Die Highlander kommen - Klosterlechfeld wird um eine Attraktion reicher

Links der Fußballplatz, rechts Netto - in der Mitte der 1. BHGV, doch daraus wird nun nichts.
 
rechts der Fußballplatz, links der 1. BHGV - doch daraus wird jetzt nichts. Der 1. BHGV bekommt ein neues Gelände als Pachtgrundstück.
Klosterlechfeld: 1.BHGV |

Da hat der 58-jährige Klosterlechfelder Wolfgang Hiller einen ganz schön großen Baumstamm ins Rollen gebracht. Momentan trainieren die etwa 40 Mitglieder der 1. Bayerischen Highland-Games-Vereinigung (1. BHGV) auf einer privaten Wiese. Das unhandliche Equipment lagert Hiller zu Hause. Verständlich, dass sich dieser Zustand schnellstens ändern muss. Dringend wird ein besserer Trainingsplatz gesucht - bei dieser spektakulären Sportart ist das nicht ganz so einfach.

Nun dachte der Klosterlechfelder Gemeinderat, einen geeigneten Platz mit dem Gelände zwischen Fußballplatz und Netto gefunden zu haben. Der Pachtvertrag ist bereits geschrieben, die Eckpunkte sind klar definiert. Das Flurstück soll für jährlich 200 Euro und einer einmaliger Kaution in Höhe von 200 Euro an die „Highlander“ verpachtet werden. Es soll nur noch abgestimmt werden. Man rechnet mit einer einstimmigen Annahme.

Gemeinderat schwenkt um

Doch plötzlich machten sich diesbezüglich bei dem einen und anderen Gemeinderatsmitglied Bedenken breit. „Bald kann man Baumstämme, Äxte und Kugeln durch die Luft fliegen sehen“, hieß es. „Da, wo andere mit ihren Hunden spazieren gehen!“ Die Sicherheit wollte der Verein mit Fangnetzen gewährleisten, wie es die Bogenschützen haben. Zudem wollte man nur trainieren, wenn das Fußballfeld nicht genutzt wird. „Nur wann soll das sein? Die Fußballer trainieren fast täglich und am Wochenende finden dort Spiele statt“. Ein weiterer Einwand folgte: "Wir wollen den Generationenpark errichten und in ein oder zwei Jahren soll dieser genau auf dieses Grundstück ausgebaut werden.“

Man möchte schnell und optimal helfen

Trotzdem will die Gemeinde den Highlandern zu einem Trainingsplatz verhelfen. Und das schnell und optimal. Das ist ganz deutlich heraus gekommen.
Bürgermeister Rudolf Schneider blickt in die Zukunft und erhofft sich durch dieses Spektakel auch eine Ankurbelung der Wirtschaft sowie ein Ausbreiten des Bekanntheitsgrades Klosterlechfelds über die Grenzen hinaus.
Der Gedanke wurde eingeworfen, dass sicherlich nicht nur trainiert werde, sondern bestimmt auch mal das eine oder andere Game in Klosterlechfeld stattfinden könnte.
Die „Deutschland Highland Games“ auf Schloss Kaltenberg sind bereits zum Volksfest für die ganze Familie, für Jung und Alt geworden. Die spannenden, kurzweiligen und überaus abwechslungsreichen Mannschaftswettbewerbe treffen den aktuellen Zeitgeist. Hier werden die stärksten Manns- und Weibsbilder gesucht. Sie alle messen sich im Baumstamm ziehen, im Steinkugeln heben, im Farmers Walk, im Baumstamm werfen oder Bogenschießen.

Weil sich immer mehr heraus kristallisierte, dass das eigentlich angedachte Grundstück nun doch nicht geeignet ist, beschloss der Gemeinderat  einstimmig, bei der nächsten Flurbegehung ein optimaleres Gelände zu finden. Dies soll zeitnah stattfinden. „Das soll längerfristig Hand und Fuß haben.“ Der bereits bestehende Pachtvertrag wird im Vorfeld dem Verein zugeschickt, das dann neu gefundene Flurstück nachgetragen.

