"Farben der Trauer"

Eine "kleine" Überraschung zog die Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen eG am Ende des offiziellen Teils für den Hospizverein "aus der Tasche": Ein dringend benötigtes Fahrzeug, "um zu den Menschen zu kommen, die uns brauchen", bedankte sich Sandra Meyer (3. von links)
 
Hinreißend musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von der Harfenspielerin Frau Faynberg
Gunzenhausen: Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen eG |

Am 5. März luden der Hospizverein Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen e. V. und die Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen eG zur Ausstellungeröffnung der Künstlerin Hedwig Froeba ein. Aber was haben Trauer und Farben gemeinsam?

Dieser Frage schienen viele Gäste nachgehen zu wollen, denn die Schalterhalle in der Gerberstraße, in welcher die Ausstellung bis 29. März während der Öffnungszeiten frei zugänglich ist, war mit rund 70 Besuchern sehr gut gefüllt.
Doch zunächst stand die Frage im Raum, was ein Hospizverein und eine Bank gemeinsam haben. Der Gründungsgedanke: "Menschen in Not zu helfen." Der Hospizverein feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen, die Raiffeisenbank ihr 200-jähriges. Was mit dem „Weyerbuscher Brodverein“ – anfänglich zur Verteilung von Lebensmitteln, dann für den gemeinsamen Bezug von Saatgut und Kartoffeln – begonnen hatte, ist heute eine Genossenschaftsbank, die im Rahmen des Gewinnsparens immer wieder Menschen in Not sowie soziale bzw. gemeinnützige Einrichtungen unterstützt.

Welchen Dienst der Hospizverein in den vergangenen 20 Jahren sterbenden Menschen und ihren Angehörigen erwiesen hat, fasste unter anderem Landratsstellvertreter Robert Westphal in treffende Worte: "Irgendwann trifft es jeden. Es ist wichtig, dass es Institutionen wie diese gibt, damit es in unserem Landkreis rund läuft – und das seit 20 Jahren. Der Kreis selber könnte dies nicht leisten. Herzlichen Dank für diese wertvolle Arbeit."

"Leben Sie Ihre Lebensfarben"

Der Tod gehört zum Leben dazu – ebenso wie die Farben. Die Art, mit der Trauer umzugehen – ob bunt und laut, oder schwarz und leise – ist von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Aber auch für den Glauben, verschiedene Wege, die Erinnerung und auch den Kampf stehen die Farben und stellen somit keinen Widerspruch, sondern vielmehr einen Ausdruck der individuellen Trauer dar. "Eben stand meine Mutter noch mitten im bunten Leben, und plötzlich kam die Krankheit", so die Künstlerin Hedwig Froeba, welche nun sechs Jahre nach dem Tod ihrer Mutter, ihre eigene Art der "Trauerverarbeitung" auch der Öffentlichkeit zugänglich macht. Gemeinsam mit Sandra Meyer, Koordinatorin des Hospizvereins, hat sie die Ausstellung vorbereitet und den Bildern auch Texte gegeben. Texte, welche die Aussagekraft der Bilder behutsam unterstreichen.
Eine Behutsamkeit, die Sandra Meyer sowohl im Umgang mit den Toten als auch den Lebenden sehr wichtig ist: "Man schließt die Augen der Toten behutsam. Umso behutsamer sollte man die Augen der Lebenden öffnen."

In diesem Punkt waren sich auch MdL Manuel Westphal, Landratsstellvertreter Robert Westphal, Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und Vorstand Gerhard Meyer einig: Die Ausstellung schenkt Inspiration, sich mit dem Thema Tod und Trauer auseinanderzusetzen. Und um auf diese wertvolle Arbeit des Hospizvereins aufmerksam zu machen, und so eventuell auch weitere Ehrenamtliche gewinnen zu können. Welche Früchte diese Arbeit unter anderem bereits getragen hat, spiegelt sich auch in der Gründung der SAPV, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung wider, die als gemeinnützige Sozialgenossenschaft von den beiden Hospizvereinen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen e.V. und Hilpoltstein-Roth e.V. sowie dem Klinikum Altmühlfranken und der Kreisklinik Roth im Dezember 2016 gegründet wurde und im Januar diesen Jahres ihre Arbeit aufgenommen hat. Die Aufgabe der SAPV ist es, die Versorgungslücke für Schwerstkranke und Sterbende mit einem besonders aufwändigen Versorgungsbedarf zu schließen, welche es bisher nur in den beiden Kliniken gab. Weitere Informationen finden Sie unter Hospizverein Gunzenhausen  sowie unter SAPV. (jf)
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