Junge Eltern sammelten am Marktdonnerstag Unterschriften für eine Petition an den Bundestag für eine umfassende Geburtshilfereform

von links: Michaela Reichenthaler, Markus Wanger, Dominique Reitmaier mit Linda und Iris Rauscher mit Jakob sammelten über 230 Unterschriften
Gunzenhausen: Marktplatz |

Gunzenhausen – Dominique Reitmaier, Michaela Reichenthaler, Iris Rauscher und Markus Wanger sammelten am vergangenen Marktdonnerstag Unterschriften für die Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter & Kind während der Schwangerschaft, Geburt und dem 1. Lebensjahr (Motherhood e.V.) Mit den Unterschriften soll die Bundestagspetition „für eine umfassende Geburtshilfereform - gegen Gewalt in der Geburtshilfe“ unterstützt werden. Innerhalb von 2,5 Stunden konnten sie 236 Unterschriften am Marktplatz für die Petition sammeln.

Die geburtshilfliche Versorgung in Deutschland hat ein katastrophales Ausmaß angenommen. Kreißsäle schließen in der Stadt und auf dem Land. Es gibt so extremen Hebammenmangel, dass viele Kreißsäle überfüllt sind und sogar zeitweilig schließen müssen: Ein Drittel der geburtshilflichen Kliniken hat im letzten Halbjahr 2017 Frauen unter der Geburt abgewiesen (DGGG 2018). Dass die zeitgleiche "Betreuung" von drei, vier oder noch mehr Frauen und ihren (ungeborenen) Babys durch eine Hebamme nicht den nötigen Versorgungsstandard halten kann, ist unbestritten (DHV 2016, SZ 2018). Im gesamten Kontext von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett kommt es zu psychischer, physischer und struktureller Gewalt - die Ursachen dafür sind facettenreich und reichen von mangelhaften Arbeitsbedingungen und übersteigerter Ökonomisierung, über Haftpflichtproblematik bis hin zu Machtmissbrauch. Offizielle Zahlen fehlen, aber Fachleute und Geburtsaktivist*innen sprechen je nach Definition der Gewalt von 10%-50% Betroffenen.

Sämtliche bisherige Lösungsansätze der Bundesregierung reichen angesichts des jahrzehntelang gewachsenen Handlungsbedarfs nicht aus. "Hebammen und Gynäkologen fordern Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung der Geburtshilfe" titelt der Deutsche Hebammenverband diesen Januar (DHV 2018) und fordert zum Weltfrauentag: "Gewaltfreie Geburt ist ein Frauenrecht" (DHV). 2016 warnte er bereits vor Auswirkungen bei Personalengpässen im Kreißsaal. Elternverbände fordern seit Jahren: #sichereGeburt, die Roses Revolution Deutschland macht seit 2013 auf die Gewalt in der Geburtshilfe aufmerksam. Die Bundesregierung muss sofortige, mittel- und langfriste Maßnahmen ergreifen und endlich - nach Jahren des Protests von Eltern und Hebammen - eine umfassende Geburtshilfereform veranlassen. Die Umsetzung des von der WHO empfohlenen Maßnahmenpakets ist unumgänglich. 

Mit der Zeichnung der Bundestagspetition (Nr. 76417) können Sie sich jetzt aktiv für eine Geburtshilfereform und gegen Gewalt einsetzen. (Häufig aufgetretene Störungen bei der Online-Zeichnung bitte dringend melden bei: post.pet@bundestag.de)
Die Onlineunterzeichnung der Petition ist im Internet unter bit.ly/petition-2018 möglich.

Ab 50.000 Unterschriften ist das Quorum erreicht und die Petition wird im Regelfall öffentlich angehört. Die Petition läuft online bis zum 27. März 2018.
Parallel werden "klassisch" Offline-Unterschriften gesammelt. (DOWNLOAD) Listen werden  noch länger vom Petitionsausschuss angenommen, d.h. solange bis die Akte fertig bearbeitet wurde (also eine sehr ungenaue Frist). Daher gilt: Je früher die Unterschriften beisammen sind, desto besser!

(KH)
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Barbara Unucka aus Gunzenhausen | 26.03.2018 | 21:40  
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