Christrose im Gespräch mit Koordinatorin Gabi Schmidt

Gabi Schmitd
Frau Gabi Schmidt ist seit 2012 bei Christrose, dem ambulanten Hospizverein in Königsbrunn, nebenberuflich als Koordinatorin tätig. Hauptberuflich arbeitet  sie als gelernte Krankenschwester mit Zusatzausbildung Palliative Care im Pflegezentrum Ederer in Königsbrunn. Ende 2018 hat Frau Schmidt ihre Tätigkeit bei Christrose beendet. Zum Abschied führten wir das folgende Gespräch mit ihr:

Christrose

Frau Schmidt, wie sah ihre Arbeit als Koordinatorin bei Christrose, aus?

Gabi Schmidt
Meine Hauptaufgabe war die Organisation von Hospizbegleitungen für Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Auslöser sind oft Pflegekräfte, die uns um Unterstützung für Betroffene im Seniorenheim oder im häuslichen Umfeld bitten. Manchmal schaltet uns auch der Sozialdienst eines Krankenhauses vor Entlassung eines palliativen Patienten ein. Seltener sind es die Betroffenen selbst oder deren Angehörige, die Beistand suchen. Da ich hauptberuflich im Pflegezentrum Ederer in der Pflegedienstleitung mitarbeite, ist es nur sinnvoll, dass ich hier bei Christrose für alle Begleitungen zuständig bin, die bereits vom Pflegezentrum Ederer in der Kurzzeitpflege oder ambulant versorgt werden. Der erste Schritt ist die Kontaktaufnahme und ein Besuch zu Hause, bzw. im Zimmer des Seniorenheims. Ich spreche mit allen Beteiligten und mache mir ein Bild von der Situation. Ich frage mich, was hilft diesem Menschen und den Personen in seinem Umfeld jetzt, was ist nötig? Eine spannende Aufgabe ist es dann, die passende Begleiterin oder den passenden Begleiter auszuwählen.

Christrose
Was finden Sie an dieser Auswahl so spannend?

Gabi Schmidt
Es geht darum, Menschen zusammen zu bringen, die zueinander passen, die sich auf der gleichen Ebene begegnen können. Meist gelingt dies sehr gut. Während des Begleiteinsatzes bin ich im Kontakt mit der Hospizbegleiterin, beziehungsweise dem Hospizbegleiter. Oft erhalte ich die Rückmeldung, dass sich diese Person genau am richtigen Platz eingesetzt fühlt. Mitunter lautet die Rückmeldung auch, dass sie sich durch den Kontakt oder die gemachten Erfahrungen beschenkt fühlt. Darüber freue ich mich dann sehr.

Christrose
Was hat Ihnen außerdem an ihrer Arbeit gefallen?

Gabi Schmidt
Es ist ein schönes Gefühl, wenn viele Menschen an einem Strang ziehen, um ein Netzwerk an Hilfen zum Wohle des Sterbenden zu spannen. Da arbeiten die Hospizbegleiter mit Pflegekräften, mit den Verantwortlichen der Seniorenheime, mit Mitarbeitern der Spezialisierten allgemeinen Palliativversorgung, mit denen des Betreuten Wohnens, der Zeitbörse und den Kirchen im Team zusammen. Wenn das gelingt, entstehen tolle Sachen.

Christrose
Denken Sie da an etwas Bestimmtes?

Gabi Schmidt
Wir konnten zum Beispiel einmal einem Schwerstkranken, der starke Zahnschmerzen hatte, die man zu Hause nicht behandeln konnte, den Besuch in einer Zahnarztpraxis ermöglichen. Dies gelang in Vorbereitung durch die Pflegekräfte; die Fahrt wurde von einem Mitarbeiter der Zeitbörse übernommen und ein Hospizbegleiter fuhr mit. Ich erinnere mich auch an eine Begleitung, bei der die Versorgung zu Hause nicht mehr zu stemmen war. Wir konnten von heute auf morgen einen Heimplatz organisieren. Der Mann wollte nicht mehr in ein Krankenhaus gehen und diesen Wunsch konnten wir ihm mit vereinten Kräften erfüllen.

Christrose
Bei dieser Arbeit hat man ja die Endlichkeit des menschlichen Lebens ständig vor Augen. Woher haben Sie die Kraft dafür genommen?

Gabi Schmidt
Die vielen positiven Rückmeldungen und der Dank von Seiten der Betroffenen und ihrer Angehörigen haben mich sehr gefreut. Das zeigt mir, wie wichtig und sinnvoll die Hospizarbeit ist. Außerdem beeindruckt mich das große Engagement der Hospizbegleiter und Begleiterinnen in besonderer Weise. Das hat mich angespornt und mich weitergetragen.

Christrose
Trotzdem haben Sie Christrose Ende 2018 verlassen. Was hat Sie hierzu bewogen?

Gabi Schmidt
Es sind persönliche und familiäre Gründe. Ich spüre, dass ich nun mehr Zeit brauche, um wieder Energie zu tanken. Auch habe ich inzwischen drei Enkelkinder, um die ich mich gerne mehr kümmern möchte. Eben alles zu seiner Zeit. Zum Schluss will ich noch sagen, dass ich sehr dankbar bin und mich reich beschenkt fühle für meine Zeit bei Christrose.

Das Gespräch führte Silvia Regner.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.