Highland Games – höher, schneller, weiter

Was sind das eigentlich für Spiele? Eine Mischung aus Volksfest mit Kultur, Sport, Tanz und Schwerathletik. Die Wettkämpfe werden nach den Vorgaben des „Deutschen Highland Games Verbandes“ durchgeführt. Vorgeschriebene Wettkampfkleidung ist der Kilt. Der Kilt spielte und spielt heutzutage ebenfalls immer noch eine große Rolle. An der Musterung erkannte man den Familien-Clan und man konnte eindeutig zugeordnet werden.
Es gibt Damen- und Herren-Mannschaften. Highland Games gehen zurück bis in die Zeit der keltischen Könige in Schottland. Sie waren Bestandteil der Treffen schottischer Clans (Gatherings) und wurden ausgetragen, um die stärksten und schnellsten Männer Schottlands zu finden. Diese wurden dann in die Dienste des jeweiligen Königs gestellt.

Zu den historischen Sportwettkämpfen der Männer zählen das Tauziehen (tug o’ war), der Hammerwurf (Scottish hammer) und das Baumstammwerfen (tossing the caber). Letztere Disziplin ist oft der Höhepunkt der Wettkämpfe, wobei ein 5 Meter langer und bis zu 70 Kilo schwerer Baumstamm senkrecht angehoben, mit der Schulter in Balance gehalten und so geworfen wird, dass er sich um 180 Grad dreht und auf eine bestimmte und recht präzise Weise – nämlich in der in „12-Uhr-Position“ - aufkommen muss. Die Weite des Wurfs ist dabei unerheblich.

Im Verein der 1. BHGV werden zusätzlich die Disziplinen Baumstammlauf, Steinhochschmeißen, Steinstoßen, und Streitaxtwerfen trainiert, sowie Fass rollen, Steinkugellauf und der Farmers Walk. Beim Baumstammlauf muss die Mannschaft möglichst schnell einen Baumstamm geschickt im Slalom transportieren. Beim Steinhochschmeißen wird ein Gewicht, welches an einer Eisenkette hängt, rückwärts in die Höhe geworfen. Das Gewicht muss über eine, in der Höhe angebrachte, Stange fallen. Beim Fassrollen müssen zwei Personen aus der Mannschaft das 200-Kilo-Fass um einen Baum rollen und an die nächsten zwei abgeben, die das Fass wieder zurück rollen, bis die Mannschaft „durch“ ist. Hier zählt die Zeit. Beim Steinkugellauf zählt das Gewicht des Steines/Kugel, welches eine Strecke getragen und in einer bestimmten Höhe abgelegt werden muss. Der Famers Walk ist ein Gehen mit Gewichten in der linken und rechten Hand, in der Regel sind es jeweils 60 Kilogramm. Hier zählen die vollen Runden, die mit diesem Gewicht gegangen wurden. Auch die Dudelsäcke dürfen natürlich nicht fehlen. Dudelsack- und Trommelkapellen von bis zu 40 Musikern sorgen für lautstarke musikalische Untermalung.

Heute sind Highland Games eine anerkannte und auch aktuell die am schnellsten wachsende Sportart Deutschlands. Sie unterteilt sich in „Mannschaftswettkampf“ als Breitensport und „Heavy Events“ (Bewegen von schweren Massen) als Leistungsport.

Fast jede Ortschaft in Schottland richtet in den Sommermonaten von Mai bis September ein Highland Game aus. Das bekannteste ist das Braemer Royal Highland Gathering am ersten Samstag im September. Hier schaut auch die britische Königin Elisabeth II. regelmäßig vorbei. Das weltweit größte Highland Game ist das Cowal Highland Gathering auf der schottischen Insel Bute. Mehr als 3000 Wettkämpfer und mehr als 20.000 Besucher zieht das Sportfest jährlich an.
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