Ein Herz für Fledermäuse: Zuschuss des Bezirks führt zu einem bayernweiten Vorzeigeprojekt

Auf Gut Morhard können künftig Besucher die Fledermäuse in der Auffangstation besichtigen. (Foto: Birgit Böllinger)

Auf Gut Morhard soll künftig eine Auffangstation für Fledermäuse entstehen.

Der Schreck war groß, als eine Mitarbeiterin der Bezirksverwaltung eines Morgens in ihrer Kaffeetasse auf dem Schreibtisch eine Handvoll Fledermäuse fand. Die Tiere waren über Nacht durch ein gekipptes Fenster in das Büro gekommen und hatten es sich in Tassen, hinter einem Schrank und selbst im Wasserkocher kuschelig gemacht. „Die jungen Zwergfledermäuse sind zu dieser Jahreszeit auf der Suche nach neuen Quartieren für den Winter und das nächste Jahr. Bei gekippten Fenstern können sie einfliegen, finden aber nicht mehr raus“, sagt  Claudia Weißschädel. Die junge Frau, ehrenamtlich für den Fledermausschutz Augsburg tätig, wusste Abhilfe: Sie sammelte die flugfähigen Säugetiere ein und entließ die gesunden, unverletzten Flattermänner nachts wieder in die Freiheit.

"Reha-Klinik für Fledermäuse"

Solche Aktionen sind für Claudia Weißschädel keine Seltenheit. Und dass unter den Tieren, die sie abholt, oftmals auch verletzte Fledermäuse sind, kommt ebenfalls häufig genug vor. Sie werden dann von den Vereinsmitgliedern in deren Privatwohnungen wieder aufgepäppelt, manchmal monatelang. Das aber soll nun - und dies nicht zuletzt auch durch einen Anstoß des Bezirks Schwaben - anders werden: Auf Gut Morhard, einem Gnadenhof für Tiere in Königsbrunn, entsteht derzeit eine Fledermaus-Auffangstation. Diese „Reha-Klinik“ für Fledermäuse, die so verletzt sind, dass sie längerfristig nicht flugfähig sind, wird erst die dritte Station dieser Art in Bayern sein.

Fledermäuse sind allgemein in ihrem Lebensraum gefährdet. Von den 25 heimischen Arten sind mittlerweile mehrere vom Aussterben bedroht. Ein Anliegen des Vereins „Fledermausschutz Augsburg“ ist es, über diese Situation zu informieren und vor allem der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wie man den Tieren helfen kann. 2018 wurde dies vom Bezirk Schwaben mit Fördermitteln für Umweltbildung, die das Naturmuseum Königsbrunn als Projektträger erhielt, unterstützt. 

Fledermäuse selbst sehen

Gemeinsam mit Günther Groß, der ehrenamtlich auch das Naturmuseum Königsbrunn aufgebaut hat, hatte Claudia Weißschädel bereits schon Ideen für Umweltbildungsmaßnahmen entwickelt. „Fledermäuse interessieren, sie sind sozusagen ein Zugpferd in Sachen Umweltbildung“, so Günther Groß, „aber am wirksamsten ist es immer, wenn man den Menschen auch etwas zeigen kann.“ So entstand die Idee einer begehbaren Auffangstation auf Gut Morhard. Den Kontakt zum Tierschutzverein, der Träger des Tierparadieses ist, stellte Günther Groß her. Besucher können durch Guckfenster und an Bildschirmen die Reha-Patienten, die dort künftig unterkommen sollen, beobachten, zusätzlich wird viel Informatives über Fledermäuse vermittelt. Ein Vorteil das Standortes ist es, so Claudia Weißschädel, „dass sich täglich Tierpfleger hier mit um die Fledermäuse kümmern, das sichert eine professionelle Pflege und entlastet uns Ehrenamtliche vom Verein sehr.“

Dass so ein Projekt jedoch auch ungleich mehr kostet als eine Reihe an Vorträgen und sonstigen Maßnahmen, ist auch klar. Die beiden Fledermausschützer sind daher derzeit auch in Kontakt mit weiteren Kommunen und mit Sponsoren. Beim Bezirk stellten sie das Projekt der Auffangstation im Bau-, Umwelt- und Energieausschuss vor, „auch um zu zeigen, was für eine weitere gute Idee aus der ursprünglichen Förderung heraus entstanden ist“, so Günther Groß.

Weitere Informationen zum Fledermausschutz können Interessierte unter
www.fledermausschutz-augsburg.de finden. (pm)
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