Alle Beschäftigten von insolventer Kissinger Firma haben wieder Arbeit

Auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit gibt es ein wichtiges Kapitel mit dem Titel "Erfolgreich bewerben".
 
Während 80 Prozent der Personen unter 50 Jahre innerhalb von zwei Jahren wieder eine neue Arbeitsstelle finden, sind es bei Arbeitslosen über 55 Jahren nur noch 60 Prozent. Wichtige Tipps für Bewerbungen erhalten sie auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit.
Kissing: Gemeindeverwaltung |

Die Agentur für Arbeit ermöglicht Arbeitslosen Qualifizierungskurse und gibt Tipps für Bewerbungen. Jeder sollte sich auch selbst auf die Suche nach freien Stellen machen.

Im Juli 2018 meldete die Kissinger Firma Van der Molen GmbH Insolvenz an, rund 50 langjährige Beschäftigte verloren unerwartet ihren Arbeitsplatz. Betroffen war auch die 56-jährige Andrea W. (Name wurde geändert), die über 20 Jahre in dem Unternehmen gearbeitet hatte. Sie erzählt, wie froh sie sei, nach elf Monaten Arbeitslosigkeit endlich wieder eine Stelle zu haben. Alle anderen betroffenen Personen hatten vor ihr einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Während ihrer Arbeitslosigkeit schrieb sie mehr als 50 Bewerbungen, ging zu vielen Vorstellungsgesprächen und besuchte Weiterbildungsseminare, erzählt die Kissingerin. Es waren Kurse in Französisch, Kommunikation, verschiedene Computerkurse wie Word, Excel oder das Programm SAP. Auch ein Einzelcoaching hatte ihr die Agentur für Arbeit genehmigt. Während man ihr nur zwei Stellen vorgeschlagen hatte -eine an der Universität Augsburg, eine zweite bei einer Zeitarbeitsfirma mit einem viel geringeren Bruttolohn als sie vorher hatte- fand sie selbst jetzt vier Firmen, bei denen ein Arbeitsplatz frei war. Ihre neue Tätigkeit im Büro gefällt ihr sehr gut und sie hat keinen weiten Arbeitsweg. Das Unternehmen habe einen Zuschuss zur Wiedereingliederung erhalten, weiß sie. Die Monate der Arbeitslosigkeit waren nicht nur finanziell eine große Belastung – das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent des früheren Einkommens, mit einem Kind im Haushalt liegt es bei 67 Prozent - auch psychisch gesehen ist es eine harte Zeit. Da bei der Ernährung nicht gespart werden kann, heißt es, sich bei Freizeitgestaltung, Urlaub und bei Reparaturen einzuschränken. Kino oder Restaurant sind fast nicht mehr möglich. „Es ist eine schlimme Situation, man ist immer angespannt und nicht mehr so fröhlich, auch langfristige Entscheidungen wie für ein neues Haustier kann man nicht treffen“, erzählt die betroffene Frau.

Die Pressesprecherin der Augsburger Agentur für Arbeit Daniela Ruhrmann erklärt dazu: „Es gibt keine allgemein gültige Aussage darüber, wie lange ein Arbeitsloser über 50 Jahren braucht, um wieder eine Stelle zu finden. Es hängt von vielen Faktoren ab wie Beruf, Qualifikation, Pendelbereitschaft und Gesundheit.“ Sie verweist auf eine Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom 8. Mai 2018. Darin heißt es, dass eine halbe Million Arbeitslose 55 Jahre oder älter seien und die häufigsten Hürden für eine Rückkehr in Beschäftigung laut Angaben von 61 Vermittlern gesundheitliche Probleme, geringe oder veraltete EDV-Kenntnisse und Vorbehalte von Arbeitgebern seien. Bei Personen, die vor der Arbeitslosigkeit mindestens zwei Jahre durchgehend beschäftigt waren, zeige sich: Bei den 47- bis 49-Jährigen haben nach zwei Jahren 80 Prozent zumindest zeitweise wieder sozialversicherungspflichtig gearbeitet. Bei den 55- bis 57-Jährigen sind es rund 60 Prozent, bei den 58- bis 60-Jährigen 35 Prozent und bei den 61- und 62-Jährigen weniger als 15 Prozent. „Um Vorbehalten von Unternehmen gegen ältere Arbeitskräfte entgegenzuwirken, wünschen sich die Vermittlungsfachkräfte mehr überregionale Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketingkampagnen oder Messen mit dem Schwerpunkt Ältere“, erklärt IAB-Forscherin Pia Homrighausen. Die befragten Vermittler empfehlen spezielle Angebote für Ältere: Neben einem besseren Betreuungsschlüssel, einer längeren Gesprächsdauer und spezifischen Angeboten für Ältere, sehen viele einen ergänzenden Bedarf an finanziellen Anreizen zur Beschäftigungsaufnahme wie ein Lohnzuschuss für Ältere, der nach der Beschäftigungsaufnahme direkt an die Arbeitnehmer ausgezahlt wird.

Wichtig sei die rechtzeitige Meldung des Arbeitslosen bei der Arbeitsagentur, damit so schnell wie möglich mit Vermittlungsaktivitäten und Beratung begonnen werden kann, sagt Daniela Ruhrmann. Die Agentur hält auf ihrer Internetseite nicht nur Informationen zum ersten Beratungsgespräch bereit, sie bietet auch Hinweise zur Stellensuche und Bewerbung: Möglichst schnell mit der Jobsuche beginnen, jeder weitere Monat der Arbeitslosigkeit verringere die Chance auf einen neuen Job. Verschiedene Kanäle nutzen wie Online-Jobportale, Firmen-Homepages, Jobmessen, Printmedien oder persönliche Kontakte. Bewerbungen in Berufsinformationszentren oder auf Jobmessen kostenlos auf Fehler durchprüfen lassen. Nachweise und Zertifikate sollten im Lebenslauf genannt werden, ebenso sozial-kommunikative Fähigkeiten und Teamfähigkeit oder sonstige besondere Kenntnisse, für die es keinen Nachweis gibt. Für die Optimierung der Bewerbungsunterlagen bietet das Jobcenter in der Lernbörse auch ein Trainingsprogramm an.
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