Was lange währt, wird endlich gut

Für außergewönliche selbst kreierte Pokale ist der Verein bekannt.
 
Heller freundlicher Trainingsraum mit neuen Kraftsportgeräten
 
Das Power Rack ersetzt viele Trainingsgeräte

Sport / Mr schreibt's Johr 50 v. Chr. 'S ganze Ländle isch von de Römer bsetzt... 'S ganze Ländle? Ha noe! En kloener Flecka....

 
Nicole Fischer

Klosterlechfeld. Wem kommt das bekannt vor? Richtig: Asterix…aber der mit dem Hinkelstein ist Obelix. Unsagbare Kräfte verleihen ihm Ruhm und Ansehen.
Das Aufheben eines schweren Steins war immer schon eine beliebte Kraftprobe.Eine Tradition mit Emotion, Leidenschaft, gepaart mit modernen Fitness und Kraftsport, wo die Gaudi und der Zusammenhalt ebenfalls nicht zu kurz kommt. Mittlerweile ist daraus eine regelrechte Sportart geworden, die im gesamten bajuwarisch besiedelten Raum, bis heute wettkampfmäßig ausgeübt wird. Regelmäßig finden Vergleichskämpfe zwischen Bayern, Tirol und anderen Ländern statt. Heut zu Tage geht es natürlich genormter zu, als bei Asterix und Obelix. Für Männer hat der Stein ein Gewicht von 508 Pfund (254 kg) für die Frauen 250 Pfund (125 kg). Die Anschlaghöhe für die Männer beträgt 1m, für die Frauen 0,80 m. Beim Steinheben zählt die Höhe, die der Stein angehoben wird. Im Gegenteil zum Steinlupfen. Hier zählt das Gewicht, welches man 1cm anheben kann. Wir sind heute zu Gast bei den Lechfelder Steinheber e.V. in Klosterlechfeld.

Vom Kellerraum zum Bahnhofsgebäude

Mehr als Ausdauer hat dieser Verein bewiesen. An die 10 Jahre haben sie auf neue Räumlichkeiten gehofft und wurden immer vertröstet. Nun, als keiner mehr daran so richtig glauben wollte, sollte sich der Traum verwirklichen. Vom Kellerraum der Grundschule in Klosterlechfeld durften sie nun ins Erdgeschoss des Bahnhofgebäudes ziehen. Von 15 qm zu ca. 100 qm.
Wenn man vor dem Bahnhofsgebäude steht, sieht man noch eine Baustelle. Das Gebäude ist mit Folie verkleidet, drum herum steht ein Bauzaun. Doch innen wurde fleißig gearbeitet und eingerichtet. Man betritt einen sehr schön hell gemalerten Raum. Licht fällt auf neue Krafttrainingsgeräte. Ein toller Trainingsraum bietet sich einem dar. Am liebsten würde man gleich selber alle Geräte ausprobieren.
Für den Vorsitzenden Manuel Friedrich und seinem Stellvertreter Andreas Jahn ging ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Mit strahlendem Gesicht berichtet Friedrich:
“ Wir haben für diesen Tag jahrelang gespart, damit wir uns neue Trainingsgeräte kaufen können, wenn es mal soweit ist. Damit das Training dann noch mehr Spaß macht und neuen Ehrgeiz fördert.“
So ist Andreas Jahn unter anderem sehr stolz auf das neu beschaffte Power Rack.“ Dieses Gerät beinhaltet gleich mehrere Geräte in einem.. Neben Bankdrücken, Klimmzügen, Kreuzheben und Kniebeugen gibt es auch ATX Power Bänder“, erklärt er.
Doch damit nicht genug: endlich geben es die Räumlichkeiten her für zwei Duschen und Toiletten, damit man sich nach dem Training frisch machen kann. Für ein anschließendes gemütliches Miteinander steht nun auch nichts mehr im Wege. In der neuen Küche inkl. neuen Küchengeräte, die man sich zusammen gespart hat, kann man nun so manch leckeres Essen zaubereiten um dann in der gemütlichen Essecke den Abend ausklingen zu lassen.
„Trotzdem wir ja im Wettkampf gegeneinander antreten, sind wir eine Familie und helfen uns untereinander“ sagt Manuel Friedrich „da ist es auch sehr schön, wenn man noch ein wenig zusammen sitzen kann.“ Auch die Vorstandssitzungen können dort abgehalten werden.

