Bienenhaltung für Anfänger in Königsbrunn

Fleißige Probe-Imker auf dem Waldgrundstück des Imkervereins.

Der Imkerverein Königsbrunn bietet „Imkern auf Probe“ an und stößt damit auf großes Interesse.

Das Image der Imkerei hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, vom altmodischen Hobby zum hippen Outdoor-Projekt. Das ist einerseits schön für den Fortbestand der Imkerei, andererseits besteht die Gefahr, dass jemand ohne Vorkenntnisse ein Bienenvolk kauft und durch Unwissenheit bestimmte Situationen am Bienenstock nicht erkennt oder falsch deutet, zum Beispiel Bienenkrankheiten. Um dagegen vorzubeugen, wird landauf, landab von immer mehr Imkerei-Vereinen ein „Probeimkern“ angeboten, so auch vom Imkerverein Königsbrunn. Wer mitmacht, kann ein Jahr lang unter Anleitung Bienen betreuen. Nach diesem Jahr weiß man, was alles zu tun ist, damit die Honigproduktion gelingt, und kann gut beurteilen, ob man sich langfristig mit Bienen beschäftigen möchte. Wer sich dafür entscheidet, kann einen Bienenkasten mit Volk vom Verein kaufen und in seinem eigenen Garten aufstellen. Wer keinen Garten besitzt, kann sein Bienenvolk auf dem vereinseigenen Grundstück belassen und dort betreuen und den eigenen Honig schleudern. Auf dem Waldgrundstück im Königsbrunner Norden steht eine Holzhütte, in der eine Honigschleuder und andere Gerätschaften untergebracht sind. So müssen Vereinsmitglieder nicht unbedingt eine eigene Honigschleuder kaufen, die über 1000 Euro kostet.


Eine theoretische Einführung

„Gerade für Menschen ohne Garten bietet der Verein eine gute Möglichkeit, sich mit und in der Natur zu beschäftigen. Man kann immer wieder stolz sein auf die eigene Honigproduktion und auch darauf, den Bestand dieser wichtigen Insekten zu erhalten. Ein sehr großer Teil unserer Lebensmittelproduktion ist ja auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen“, sagte Thomas Tabbert, der Vorsitzende des Imkervereins, im Gespräch. Wie er berichtet, hat der Verein das Probeimkern in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten und traf auf eine große Nachfrage. Zehn Schnupper-Imker treffen sich fast jede Woche auf dem Vereinsgrundstück. Für Bienen gilt dasselbe wie für alle Tiere: Wer sie halten will, sollte vorher wissen, was das Tier braucht und worum der Halter sich kümmern muss. Deswegen beginnt die Bienenhaltung auf Probe mit einer theoretischen Einführung. An einigen Abenden im Frühjahr wurden im „Seestüberl“ die Grundlagen vermittelt. Der Unterricht orientiert sich an einem Leitfaden, der von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau herausgegeben wurde. Ab April ging es an die praktische Ausbildung auf dem Grundstück des Vereins. Neue Bienenkästen, in der Fachsprache „Beute“ genannt, wurden aufgebaut und gestrichen. Dann bekamen die Teilnehmer die typische weiße Schutzkleidung für Imker und die Bienenvölker wurden eingesetzt.

Es gibt viel zu tun auf dem Weg zum eigenen Honig.

Für die Imker auf Zeit hat der Verein Beuten verschiedener Bauart angeschafft. Da ein mit Honig gefüllter Honigraum, also der Teil des Bienenkastens, in dem die Bienen Honig in Waben füllen, über 25 Kilogramm wiegen kann, wurden einige Beuten mit teilbarem Honigraum gekauft, um besonders den Kursteilnehmerinnen die Arbeit zu erleichtern. Die Teilnehmer lernten, wie man erkennt, ob in einem Bienenvolk alles in Ordnung ist, ob die Bienenkönigin noch da ist und die Tiere gesund sind. An einem anderen Wochenende wurde gezeigt, wie man sogenannte Ableger bildet, das sind neue junge Völker, die nach einem Jahr zu einem Honig produzierenden „Wirtschaftsvolk“ werden. Ganz wichtig ist auch die Bekämpfung der Varroa-Milbe. Diese Milbe ist ein Parasit, der ausschließlich Bienen befällt. Und natürlich wird gelernt, wie man Honig produziert. Zunächst muss man feststellen, ob der Honig die richtige Konsistenz zum Schleudern hat. Dann wird geschleudert und schließlich muss die Schleuder gereinigt werden. Zwischendurch wurde der eine oder andere Becher Met, also Honigwein, verkostet. Die letzte Honigernte erfolgt Ende Juli, danach steht die Lektion Bienenfütterung auf dem Programm. Die Bienen müssen schon im Spätsommer gefüttert werden, da draußen nicht mehr viele Pflanzen blühen und die Bienen nun viel Futter brauchen, damit sie ihren Nachwuchs im Brutraum der Beute eifrig pflegen und dieser gut über den Winter kommt. Ihr Wintervorrat an Futter, der Honig, wurde ihnen weggenommen. Deshalb muss man ihnen für den Winter anderes Futter in die Beuten stellen, entweder Zuckerwasser oder einen Sirup.

Gute Nachfrage

„In diesem Jahr war die Nachfrage gut und kein Teilnehmer ist abgesprungen, deshalb werden wir nächstes Jahr das Probe-Imkern auf jeden Fall wieder anbieten“, so Tabbert. „Wir hoffen, dass wir dadurch neue Mitglieder für den Imkerverein gewinnen können. Je mehr Mitglieder der Verein hat, desto besser. Die Mitglieder können sich gegenseitig helfen, etwa beim Transport von Beuten, sich über verschiedene Arbeitsmethoden austauschen oder auch gemeinsame Anschaffungen tätigen. Zudem sollte jeder Imker eine Haftpflichtversicherung abschließen und die Versicherungsgesellschaften akzeptieren nur Vereinsmitglieder als Kunden. Unser Verein besteht seit über hundert Jahren. Mit dem Probe-Imkern wollen wir dazu beitragen, den Verein sicher in die Zukunft zu bringen. Ich selbst imkere seit sechs Jahren mit Begeisterung und glaube, dass dieses Hobby auch für andere eine Bereicherung sein kann.“
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