Üben mit einem wichtigen Gut

Stolz präsentiert Gerhard Aglas (links) das System aus Österreich. Günther Geiger, Fabian Wamser und Alexander Leupolz würden dies gerne auch im Landkreis einsetzen.

Es ist schon langsam ein gewohntes Bild. Alle zwei Jahre stehen auf dem Areal rund um das Feuerwehrhaus in Hiltenfingen große Zelte des Roten Kreuzes, verschiedene Gerätschaften und mehrere Wasserbecken. Denn dann ist das „Kompetenzzentrum internationale Arbeit“ (KIA) des Kreisverbands Augsburg Land mit seiner Trinkwasseraufbereitungsanlage am Wertachufer Übungsgast.

Ehrenamtliche aus ganz Deutschland und die Trinkwassergruppe aus Steyer (Oberösterreich) pumpen dabei Wasser aus der Wertach um dieses dann auf Trinkwasserqualität zu bringen. Zur Verfügung stehen dabei zwei verschiedene Anlagen. Eine Kleine, bei der das gewonnene Wasser den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation aufbereitet wird. Die große Anlage schafft sogar eine Wasserqualität nach den Maßgaben der deutschen Trinkwasserverordnung. Die Wasseraufbereitung ist die Kernkompetenz des KIA, denn aus dieser Arbeit ist es entstanden.
Alexander Leupolz, der schon mehrmals im Ausland solche Anlagen aufgebaut hat, erklärt die Bedeutung solcher Übungen: „Unsere ehrenamtlichen Helfer brauchen praktische Erfahrung, vor allem mit wechselnden Kollegen. Denn vor Ort ist kommen die Helfer aus aller Welt zusammen.“ Daher wird einmal im Jahr mit den Kollegen aus Steyer geübt, immer im Wechsel - sprich ein Jahr in Bayern, das Andere in Österreich.

Ein paar Kisten aus Kunststoff, Schläuche und Zapfstellen

Doch diesmal ist etwas anders. Die Kollegen aus Österreich haben etwas Neues dabei. Auf den ersten Blick sehen die Geräte, die Gerhard Aglas, Kopf der Steyrer Trinkwassergruppe, aufgebaut hat, nicht besonders aus. Ein paar Kisten aus Kunststoff, Schläuche und Zapfstellen aus Edelstahl.
Doch als Aglas mit spürbarer Begeisterung die Idee hinter diesen Ausrüstungsgegenständen erklärt, ist klar, warum auch die Helfer des Kreisverbandes Augsburg Land großes Interesse an diesem System haben. Es ist nicht geringeres, als eine mobile Frischwasserversorgung.
Mit Blick auf die Probleme, welche das Trinkwasser in der Vergangenheit in der Region gemacht hat, könnte die Idee aus Österreich nützlich sein. Das System aus Steyer basiert auf einem wichtigen Grundsatz: Es ist simpel zu handhaben und leicht zu transportieren. Die Kunststoffboxen sind faltbar, brauchen wenig Lagerfläche. Ihr Grundmaß entspricht einer Europalette, so lassen sie sich auf nahezu jedem Hänger transportieren. In die Boxen kommen Säcke aus der Lebensmittelindustrie. Diese werden dann mit frischen Trinkwasser befüllt. „Eine Box fasst 500 Liter. So lassen sie sich mit nahezu jedem Anhänger transportieren.“, erklärt Gerhard Aglas. Denn der Transport ist für die Idee der Oberösterreicher wichtig.

Ein mobiles System

Denn die Stärke des Systems ist die Mobilität. „Stellen sie sich vor, eine Gemeinde hat Probleme mit dem Trinkwasser, aber in der Nachbargemeinde ist alles in Ordnung“, erläutert Aglas, „dann stellen wir das System auf und richten einen kleinen Pendelverkehr ein. So können wir mit vier Boxen durchgehend eine Versorgung sicherstellen“, so der Österreicher weiter. Gerade für ländliche Gebiete eine interessante Option. Das sieht auch Hiltenfingens Bürgermeister Kornelius Griebl so, der die Lösung „als sehr sinnvoll“ bezeichnete. Auch Griebl sieht den größten Vorteil bei der Versorgungsmöglichkeit kleiner Gemeinden.
Aus diesem Grund hat das KIA-Team auch zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes eingeladen, um das System vorzustellen. „Das ist uns wichtig, denn ohne eine Genehmigung des Gesundheitsamtes brauchen wir nicht darüber nachzudenken, das System anzuschaffen“, erklärt Alexander Leupolz, der die Zusammenarbeit mit der Behörde lobt: „Das Amt zeigte sich interessiert, außerdem haben sie sich mit eingebracht und zwei wichtige Vorschläge zur Verbesserung der Hygiene gemacht, die unsere Kollegen aus Österreich gleich aufgenommen haben“, so Leupolz weiter.
Für ihn ist es durchaus denkbar, das System für den Landkreis anzuschaffen. „Wenn das Gesundheitsamt die Anlage genehmigt, gilt es einen Kosten-Nutzen-Vergleich. Wenn der gut ausfällt, würden wir gerne die Anschaffung beantragen um das System für die Landkreisbürger bereit zu halten“, erläutert Leupolz die nächsten Schritte.
Auch Fabian Wamser, Kreisvorsitzender der SPD, war vom System der Österreicher angetan. "Ich hoffe, das lässt sich für den Landkreis einsetzen, es wäre ein bedeutendes Hilfsmittel im Krisenfall", so Wamser.
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