Die Linke Bayern hält ihren Landesparteitag in Kissing ab

Bezirkstagstagskandidat der Linken Bayern ist Frederik Hintermayr aus Augsburg (links), Spitzenkandidaten für den Landtag sind Eva Bulling-Schröter (zweite von links) und Ates Gürpinar (dritter von links). Sprecherin und Landesvorsitzende mit Gürpinar ist Uschi Maxim (rechts).
Kissing: Paartalhalle | Spitzenkandidaten für den Landtag sind Eva Bulling-Schröter und Ates Gürpinar. Für den Bezirkstag kandidiert wieder Frederik Hintermayr.

Schon kurz nach der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten konnte sich die Partei Die Linke Bayern über viele Neumitglieder freuen. Der Trend setzte sich vor und nach der Bundestagswahl 2017 weiter fort. „Wir haben jetzt 1400 neue Mitglieder, zum großen Teil unter 35 Jahren“, sagt Landesvorsitzende und Sprecherin Uschi Maxim. Der Partei gehören in Bayern derzeit 3200 Mitglieder an, angestrebt wird die Zahl 4000 bis zur Landtagswahl im Herbst. Die Paartalhalle Kissing war nach 2014 erneut Tagungsort für die 2. Sitzung des 11. Parteitags, an dem 200 Personen, darunter 140 Delegierte teilnahmen. Sie berieten über das Landtags- und Bezirkstagswahlprogramm, wählten ihren geschäftsführenden Landesvorstand und empfingen ihren Parteivorsitzenden Bernd Riexinger. Am 30. Juni und 1. Juli soll der Bundesparteitag in der Messe Augsburg stattfinden. Die heiße Wahlkampfphase startet am 1. September.

Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Herbst sind die 62-jährige Eva Bulling-Schröter, Kreisvorsitzende in Ingolstadt, und der 33-jährige Ates Gürpinar, Landesvorsitzender und Kreisvorsitzender in München. Bulling-Schröter ist Schlosserin und saß schon 20 Jahre im Bundestag als Fachfrau für Ökologie und Klimaschutz. Sie möchte künftig ihre Fachkompetenz im Landtag einbringen, wo die Partei bis jetzt noch nicht vertreten ist. Gürpinar ist Medienwissenschaftler und hofft vor allem in den Arbeitervierteln von München wie dem Hasenbergl auf zahlreiche Stimmen. Der Spitzenkandidat für den Bezirkstag Schwaben ist der 25-jährige Frederik Hintermayr, Gesundheits- und Krankenpfleger aus Augsburg, der das Amt bereits seit 2013 innehat und außerdem Kreisvorsitzender von Augsburg ist. „Bei der Bundestagswahl erreichten wir in den Großstädten wie München, Nürnberg und Augsburg erstmals 9 Prozent, jetzt wollen wir auch im ländlichen Bereich erfolgreich sein“, verriet er. Im Alter von 15 Jahren trat er der Partei bei, möglich sei es aber schon ab 14 Jahren und er freue sich über junge Menschen, die vor allem Veranstaltungen mitvorbereiten, sagte er. Seit 2009 ist die Fraktion der Linken im Bundestag vertreten, im September 2017 zogen erstmals sieben Abgeordnete aus Bayern in den Bundestag ein. Die Partei erreichte 6,1 Prozent der Stimmen und somit 69 Bundestagsabgeordnete, wovon mehr als die Hälfte weiblich sind. Sie verfügt über viele junge Spitzenkandidaten, z. B. in der Oberpfalz ist auf dem 1. Platz ein 21-jähriger, auf dem 3. Platz eine 19-jährige. „Wer sich engagiert, kann sehr schnell einen Spitzenposten haben“, sagt der 21-jährige Tobias Emmerling, der erst vor einem Jahr eintrat und schon Kreissprecher in Neumarkt ist. „Die Linke ist eine progressive Partei, die vor allem jüngere Leute wie mich anspricht“, sagte Tim Wollenhagen aus Nürnberg.

Die Grundidee der Linken, bei der Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten vertreten sind, ist es, nicht nur für einige wenige, sondern für die Mehrheit der Menschen etwas zu erreichen. Sie wollen mit Menschen vor Betrieben oder in Stadtvierteln ins Gespräch kommen und im ländlichen Bereich neue Anhänger finden. Wichtige Ziele sind der Ausbau des ÖPNV, günstiger Wohnraum (40.000 Sozialwohnungen im Jahr), gute Bildung für alle durch eine Erhöhung der Bildungsausgaben auf 7 Prozent des Landeshaushalts und eine zehnjährige gemeinsame Schule für alle, Verbesserungen im Gesundheits- und Altenpflegebereich, Schaffung von 15.000 Pflegestellen statt nur 5.000, faire Preise für Landwirte, eine Unterstützung des Mittelstandes, des eigenständigen Handwerks und der Kleinunternehmen. Weitere Forderungen sind unter anderem gute Arbeit statt Arbeitsdruck und Existenzangst, Abbau von Barrieren für Menschen mit Behinderung, Behebung des Ärztemangels und ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin, ein Ausbau des Radwegenetzes, ein ökologischer Umbau für ein lebenswertes Bayern (Äcker ohne Gentechnik, Klimaschutz, ökologisch orientierter Landbau, Maßnahmen gegen Insektensterben, Tierschutz).
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