Erst wenn man den Lechfeldstein heben kann, darf man sich Meterheber schimpfen

Das Highlight des Jahres ist eindeutig der Lechfeldcup in Klosterlechfeld, der beim Pfingstmarkt mittlerweile zum festen Programm gehört. Neben der Mordsgaudi und der tollen Stimmung ist dieser über die Grenzen hinaus bei allen Steinhebern ein Begriff, denn nur wenn ein Heber den Lechfeldstein einen Meter heben kann, ist er ein richtiger Heber.
Ruhm und Ansehen ist ihm dann sicher.
Voller Stolz berichtet Manuel Friedrich, dass sie die einzigen sind, die einen echten Granitstein besitzen. „Andere Vereine haben Metallboxen, in denen sie die Gewichte reinlegen“, erklärt Friedrich. „Diese sind leichter zu handeln. Aber bei unserem Granitstein, darf man sich keine Fehler erlauben. Alles muss stimmen. Wenn er nur einmal verkanntet, hat man schon verloren. Da kann man nichts mehr ausgleichen. Hier hat man kein Spiel in der Bewegung. Und wenn man hier besteht, dann kann man überall den Stein heben.“

Der elektronische Gurt – auch in die Sicherheit wurde investiert

Eine weitere sehr wichtige Vorrichtung dient der Sicherheit der Heber. „ Jeder Verein muss sich um die Sicherheit seiner Heber selber kümmern“, erklärt Friedrich „Leider gab es einmal einen Vorfall, wo ein Heber verunglückte und sich die Patellasehne zerrissen hat. Da zählt dann jede Minute, um den Verunglückten zu befreien. Das ist einmal in dreißig Jahren passiert, aber das darf nicht mehr vorkommen!“ So wurde ein elektronischer Gurt unter dem Stein angebracht, der ihn bei Bedarf auf Knopfdruck anheben lässt, so dass man den Verunglückten schneller befreien und versorgen kann. Das hat so kein anderer Verein.

Newcomer sind herzlich willkommen

Zur Zeit hat der Verein 230 Mitglieder. Zu empfehlen ist dieser Sport ab ungefähr 18 Jahren. „Vorher, wenn der Körper noch im Wachstum ist, kann man sich auch schnell mal was verheben. Deshalb haben wir auch keine typische Jugendarbeit.“, erklärt Andreas Jahn. „Aber für die Newcomer haben wir, zusammen mit unserer Feuerwehr, das „Newcomer Feuersteinheben“ ins Leben gerufen. Hierfür wird der „Frauenstein“ eingesetzt, der 125 kg wiegt. Jahn bestätigt: „ Das ist für den Anfang schon recht ordentlich!“
Um dann den eigentlichen Stein mit 508 Pfund (254 kg) heben zu können, bedarf es an die zwei Jahre kontinuierliches Training.
„Jetzt haben wir unser eigenes Vereinsheim und können auch individuelle Trainingszeiten anbieten. Vormittags und nachmittags, von Montag bis Freitag. Das war vorher nicht möglich!“ Auch hier merkt man Andreas Jahn deutlich die Erleichterung an, denn zu Schulzeiten musste man sich nach dem Schulbetrieb richten und fühlte sich auch nicht richtig wohl, wenn man die Sanitären Anlagen mitbenutzt hat.
Nun ist der Platz da, um sogar die Wettkampfsteine aufgebaut zu lassen und an Ihnen zu den Trainingszeiten zu trainieren. Das ist ein großes Plus.
Zum Schluss verriet der Vorsitzende Friedrich noch eins: „ Einmal im Monat planen wir jetzt sogar ein Techniktraining für alle aktiven Heber. Es werden die Bedingungen geschaffen, wie beim Lechfeld Cup, d.h. mit der elektronischen Anzeige!“ Das sollte doch einen jeden aktiven Steinheber sehr freuen.
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