Sparkassenvorstand Jürgen Pfeffer kam zum Rollentausch ins AWO Therapiezentrum Schloss Cronheim

Sparkassenvorstand Jürgen Pfeffer (links) bedankte sich bei Heimleiter Genahl und den Bewohnern für den aufschluss- und erlebnisreichen Tag mit einer Spende von 500 Euro.
Gunzenhausen: Schloss Cronheim |

Gunzenhausen - Schürze, Kochmütze und Handschuhe. Von einem Sparkassenvorstand darf ordentliche Kleidung schließlich erwartet werden. Und diese stellten die Küche und die hauseigene Schreinerei des Therapiezentrums Schloss Cronheim Jürgen Pfeffer zu seinem Rollentausch gern zur Verfügung.

Die „Aktion Rollentausch“, entstanden aus einer Idee des Forums Soziales Bayern, wird von der Freien Wohlfahrtspflege Bayern durchgeführt. Der Name „Aktion Rollentausch“ ist Programm: In Form einer Hospitation geben soziale Einrichtungen Gästen aus Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen die Möglichkeit, soziale Arbeit und Pflege in der Praxis kennen zu lernen. Die sozialen Einrichtungen können so auf die personellen, finanziellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der sozialen Dienste und Einrichtungen aufmerksam machen, für die Qualität sozialer Arbeit und Pflege werben und für die Lebensumstände der Menschen, die von sozialen Einrichtungen betreut werden, sensibilisieren. Die „Aktion Rollentausch“ bietet die Chance, Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Arbeit der Einrichtungen zu schaffen.

Die „Aktion Rollentausch“ hat also letztlich das Ziel, einen positiven Meinungsbildungsprozess zugunsten „des Sozialen“ in Bayern zu fördern.
Das AWO-Therapiezentrum nahm heuer bereits zum achten Mal an der Aktion teil. Zuvor hatten schon der Chef der AOK Bayern, Dr. W. Platzner, Bürgermeister a.D. J. Federschmidt, Bürgermeister Fitz, MdL M. Westphal, Landrat G. Wägemann, CSU Fraktionschef Pappler und Raiffeisenbankvorstand J. Gempel, Bezirkstagspräsident Bartsch und seine Stellvertreterin, Christa Naaß, ebenso wie AWO Vorstand Thomas Bauer, Polizeidienststellenleiter Eckert und Sparkassenvorstand Burkhard Druschel an der Aktion mitgemacht.

Obwohl die Aktion Rollentausch bayernweit nicht mehr offiziell durchgeführt wird hält das AWO-Therapiezentrum in Cronheim an dieser durchaus sinnvollen Veranstaltungsreihe fest. Es wäre schade, auf solch eine tolle Aktion zu verzichten, deswegen gehen wir gerne vorneweg begründete Heimleiter Genahl den Alleingang.

Für Jürgen Pfeffer war es der erste Rollentausch. Beim "Rollentausch" sollen Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit für die Bedeutung und den Wert der sozialen Arbeit sensibilisiert werden. Sie lernen die Bedürfnisse der betreuten Menschen und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort von einer ganz anderen Seite kennen.
Der Gunzenhäuser Sparkassenvorstand lernte in Cronheim nicht nur die Einrichtung kennen, er musste auch direkt mit anpacken.

Der Hospitant wusste vorab nicht was auf ihn zu kam. Umso größer war dann auch bei Jürgen Pfeffer die Überraschung, da Heimleiter Genahl ihn gleich in verschiedenen Bereichen mit einsetzte. So musste er in der Küche Abspülen, nahtlos Einblick in die Ergotherapie nehmen, in der Wäscherei die Wäsche mangeln, das Taschengeld für die Heimbewohner mit auszahlen, den Kiosk eröffnen und mit verkaufen und zum Abschluss den stationären Sozialdienst beim Gruppengespräch beobachten. Zwischendurch gab es immer wieder Kontakte zu Heimleiter Genahl, um Verfahrensabläufe im Hause zu erläutern.

Keine Berührungsängste hatten die Bewohner des Therapiezentrums mit dem Sparkassenvorstand in Kontakt zu treten und so ergaben sich schon während der Einarbeitung erste Gespräche.

Morgens pünktlich zur Arbeit zu erscheinen und das regelmäßig, bzw. nachmittags im Speisesaal mit anwesend zu sein, das ist für die chronisch alkoholkranken Bewohner des Therapiezentrums keine Selbstverständlichkeit, sondern musste und muss von vielen erst wieder mühsam gelernt werden. Das stößt nicht überall auf Wohlwollen, viele wehren sich anfänglich gegen den geregelten Alltag, wollen sich nicht einbringen. Doch auch wenn sie anfänglich gegen ihren Willen da sind, so erkennen die meisten doch sehr schnell, welche Chance sich ihnen im Therapiezentrum bietet.

Die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt zählt 60 stationäre Betten und stellt zusätzlich bis zu 20 ambulante Plätze für ehemalige Bewohner in der Umgebung zur Verfügung. Die Plätze sind immer restlos belegt, so F. Genahl. Das zeigt auch, wie sehr das sozial therapeutische Setting notwendig ist.

Therapiezentrumsleiter Frank Genahl kann dem "Rollentausch" nur Gutes abgewinnen:

„Denn was Menschen sehen, erfahren und erleben, das bleibt ihnen im Gedächtnis, ist authentisch, kann sie unmittelbar berühren. Das persönliche Gespräch mit Mitarbeitenden und Klientinnen und Klienten soll bei den Gästen Verständnis für die Belange der betreuten Menschen und der Einrichtung schaffen, es soll helfen, Vorurteile und Ängste abzubauen“.

Im AWO Therapiezentrum Cronheim wird seit der Eröffnung im Oktober 1999 das Ziel verfolgt, chronisch alkoholkranken Menschen bessere Lebensbedingungen zu schaffen und eine größtmögliche Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Über eine durch Vertrauen geprägte Beziehung zum Betreuungspersonal, Motivierung und psychische Mobilisierung zur Überwindung sozialer Ängste soll eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft erfolgen.

Für viele, die ins Schloss einziehen, ist dies die letzte Chance, die allerletzte Möglichkeit zur Umkehr. Wer hier ankommt, hat nach laut Heimleiter Genahl schon alles probiert, um im Leben wieder Fuß zu fassen und ist genauso oft gescheitert.
Daher sind viele Bewohner froh, den Anschluss ans Leben wieder gefunden zu haben.

Frank Genahl bedankte sich ausdrücklich bei Jürgen Pfeffer mit einem kulinarischen Präsentkorb, die schöne Tradition des Rollentausches in Cronheim fortgesetzt zu haben. Auch Jürgen Pfeffer war von seinen Eindrücken an diesem Tag sehr begeistert und übergab Frank Genahl eine Spende in Höhe von 500 Euro für das Therapiezentrum als Anerkennung der dort geleisteten Arbeit. Er hat nach eigenen Worten sehr viele eindrücke mit genommen und auf viele Probleme durch die offenen Gespräche mit den Bewohnern auch eine andere Sichtweise bekommen zeigte sich der Sparkassenvorstand begeistert. Für ihn war die Teilnahme am Rollentausch ein persönlicher Gewinn und er würde sich freuen wenn die Bewohner bei ihren Besuchen in der Stadt auch einmal bei ihm im Büro vorbeikommen würden.

(KH)
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