Die Kissinger Ortsgeschichte ist neu gestaltet

Kissings Bürgermeister Reinhard Gürtner (dritter von links) freute sich über die neugestaltete Ortsgeschichte der Homepage. Heinz Schmidt (rechts) und Peter Münch-Heubner (zweiter von links) schrieben sie mit Unterstützung von Petra Scola (Gemeindearchiv), Simone Seidler (zweite von rechts) stellte sie online.
 
Erster Bürgermeister Reinhard Gürtner (Mitte) freute sich, die beiden Autoren der neuen Kissinger Ortsgeschichte, Heinz Schmidt (rechts) und Peter Münch-Heubner im Rathaus begrüßen zu dürfen.
Kissing: Gemeindeverwaltung | Sachgebietsleiterin Simone Seidler stellte die umfangreichen Fachbeiträge am 22. Oktober auf die Homepage. Interessierte können die Autoren bei ihren Vorträgen im November in der Bücherei Kissing kennenlernen

Erster Bürgermeister Reinhard Gürtner freute sich, dass die Homepage seiner Gemeinde umfangreich überarbeitet wurde und den Bürgern ab sofort zugänglich ist. Er hatte außer den Vertretern der Presse die Gemeinderäte und Petra Scola, die Leiterin der Bücherei und des Gemeindearchivs, eingeladen. Die Gemeinde konnte zwei erfahrene Autoren gewinnen, um das Kapitel „Ortsgeschichte“, das bisher nur ein kurzer Abriss war, ausführlicher zu gestalten. Viele Kapitel enthalten noch zusätzliche Unterkapitel mit weitergehenden Informationen, bevor die verwendete und weiterführende Literatur angegeben ist.

Heinz Schmidt aus Kissing berichtet im ersten Teil der neuen Ortsgeschichte über die Zeit des Jurameers bis zum Mittelalter. Als Versuchsingenieur und Leiter der Technischen Erprobung für Erdbewegungs- und Straßenbaumaschinen beschäftigte er sich in seiner Freizeit intensiv mit der Erdgeschichte und Archäologie der Vor- und Frühgeschichte. Besonders interessierte ihn die Dynamik der Fluss-Systeme und Landschaftsformen des Voralpenlandes seit ihrer Entstehung– insbesondere der Flüsse Lech und Paar. Sein weiteres Spezialgebiet ist die Besiedlungsgeschichte unserer Region. Den zweiten Teil der Ortsgeschichte lieferte der Historiker Dr. Peter Münch-Heubner aus München, der als Privatdozent an der Universität Augsburg und als Lehrbeauftragter an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München tätig ist. Seine Beiträge umfassen den Zeitraum von der ersten urkundlichen Erwähnung Kissings bis zur Gegenwart. Schon im Jahr 2015 kam er im Rahmen eines Forschungsprojektes für das Haus des Deutschen Ostens in München ins Gemeindearchiv von Kissing. Er blieb der Gemeinde weiterhin verbunden und erwägt sogar einen Umzug nach Kissing, dem er emotional sehr verbunden sei. Als bedeutender Ansiedlungsort für Vertriebene sei es ein wunderbares Feld für einen Wissenschaftler und es sei ihm eine besondere Ehre gewesen, die Ortsgeschichte schreiben zu dürfen.

Vor 150 Millionen Jahren gab es im Bereich um Kissing tropische Wälder und das Jurameer. Die Landschaft veränderte sich durch die Hebung der Alpen und die Geröllbeförderung der Flüsse, berichtete Heinz Schmidt. Vor allem die Schmelzwasserströme der beiden letzten Eiszeiten Riß und Würm wären es gewesen, die die beiden Flüsse Lech und Paar prägten. Schmidts weitere Kapitel behandeln die Steinzeit, Bronzezeit, Keltenzeit, Römische Kaiserzeit und das Mittelalter. Im 10. Jahrhundert dürfte Kissing entstanden sein, vermutet Peter Münch-Heubner, der ab diesem Zeitpunkt die Ortsgeschichte Kissings fortsetzt. Er überlegt auch, wofür die Erdhöhlen und Tunnelgänge unter dem Petersberg gedient haben können, beschäftigt sich mit der Zeit der Augsburger Bischöfe, welche Spuren die Jesuiten in Kissing hinterließen – das größte Erbe der Jesuiten ist die jetzt wieder in der Originalfarbe dastehende Burgstallkapelle. Dem Bayerischen Hiasl, Kissings umstrittenem Held, widmet er auch ein Kapitel. Interessant ist vor allem die Nachkriegszeit, als die Vertriebenen nach Kissing strömten und viele neue Siedlerhäuser für zwei bis drei Familien gebaut wurden. „Diese Planquadrate wie in Neukissing gab es auch in Manhattan“, verriet Münch-Heubner. Die Architekten Josef Elbl und sein Sohn Reinhard Elbl entwarfen nicht nur Häuser des sozialen Wohnungsbaus, sondern auch Gewerbegebäude, die Schule und das Rathaus. Zuletzt kam der Autor auf den 1997 erbauten Rathausbrunnen zu sprechen. „Die beiden Granitblöcke stellen mit dem Wasser das Zusammenwachsen von Alt- und Neukissing dar“, informierte er.

Info: Am 2. November um 17 Uhr referiert Heinz Schmidt in der Bücherei Kissing über den ersten Teil der neuen Ortsgeschichte „Vom Jurameer zum Gunzenlee“ Der Vortrag von Peter Münch-Heubner „Von der Diskussion um die erste urkundliche Erwähnung bis ins Heute“ folgt am 23. November um 17 Uhr in der Kissinger Bücherei.
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