Feuer überrascht Zirkusfamilie im Schlaf: Wie es nach dem verheerenden Brand für den Zirkus weitergeht

Miranda Brumbach (Mitte) und ihre beiden Söhne zeigen die zerstörten Wohnwägen. Der erste verbrannte vollständig.
 
Miranda Brumbach (links) entdeckte das Feuer im Wagen, wo ihre Tochter Justine (rechts) mit den Kindern Jean und Lyschan, 3 und 1, schliefen. Ihr Mann konnte alle drei sowie den kleinen Hund lebend retten.
Kissing: Gewerbegebiet |

Nachdem in Kissing zwei Zirkuswagen niedergebrannt sind, steht eine Familie nun vor den Trümmern ihrer Existenz. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern wurde in letzter Minute gerettet. Zwei Wohnwägen mit technischen Geräten und Hausrat wurden zerstört, zwei weitere sind  nicht mehr bewohnbar.

Miranda Brumbach, ihre 22-jährige Tochter Justine und deren Kinder Jean und Lyschan, die gerade erst drei und ein Jahr alt sind, stehen noch unter großem Schock. Nachts wacht die junge Mutter auf und schaut alle fünf Minuten nach ihren beiden kleinen Kindern. Immer wieder haben Mutter und Oma das schreckliche Bild vor Augen, wie die Flammen zuerst den einen ihrer Zirkus-Wohnwägen vollständig zerstörten und in Sekundenschnelle auf den danebenstehenden übergriffen.

Schaden nach dem Brand beläuft sich auf etwa 43.000 Euro

Der gesamte Hausrat zweier Familien und die technische Ausstattung, Computer, Musikanlage und Strahler, die für die weiteren Aufführungen gebraucht werden, wurden Opfer der Flammen. Zwei weitere Wägen sind durch die starke Hitze und Schadstoffe ebenfalls so stark beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar sind. Der Schaden beläuft sich auf etwa 43.000 Euro. „Aber ich bin so froh, dass meiner Tochter und den beiden Enkeln nichts passiert ist“, sagt Miranda erleichtert, die das Feuer als erste bemerkte.

Ihr Mann rettete die drei schlafenden Personen und den Hund aus dem bereits brennenden Wagen. Er zog sich dabei Verbrennungen zu und leidet durch den eingeatmeten Rauch immer wieder unter starken Kopfschmerzen.

Alle Angehörigen der in Kissing auf einem Fabrikgelände stationierten Zirkusfamilie erlitten Rauchvergiftungen und manche weitere leichte Verletzungen.

Batterieladegerät hat das Feuer wohl ausgelöst

Das verheerende Unglück passierte am Abend des Aschermittwochs: um 21.42 Uhr wurde die Kissinger Feuerwehr alarmiert und kämpfte bis 24 Uhr mit den Flammen. Ein Batterieladegerät soll das Feuer ausgelöst haben, vermutet erster Kommandanten Matthias Rawein.

Seit November befindet sich der Zirkus Othello aus dem Landkreis Ingolstadt, den es in dritter Generation seit 1846 gibt, in der Winterpause. Der letzte Auftritt war im Herbst in Ulm. Die Tiere, zu denen Pferde, Lamas, Kamele, aber auch Reptilien gehören, befinden sich seitdem auf einem Reiterhof. In Kürze sollte die neue Saison losgehen. Da ein traditioneller Zirkus für Jugendliche nicht mehr interessant sei, gäbe es bei ihnen eine Show mit Autos und Motorrädern und Akrobatik auf einem geteerten Gelände, erzählt Helmut Brumbach. Gerne würden sie Aufführungen auf dem Augsburger Messegelände oder einem geeignetem Gelände in anderen Orten zeigen, um sich das Geld für die notwendigen Neubeschaffungen zu verdienen.

Spenden für die Zirkusfamilie

Marlene Weiss vom Kleiderladen Kissing und das Gebrauchtwarenkaufhaus Mering konnten schon mit Kleidungsstücken weiterhelfen. Auch Ingrid Engstle von der Meringer Tafel erklärte sich bereit, der Familie einen Berechtigungsschein für die Einrichtung auszustellen. Aber es fehlt noch an vielem: Geschirr, Betten und -wäsche, Fernsehgeräte, Musikanlage, Kinderspielzeug, neue Feuerlöscher, Hundefutter, Gas und Diesel, Schuhe in Größe 38, 43, 44, Kostüme für die Auftritte in der Manege sowie Kleidung für Frauen in Größe 36/38 und für Männer in L/XL.

„Wir wären auch froh, wenn uns jemand einen alten Wohnwagen zur Verfügung stellen könnte. Statt sechs haben wir jetzt nur noch zwei“, sagt Helmut Brumbach. Auch über Lebensmittel und finanzielle Hilfe würden sie sich freuen. „Wir bedanken uns vielmals bei der Feuerwehr Kissing für ihren Einsatz und bei den privaten Spendern für die schnelle und großzügige Hilfe“, fügt er hinzu. Der Bayerische Rundfunk interviewte sechs Tage nach dem Unglück die Familie. Man hoffe, dass der BR nach der Sendung eine Spendenhotline einrichten könne, erzählt der Zirkusbesitzer.

Die Zirkusfamilie befindet sich auf dem Industriegelände, das sich rechts neben dem V-Markt befindet (Grünzweigstraße 6) und ist telefonisch unter 0177/50 44 651 oder 0151/45 54 33 38 erreichbar. Da das Tor zum Firmengelände oft geschlossen ist, sollten sich Spender vorher anmelden.
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