abmair und Isabella Engelien-Schmidt. Letztere ist nicht nur Lehrerin am Paul-Klee-Gymnasium, sondern auch als Archäologin tätig und brachte ihr umfangreiches Wissen ein. Sie diente als Schnittstelle zwischen der Schule und dem im Kloster Thierhaupten ansässigen Bauarchiv/Bayerisches Fortbildungs- und Beratungszentrum für Denkmalpflege. Mit Referatsleiterin Julia Ludwar und deren Mitarbeiterin Susanne Nitschel gab es dann auch das ganze Jahr über Absprachen wegen des Schulprojekts und der Führungen, erklärt Schmid-Mägele.
Insgesamt hatten die Grundschüler und die Gäste vier verschiedene Führungen zur Auswahl, die vier unterschiedliche Stationen der Klostergeschichte beleuchteten, schildern die Achtklässler Michael, Annika, Julia und Florian vor der Preisverleihung. Eine der drei Führungen, in der es um das Leben der Mönche ging, hatten die Siebtklässler vorbereitet, die anderen drei übernahmen Schüler der Klasse 8b/e. Ihre Klosterrundgänge führten durch das Bauarchiv und die Bauteilesammlung oder in den Bierkeller und die Mineralwerkstatt. Eine weitere Führung gab einen allgemeinen Überblick über die Entwicklung und den Nutzen des Klosters Thierhaupten.

Zusammenwirken vieler Beteiligter

Zurück zur Preisverleihung. Die Schüler versammeln sich um das selbstgebastelte Modell, das die Klosteranlage im mittelalterlichen Zustand samt zugehörigem Dorf zeigt. Elisabeth Schosser würdigt die Arbeit der Jugendlichen des Paul-Klee-Gymnasiums, das als eine von drei Schulen in Bayern für sein Schulprojekt ausgezeichnet wird. Stolz nehmen der Schulleiter Peter Krauß und die Geschichtslehrerin Christine Schmid-Mägele die Urkunde entgegen. Auch Fritz Hölzl, der Altbürgermeister Thierhauptens und Ehrenvorsitzende des Freundeskreises des Klosters würdigt das Projekt und die Stiftung mit den Worten „Denkmäler haben eine Zukunft“.
Die Mithilfe der Marktgemeinde Thierhaupten sei für den erfolgreichen Verlauf des Projekts sehr wichtig gewesen und besonders auch die Bereitschaft der örtlichen Grundschule, betont Schmid-Mägele. Ohne die finanzielle Unterstützung durch „denkmal aktiv“ wäre von Anfang an nichts gegangen. Insgesamt war es ein Zusammenspiel vieler verschiedener Partner, die das Schulprojekt mit zum Erfolg führten. Dabei hätte die Schule gerne noch mit der Museumsakademie zusammengearbeitet oder einen professionellen Führer mit im Team gehabt, dies sei im Rahmen des Projektes aber leider nicht mehr möglich gewesen, berichtet die Lehrerin.
Nach der Preisverleihung löst sich die Menge auf und folgt in kleineren Gruppen den Schülern mit ihren bunten Stationen-Schildern. Einige Besucher sammeln sich nun wieder draußen vor dem Klosterkomplex, wo sie von den Siebtklässlern zuerst durch eine aufgebaute Ausstellung in der Klosteranlage und anschließend zur Kirche geführt werden. Nachdem die Schüler Aufschluss über das Leben im Kloster, inklusive des Arbeitsalltags der Mönche und deren Lebensbedingungen gegeben haben, treffen sich Schüler und Gäste im Innenhof zum gemeinsamen Mittagessen.

Abwechslung im Schulalltag

Schmid-Mägele lobt, dass die Schüler durch das Projekt die Chance bekommen haben, Geschichte mit anderen Augen zu sehen. Vor allem der lokalhistorische Bezug war für sie bedeutend, damit die Schulklassen etwas Neues über die Geschichte vor Ort erfuhren. Dadurch, dass das Projekt auf ein Jahr angelegt war, konnten sich die Schüler viel intensiver mit einem Thema beschäftigen, als es normalerweise im Unterricht möglich ist. Beide Lehrerinnen möchten anderen Schulen deshalb empfehlen, ähnliche Projekte anzubieten. Mit der Auszeichnung hatten sie aber nicht gerechnet. „Das war eine schöne Überraschung“, so Grotz.
Der Erfolg des Projektes zeigte sich auch in einer zweiten Führung, die mehrere Monate nach der Preisverleihung veranstaltet wurde. Diese Führung war Bestandteil eines Treffens für Teilnehmende an „denkmal aktiv"-Projekten im Schuljahr 2018/19. Rund 40 Lehrkräfte aus Schulen überwiegend aus dem Süden Deutschland nahmen daran teil. Letztendlich haben es die Schüler des Paul-Klee-Gymnasiums mit ihrem über ein Jahr anhaltenden Fleiß also tatsächlich geschafft, Geschichte für einige Stunden lebendig zu machen.
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