Aus für neue Lärmschutzzone? Wie umliegende Gemeinden auf Stationierung des A400M am Lechfeld reagieren

Zehn Maschinen des Militärtransporters A400M sollen ab 2025 am Lechfeld stationiert werden. Foto: Luftwaffe/Simon Otte

Als "besonderen Moment für das Lechfeld" bezeichnete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am 2. Januar die offizielle Bekanntgabe, dass zehn Airbus A400M Maschinen zukünftig am Lechfeld stationiert werden sollen. Der A400M ist ein europäisches Großprojekt, und soll die gemeinsame Transportkapazität der europäischen Luftwaffe verbessern. Darum sei es wichtig, sich im Norden und Süden von Deutschland aufzustellen. Die zehn Maschinen am Lechfeld wird Deutschland als Rahmennation betreiben, um sie multinational einzusetzen. 25 weitere Maschinen sind in Wunstorf stationiert.

In den letzten Jahren wurde über einige Probleme des neuen Transporters berichtet, doch laut von der Leyen macht er auch bereits vieles richtig: "Der A400M hat eine enorme Reichweite, er kann auf rudimentären Pisten landen, und kann doppelt so viel Ladung mitnehmen wie die Transall", so die Verteidigungsministerin. Eine der Maschinen hat etwa 2017 nach dem Hurricane Irma rund 600 Menschen evakuiert.

"Die Bürger wollen Bauplätze"

Andreas Scharf, Bürgermeister der Gemeinde Graben, sieht die Stationierung des Airbus A400M im Lechfeld "insgesamt positiv". Zum einen bringe das Arbeitsplätze und Investitionen, so Scharf, zum anderen bedeute eine Entwicklung zu Transportflugzeugen hoffentlich weniger Lärmbelästigung. Dass die 500 versprochenen Arbeitsplätze erhebliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt in der Gemeinde haben werden, glaubt er nicht. "Die meisten Stellen können wir sicher aus dem Umland besetzen", so Scharf. Das werde sich wohl ähnlich entwickeln wie auch beim Amazon-Logistikzentrum in Graben. "Die Leute sind meistens eher bereit, 20 oder 30 Kilometer zu pendeln und ziehen nicht sofort um."

Sorgen wegen einer höheren Verkehrsbelastung in der Gemeinde macht Andreas Scharf sich nicht. "Wir haben ein anderes Problem", so Grabens Bürgermeister. Denn eigentlich hätten bereits 2016 neue Lärmschutzzonen in Kraft treten sollen. Die seien aktuell noch immer am Tornado gemessen, der im Lechfeld seit 2013 nicht mehr startet. Neue Messungen im Jahr 2016 hätten ergeben, dass die gesundheitsgefährdende Lärmbelästigung nun eigentlich bereits an den Kasernenzäunen ende. Im gleichen Jahr sei allerdings das neue Lärmschutzgesetz kurz vor der Unterzeichnung zurückgezogen worden, erzählt Scharf. Der Bürgermeister macht sich Sorgen, dass die Bundeswehr mit der Stationierung der A400M die alte Lärmschutzzone beibehalten wird, um etwas mehr Spielraum bei der Lärmbelastung zu haben. Schwarz glaubt, dass darin auch die Bewohner in Graben das größte Problem sehen. "Die Bürger wollen Bauplätze. Doch wir müssen sie bereits seit zwei Jahren vertrösten, weil die Lärmschutzzone nicht geändert wird."

Die Frage nach der Lärmschutzzone beschäftigte die Bürgermeister mehrerer umliegender Gemeinden auch während einer Informationsveranstaltung, zu der die Bundeswehr am Dienstag eingeladen hatte. Wie Rupert Fiehl, Bürgermeister von Kleinaitingen, erzählt, sei dort zwar viel wiederholt worden, doch einiges wurde auch konkretisiert. Die Bundeswehr habe während des Treffens sowohl die Investitionssumme von 170 Millionen Euro als auch den Zeitplan bestätigt. Demnach sollen ab 2025 die neuen Flugzeuge fest stationiert werden, bis 2028 sollen dann alle Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Keine Übungsflüge im A400M

