50 Jahre FFH – Miteinander leben, lernen, lachen

  Königsbrunn: Fritz-Felsenstein-Haus | Mit einem feierlichen Festakt eröffnete das Fritz-Felsenstein-Haus sein Jubiläumsjahr zum 50-jährigen Bestehen des Förderzentrums. Lebendig und fortschrittlich präsentierte sich das Haus vor rund 500 Förderern, Schülern, Klienten und Mitarbeitern. Zu den geladenen Gästen zählten Alfons Weber vom Bezirk Schwaben, die Stellvertretende Landrätin Anni Fries, Sozialreferent und Dritter Bürgermeister der Stadt Augsburg Dr. Stefan Kiefer, Klaus-Peter Brüning von der Regierung von Schwaben sowie Franz Feigl, Bürgermeister von Königsbrunn.

Bunte Jubiläumsfeier

Zwei Schülerinnen führten mit einer charmanten Moderation durch die Veranstaltung, die einen weiten Bogen spannte von den Anfängen des Vereins als kleine Schule bis hin zu den heutigen Möglichkeiten, die sich Menschen mit Behinderung dank Einrichtungen wie der in Königsbrunn eröffnen. Schüler präsentierten unterhaltsame Programmpunkte, in Gesprächsrunden brachten die Vertreter öffentlicher Institutionen ihre besondere Wertschätzung für die Arbeit des Fritz-Felsenstein-Hauses zum Ausdruck und ehemalige Mitarbeiter und Schüler berichteten aus alten Zeiten. Zum Abschluss stellten Schüler und Mitarbeiter in selbstgedrehten, unterhaltsamen Selfie-Videos ihre Ideen für die nächsten Jahrzehnte im Fritz-Felsenstein-Haus vor. „Dieses Kompetenzzentrum ist ein Motor für Inklusion, hier können sich Menschen ausprobieren und für sich entdecken, was möglich ist“, so Dr. Stefan Kiefer, Sozialreferent der Stadt Augsburg. „Wir sind stolz darauf, ein solches Kompetenzzentrum in unserer Region zu haben.“

Gründung war eine Pionierleistung

Die Einrichtung wurde 1968 von Dr. Horst Matthäus ins Leben gerufen. Der Augsburger Orthopäde hatte die Notwendigkeit erkannt, auch Kindern mit einer Körperbehinderung Schulunterricht zu ermöglichen, der sich an ihren Bedürfnissen orientiert. Die Idee dazu hatte er von seinem Vorgänger und Kollegen Dr. Fritz Felsenstein übernommen, der nach dem II. Weltkrieg als erster Landesarzt sogenannte „Krüppelsprechstunden“ in ganz Schwaben anbot.

Nach dessen frühem Tod eröffnetet Dr. Matthäus am 1. Februar 1968 in einem Haus in der Ulmer Straße in Augsburg / Kriegshaber die Fritz-Felsenstein-Schule mit angegliedertem Internat. In bescheidenen Verhältnissen und mit wenig finanziellen Mitteln wurden zunächst 13 Schulkinder und 6 Vorschulkinder unterrichtet und therapeutisch gefördert. Der Bedarf war groß, da aufgrund des Contergan-Skandals in den sechziger Jahren und auch der Verbreitung von Polio (Kinderlähmung) vermehrt Kinder mit einer Körperbehinderung ins Schulalter kamen. Schon 1970 musste die Förderschule in ein größeres Gebäude nach Göggingen umziehen, doch auch dort waren die Verhältnisse schnell zu eng. Acht Jahre später wechselte das Fritz-Felsenstein-Haus erneut den Standort und zog nach Königsbrunn. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Schule bereits rund 200 Schüler.

Privates Förderzentrum für Mittel- und Nordschwaben

Aus der einst kleinen Förderschule wurde im Laufe der Jahre ein großes, privates Förderzentrum, das mit innovativen Projekten weit über die Region hinaus die Behindertenhilfe sowohl bayern- als auch deutschlandweit mitgestaltet. Heute werden rund 285 Schüler im Förderzentrum und an anderen allgemeinen Schulen und 75 Erwachsene in Förderstätte und Wohngruppen sowie mit persönlicher Assistenz überall im Raum Augsburg begleitet. Insgesamt beschäftigt das Fritz-Felsenstein-Haus, inklusive der vom Staat abgeordneten Lehrer, rund 440 Mitarbeiter und ist damit zweitgrößter Arbeitgeber in Königsbrunn. Neben Schule, Schülerwohnheim und Heilpädagogischer Tagesstätte sind heute auch die Therapieabteilung, die Förderstätte, die Wohngruppen für Erwachsene und die Beratung wichtige Abteilungen des Hauses.

Das vor einigen Jahren gegründete Beratungsteam betreute bislang rund 600 Menschen, die zum Teil auch von außerhalb des FFH um Hilfe anfragen. Dazu gehören z.B. Menschen mit Handicap, die selbständig in der eigenen Wohnung wohnen und Unterstützung und Begleitung in sozialpädagogischen und rechtlichen Belangen benötigen. Sehr spezialisiert ist auch das Angebot von INTERAKTIV: Dieses Expertenteam bietet Beratung und Unterstützung rund um elektronische Hilfsmittel und Assistenzsysteme, mit denen körperliche und kommunikative Einschränkungen ausgeglichen werden können. Ein weiteres, sehr erfolgreiches Projekt der vergangenen Jahre war die Neugründung der Tochtergesellschaft PAsst!, einem anerkannten Pflege- und Assistenzdienst für Menschen mit hohem Hilfebedarf, der mittlerweile 35 Klienten im Raum Augsburg betreut.

Interdisziplinäre Arbeit

Neben den vielfältigen Angeboten für Kinder und Jugendliche ist sukzessive auch der Erwachsenenbereich ausgebaut worden. Mit Fritz & Jack, einem inklusiven Wohnprojekt in der Augsburger Innenstadt hat das FFH erst vor kurzem ein neues Leuchtturmprojekt initiiert. Dort sollen Menschen mit und ohne Handicap in eigenen Appartements in einer angeleiteten Wohngemeinschaft wohnen. „Was unser Haus auszeichnet, ist die enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit aller unserer Abteilungen, die vom Vorschulalter bis weit in den Erwachsenenbereich hineinreicht und umfassende und spezialisierte Angebote macht, immer mit dem Ziel, ein Höchstmaß an Selbstbestimmung und Inklusion für unsere Klienten zu erreichen. Wir verstehen uns als die Anlaufstelle für Menschen mit Körperbehinderung in Mittel- und Nordschwaben, die ihre Klienten und Angehörigen auf Augenhöhe begleitet und gleichzeitig mit viel Expertise für den fachlichen Fortschritt in der Behindertenhilfe sorgt“, so FFH-Vorstand Gregor Beck.

Im Rahmen des Jubiläumsjahres wird das FFH seinen Geburtstag im Sommer mit einem Festivalwochenende feiern. Im Herbst ist ein Fachtag geplant.
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