Auf dem Weg zum reinen Biomüll: Neue Störstoffdetektoren an Müllfahrzeugen

Was genau in die Biotonne gehört - oder was nicht - verrät eine Trennliste. Diese findet sich im Internet auf www.awb-landkreis-augsburg.de. Foto: Höck


Störstoffdetektoren an Müllfahrzeugen sollen ab Frühjahr untersuchen, wie rein der Bioabfall in der Biotonne ist. Nicht nur Metallgegenstände könne der Detektor erkennen, sondern auch Verbundverpackungen wie Schraubgläser, Milch- und Safttüten. Die Kontrollen starten nach den Osterferien Anfang Mai.

"Der Störstoffdetektor ist an der Schüttung des Fahrzeuges angebracht, also wo die Tonne eingehängt wird", erklärt Daniela Bravi, Werkleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Augsburg. "Beim Erkennen eines Störstoffes wird die Schüttung gestoppt". Am Fahrzeug ertönt ein akustisches Signal, eine Warnleuchte blinkt auf. Den Störstoffdetektor entwickelte die Firma Maier und Fabris aus Tübingen.

31 Einstellstufen

Laut Bravi hat der Störstoffdetektor 31 verschiedene Einstellstufen. Auf Stufe 1 würde er zum Beispiel erst bei einem Motorblock in der Biotonne anschlagen. Auf Stufe 31 wäre dann noch ein Reißnagel im Biomüll nachweisbar. Der Störstoffdetektor laufe derzeit auf einer mittleren Einstellungsstufe, erläutert Bravi. "Unser Ziel ist es, die groben Verfehlungen zu beanstanden. Ein versehentlich im Biomüll gelandetes Schälmesser ist nicht unser Ziel." Im Landkreis Augsburg kam das System bereits "stichprobenweise" in verschiedenen Gemeinden zum Einsatz. "Die ersten Tests zeigten, dass nur bei einem kleinen Teil der Biotonnen der Störstoffdetektor angeschlagen hat", berichtet Bravi. So seien zum Beispiel in Neusäß nur in 0,4 Prozent der Biotonnen Störstoffe registriert worden.

Ein sortenreiner Rohstoff

In die Biotonne gehören unter anderem Speise- und Lebensmittelreste pflanzlicher Herkunft, Obstkerne, Kaffeesatz und Kaffeefilter, Eierschalen, Küchenkrepp, Fallobst, Unkraut, Gras- und Heckenschnitt - eine ausführliche Liste findet sich im Internet auf www.awb-landkreis-augsburg.de. Denn die Bioabfälle aus dem Landkreis Augsburg kommen in die Bioabfallvergärungsanlage der Abfallverwertung Augsburg, wo bei der Vergärung Biogas entsteht. Dieses wird in das Netz von Erdgas Schwaben eingespeist. Aus den Gärresten entstehen Kompost und Flüssigdünger. "Das wichtigste ist ein sortenreiner Rohstoff. Zudem müssen die aussortierten Fremdstoffe als Restmüll verbrannt werden", erklärt Bravi. So habe eine im Jahr 2018 erfolgte Bioabfallsortieranalyse ergeben, dass im Schnitt jährlich pro Einwohner 129,33 Kilo Biomüll gesammelt wird und dass sich pro Einwohner im Schnitt pro Jahr 1,44 Kilo Störstoffe im Bioabfall befinden. Diese Störstoffe setzen sich zum größten Teil aus Kunststoffen, sonstigen Fremdstoffen und Metall zusammen. Natürlich sei dieses Ergebnis schon sehr gut, sagt Bravi. "Jedoch werden die Vorgaben immer strenger und wir müssen daher einen Fremdstoffanteil von unter einem Prozent anstreben."

Gelbe Karte

Findet der Detektor also Fremdstoffe in der Biotonne, gibt es eine gelbe Karte - es bleibt bei der Mahnung, die Tonne wird geleert. Ist der Biomüll trotz gelber Karte immer noch nicht sauber getrennt, folgt die rote Karte, die Biotonne bleibt zurück. "Die roten Karten kommen erst zum Einsatz, wenn das System offiziell ,scharf' geschalten wird", sagt Bravi. Das wird Anfang Mai sein. Betroffene Bürger können dann bis zur nächsten Leerung die Biotonne nachsortieren oder die Tonne gegen Gebühr als Restmüll abholen lassen. Wie viel das kostet, müsse noch in der Abfallgebührensatzung festgelegt werden - die Abfallgebührensatzung werde hierzu im April angepasst.

Das System protokolliere auch, welche Tonne Störstoffe enthält, also Datum, Uhrzeit der Leerung und die Transpondernummer der Mülltonne, über die die Tonne einem Grundstück zuzuordnen ist.

Pläne, mit den Geräten die Papiertonnen zu prüfen, gibt es nicht, versichert Bravi. Der Detektor soll lediglich Biotonnen auf Störstoffe kontrollieren. Über die Störstoffdetektoren, ebenso über den richtigen Inhalt der Biotonne will der Abfallwirtschaftsbetrieb im Frühjahr in einer Kampagne informieren. (nh)
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