Im ersten Schritt muss nun eine luftrechtliche Änderungsgenehmigung beantragt werden. "Ab sofort" würde außerdem auch die Infrastruktur in Angriff genommen, erst dann könnten die übrigen Baumaßnahmen beginnen. Auch einige Schlagworte, wofür die Investitionssumme eingesetzt werden soll, seien gefallen: So muss etwa die Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter verbreitert werden, Verkehrswege und Stellplätze sollen ertüchtigt werden. Auch im IT-Bereich müsste einiges gemacht werden. Die 500 neu geschaffenen Dienstposten am Lechfeld beinhalten auch neue Angestellte aus dem Zivilbereich, diese befinden sich aber wohl nur im zweistelligen Bereich.

Auf Nachfrage der Bürgermeister gab die Bundeswehr an, dass sie sich über die Lärmschutzzone noch keine Gedanken gemacht hatte. Auch Fiehl geht allerdings davon aus, dass sie die momentane Lärmschutzzone wird beibehalten wollen. Kleinaitingen kratze die Lärmschutzzone zwar nur marginal an, doch er könne sich vorstellen, dass die Nachbargemeinden damit größere Probleme haben könnten. "Das wird schon ein Thema sein", glaubt er nach Gesprächen mit den anderen Bürgermeistern.

Über den Lärm an sich macht Fiehl sich aber keine Sorgen: "Da kann man den Menschen die Angst nehmen." Allgemein sei der A400M leiser als die Jets, die zurzeit vom Fliegerhorst abfliegen.

"Außerdem finden im A400M keine Übungsflüge statt, die Maschinen starten nur zu Transportzwecken." Übungsflüge im A400M sollen nur in Wunstorf durchgeführt werden. Leiser wird es aber wohl auch nicht: Denn wie die Bundeswehr am Dienstag informierte, soll das Lechfeld trotzdem wie bisher als Ausweichsflugplatz genutzt werden, die Übungsflüge der lauteren Jets, die auch mal länger über dem Gebiet kreisen, werden fortgeführt.

"Ich betrachte die Neuigkeiten allgemein positiv", so Fiehl. Dass es irgendwann so kommen wird, sei schon öfter verlautet worden, der Standort an der B 17 auch perfekt geeignet. "Ich finde es positiv, dass sich etwas tut, sichere Arbeitsplätze geschaffen werden und in den Standort investiert wird. Ich hoffe, dass das auch die Bürger so sehen werden."

NATO-Staaten melden Interesse an

Laut Rudolf Schneider, Bürgermeister von Klosterlechfeld, der selbst lange als Berufssoldat auf dem Lechfeld stationiert war, haben bereits einige NATO-Staaten im europäischen Umfeld Interesse angemeldet, ihren Transportbedarf mit dem A400M vom Lechfeld aus zu decken. Die Rahmenbedingungen, mit neu geschaffenen Arbeitsplätzen und der Investition von 170 Millionen Euro, bewertet Schneider für die Region als positiv. "Dennoch war es für die Lechfeldgemeinden wichtig, dass die alten Lärmschutzzonen neu bewertet werden und damit mehr Entwicklungspotenzial in Form von Wohnbebauung gerade im Westen der Lechfeldgemeinden entstehen können", meint auch Schneider. Mit dieser Standortentscheidung werde sich daran wohl erstmal auch bis 2023 nichts ändern.

"Ein anderer Aspekt ist sicherlich die größere Nachfrage nach Wohnraum, Betreuungsplätzen und Schulen", sagt Rudolf Schneider. Eine größere Mehrbelastung sei zwar nicht zu befürchten, doch ein leistungsfähiger Nahverkehr sei vor allem vor diesem Hintergrund von immer größerer Bedeutung.

Die Bürgermeister der Lechfeldgemeinden und der Nachbarkommunen ständen in engem Dialog mit dem Dienststellenleiter des Lechfelds. Auch auf politischer Ebene sei ein gemeinsamer "Runder Tisch" geplant, um bis zur geplanten Stationierung 2025 auch Fragen der Lärmschutzzonen und gegebenenfalls weiterer Nutzung des Flugplatzes zu erörtern und den Prozess für die Kommunen zu begleiten.
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