Selbstgeschriebene Lyrik kennenlernen

Martin Ebner umrahmte mit Gitarrenmusik deutsche Gedichte von Erika Young (Mitte) und Donna Bartls englische Poesie.
 
Bevor Erika Young mit ernsten Gedichten anfing, ließ Martin Ebner die Besucher mit leisen Klängen auf der Gitarre zur Ruhe kommen.
Kissing: Öffetnliche Bücherei | Erika Young und Donna Bartl machten den Auftakt mit deutschen und englischen Gedichten. Jürgen Schwilski und Dagmar Rohde gastieren nicht das erste Mal in der Bücherei.

Aus der Hektik des Alltags ankommen und bei besinnlichen, aber mitunter auch fröhlichen Gedichten zur Ruhe kommen, konnten die Besucher beim ersten lyrischen Kulturcafé in der Bücherei Kissing. Martin Ebner bot mit Stücken auf der Gitarre den Besuchern die Möglichkeit, noch über das Gehörte etwas nachzudenken. Bis zum 29. März können Besucher jeden Donnerstag ab 16 Uhr bei freiem Eintritt – Spenden sind erwünscht - Gedichten und Liedern aus eigener, manchmal auch aus fremder Feder lauschen. Kaffee, Tee und Gebäck stehen bereit. Das Kulturcafé der Bücherei ist seit einigen Jahren ein beliebter Treffpunkt, um neue Denkanstöße durch Literatur oder Erzählungen, wie Frühlingsgeschichten oder Berichte von Flüchtlingen, zu erhalten oder wie im Jahr 2017 Schüler und Lehrer aus der Musikschmiede Kissing mit ihren Instrumenten kennenzulernen.

Mit Lyrik bezeichnete man Gesänge, die mit der Leier begleitet wurden, begrüßte Jutta Wienken die Gäste. Nach musikalischer Einstimmung durch Martin Ebner begann Erika Young mit der Lesung ihrer Gedichte, die auf eigenen Erlebnissen oder Erzählungen beruhten. Sie gehörte vier Jahre lang der Iowa Poetry Association und später der Künstlergilde Esslingen an, verriet sie. Seit dem sechsten Lebensjahr schreibt sie, ermuntert durch ihre Grundschullehrerin, Gedichte. „Es sind aber nicht so viele, weil ich außerdem noch male“, ergänzte sie. Auf Reisen habe sie immer einen Block und ein Heft dabei und manche Landschaft spreche zu ihr. In etwa 20 Anthologien wie „Lyrik heute“ und „Annäherungen“ sind Gedichte von ihr veröffentlicht. Ernst waren die „Flucht übers Haff“ und „Gebet in Klogau“, von ihrer Heimat Schlesien mit dem Riesengebirge handelten „Großer Teich“ oder „Mittagssteine“, eine Steinformation handelt, die man beim Aufstieg um die Mittagszeit erreicht. Auch über München, das Ruhrgebiet oder eine turbulente Flugreise ließ sie sich Gedichte einfallen. Sie nahm die Zuhörer mit auf eine Reise in die USA, las romantische Liebesgedichte und beendete ihren Vortrag mit „Frühling naht“. Der abschließende Aufruf „Lasst den Lenz herein, es muss jetzt endlich Frühling sein!“ bedeutete bei frostigen Minustemperaturen viel Beifall für die talentierte Dichterin.

Donna Bartl, in Pittsburgh (USA) geboren, lebt seit dem Jahr 2000 in Kissing, wo sie als Übersetzerin arbeitet. Im Sommer letzten Jahres kam ihr die Idee zu einem lyrischen Kulturcafé und Büchereileiterin Petra Scola war sofort begeistert. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht ein Gedicht oder zumindest Anfänge zu neuen aufschreibe“, verriet die 48-jährige sympathische Amerikanerin. Menschen schreiben keine Gedichte, weil diese niedlich seien, sondern weil sie mit Leidenschaft erfüllt sind und nur mit Dichtung, Schönheit, Romantik und Liebe lebendig bleiben, zitierte sie John Keating aus dem „Club der toten Dichter“. Sie las eigene englische Gedichte, aber auch einige von sie inspirierenden Dichtern wie Mary Oliver, Octavio Paz, Langston Hughes und Maya Angelou vor. Seit ihrem 14. Lebensjahr verfasst sie Gedichte, einige veröffentlicht sie erstmals in dem Ende März erscheinenden Werk „Border Stories“. „Recovery Time“ schrieb sie im Januar, als sie krank war und nichts tat als sich auszuruhen. „Leaving the Blues behind“ half ihr durch eine traurige Zeit hindurch. „Warrior Queens“ handelte von dem ständigen Bemühen von Frauen, anfallende Aufgaben für die Familie zu erledigen und sich selbst dabei manchmal zu vergessen. Mit „Midlife Confessional“ sprach sie Dinge in ihrem Leben an, die sie bereute. Aufgrund ihrer deutlichen Aussprache konnten die Zuhörer dem Inhalt, auch wenn sie nicht jedes einzelne Wort verstanden, gut folgen. Uschi Bolz und Marlene Weiss genossen den ersten Termin im Kulturcafé und freuen sich schon auf die weiteren Nachmittage.

Die weiteren Termine sind:
8. März: Gulnara und Alexander Denner mit Gedichten und Liedern aus eigener Feder
15. März: Victoria Neumahr mit eigenen wilden und gefährlichen Gedichten und Martina Großhauser mit Gedichten über Bienen
22. März: Jürgen Schwilski mit neuen eigenen Gedichten
29. März Dagmar Rohde mit eigenen, fremden und fremdsprachigen Gedichten
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