Wiesn-Besuch endet vor Gericht: 20-jähriger Kissinger soll junge Frau sexuell belästigt haben

Auf dem Oktoberfest soll ein 20 Jähriger eine junge Frau sexuell belästigt haben. Nun steht er vor Gericht. (Foto: Symbolbild/ anahtiris/ 123rf.com)

Ein 20-jähriger Kissinger soll im September vergangenen Jahres eine junge Frau sexuell belästigt haben. Auf dem Oktoberfest in München seien beide nebeneinander gesessen, als die Hand des Angeklagten dorthin wanderte, wo sie definitiv nicht hin sollte: in den Schritt und zwischen die Brüste der Frau.


So erzählte die heute 19-Jährige ihre Geschichte am Dienstag im Sitzungssaal Eins des Aichacher Amtsgerichts. Und Jugendrichterin Eva Grosse sah keinen Grund, ihr nicht zu glauben. Der Angeklagte allerdings will nichts davon wissen. Zwar habe er über den Tag hinweg fünf oder sechs Maß Bier getrunken. Weil er, wie er sagt, den Alkohol aber gut vertragen und seine Umgebung nach wie vor scharf wahrgenommen habe, ist er sich sicher, dass er die Frau nicht angefasst hat.

Sein Verteidiger Peter Monz beantragte einen weiteren Prozesstermin. Nächste Woche sollen mehrere Zeugen gehört werden. Am Dienstag war nur die 19-Jährige anwesend, am Mittwoch, 29. Mai, müssen die weiteren Volksfestbesucher aussagen. Wem Grosse dann glaubt, wird sich zeigen.

Klar wurde gestern aber: Mit Wiesn-Romantik à la „I mog di“ auf dem Lebkuchenherz haben Flirtversuche auf dem Oktoberfest oft nichts zu tun. In einer der beiden Prozesspausen, in denen Monz sich mit seinem Mandanten vor der Tür beriet, meinte Richterin Grosse: „Es ist aber auch lästig als Frau auf der Wiesn.“

Beschwingt durch den Alkohol fallen bei vielen die Schranken. Oftmals werden unangebrachte Bemerkungen oder ungewollte Berührungen wohl auch nicht zur Anzeige gebracht. Die junge Frau hatte ihre Strafanzeige eigentlich auch schon zurückgezogen, um die Sache „einfach zu vergessen“. Diese Entscheidung kam allerdings zu spät.
Man müsse sofort Grenzen aufzeigen, meinte Staatsanwältin Katharina Stoll im Pausengespräch zur Richterin. Das hat die 19-jährige Frau auch getan, wie sie gestern im Zeugenstand erklärte.

Der Angeklagte sei mit einem Freund bereits an einem Tisch im Außenbereich eines Festzelts gesessen und hätte getrunken, als sie mit einigen weiteren Freunden dazustieß. Eine Zeit lang sei die 19-Jährige neben dem Angeklagten gesessen, getrunken hätte sie übrigens gar nichts. „Er hat seine Hand auf meinen Oberschenkel gelegt und dann zwischen meine Beine“, sagte sie. Die Hand hätte sie immer wieder „weggemacht“. „Das ist doch eigentlich ein klares Zeichen, oder?“, fragte sie, als Verteidiger Monz sie detailliert ausfragte. „Ja, ist es“, warf Grosse ein. „Nur mal als Echo aus dem Off“, fügte sie hinzu. Dem Angeklagten hätte die 19-Jährige überdies klar gemacht, dass sie „nichts von ihm wolle und nichts mit ihm haben“ werde. Ein weiterer junger Mann am Tisch machte ihr, Angaben des Angeklagten und der Zeugin zufolge, zu dieser Zeit nämlich den Hof. „Ich habe gesagt, dass ich es nicht zu einem Streit kommen lassen werde“, meinte die Frau.

Ein Liebesgeständnis hätte ihr der Angeklagte übrigens nicht gemacht. Stattdessen habe er sie auf die Toilette begleitet, weil sie nicht allein gehen wollte. „Mich hat davor ein älterer Mann begrabscht, und ich habe am Tisch gefragt, ob mich jemand begleiten kann“, erzählte sie. Der 20-jährige Kissinger hätte vor der Türe auf sie gewartet. Als die Frau zurückkam, soll er sie geküsst, in die Unterlippe gebissen und daraufhin – „vielleicht aus dem Affekt“, wie sie sagte – gewürgt haben.

Während die Zeugin aussagte, machte sich Fassungslosigkeit im Gesicht des Angeklagten breit. „Was die Frau erzählt hat, ist doch Schwachsinn, oder?“, fragte Monz seinen Mandanten später im Flüsterton. Der hatte eingangs keinen der durch die Staatsanwaltschaft erhobenen Tatvorwürfe eingeräumt und tat das auch bis zuletzt nicht. Er sei nicht einmal neben der Frau gesessen und hätte sie keineswegs berührt. Zwar sei er vor der Toilette gestanden, als sie dort war, doch die Frau hätte ihn geküsst und nicht anders herum.

„Nur weil sich die Situation vielleicht aus Ihrer Erinnerung geschlichen hat, muss es nicht heißen, dass sie nicht stimmt“, sagte Grosse zum Angeklagten, ehe sie den Fortsetzungstermin festlegte. Auf den plädierte der Verteidiger auch nach dem zweiten Beratungsgespräch. „Nach derzeitigem Stand sehe ich keinen Grund, der Frau nicht zu glauben“, meinte Grosse zum Schluss. (von Bastian Brummer)
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