Jugendkongress in Königsbrunn: Klima, Erde, Menschheit retten – aber wie?

Auf dem Podium von links nach rechts: Alexandra Struck aus dem Vorstand der BUNDjugend, Nina Tuchscherer, Angie Klecker, Philipp Bonaventura, Prof. Dr. Wolfgang Buermann, Josef Falch vom Kreisjugendring Augsburg-Land, Michael Schnitzlein und Dr. Markus Litpher.
 
Die „Fridays for Future“ – Aktivistin Nina Tuchscherer bei ihrem Vortrag.

„Komm, Erde retten“ hieß der mehrtägige Umweltkongress mit vielen Workshops für Schulklassen, den der Kreisjugendring am vergangenen Wochenende im Jugendzentrum „Matrix“ veranstaltete. Die Auftaktveranstaltung mit kurzen Vorträgen und anschließender Podiumsdiskussion war gut besucht, informativ und manchmal emotional.

„Es ist ein Elefant im Raum und wir alle tun so als sei er nicht da. „Verzicht“ ist der Name des Elefanten“, sagte Angie Klecker, Theaterpädagogin im Jugendzentrum „Matrix“. Der Raum war der Veranstaltungssaal im „Matrix“. Im Saal waren viele junge Menschen und einige etwas ältere, darunter Bürgermeister Franz Feigl, Prof. Dr. Wolfgang Buermann, Klimaforscher an der Universität Augsburg, und Dr. Markus Litpher, Vorstandsmitglied der Lechwerke. Feigl äußerte seine Freude darüber, dass der erste Umweltkongress des Kreisjugendrings in Königsbrunn stattfand. „Das Thema ist wichtig, es ist zentral. Ich bin überzeugt, dass Klimaschutz ohne Verzicht nicht möglich ist. Aber der Verzicht auf alte Gewohnheiten ist schwer, auch für mich, der es noch nicht schafft, vegetarisch zu leben. Aber der erste Schritt zur Verhaltensänderung ist das Nachdenken. Jeder einzelne muss sich die Zusammenhänge bewusst machen. Tun dies Millionen, wird aus dem Nachdenken und der Verhaltensänderung Einzelner eine gesellschaftliche Veränderung. Und natürlich müssen sich auch Denken und Handeln auf politischer Ebene ändern.“
Philipp Bonaventura, Mitglied der Ortsgruppe Augsburg von „Fridays for Future“, hält Verzicht zwar für notwendig, ist aber überzeugt, dass dadurch nicht die Lebensqualität sinken wird. „Wenn in der Politik versucht wird, Stimmen zu gewinnen durch die Warnung vor Umweltpolitikern, die angeblich den Bürgern etwas wegnehmen wollen, ist dies fahrlässig. Denn es wird nichts Notwendiges weggenommen, sondern Überflüssiges. Die Menschheit ist in den Schlamassel geraten durch überbordenden Konsum. Wer weniger Fleisch isst, verzichtet nicht auf Lebensqualität, sondern auf Tierquälerei in der Massentierhaltung“, so Bonaventura.
Dem stimmte Michael Schnitzlein, Vorsitzender des „Herzwerk Gemeinwohl e.V.“ in Augsburg, zu. Es gehe nicht um Verzicht, sondern darum, das richtige Maß zu finden, im Alltag und in der Wirtschaft. Mit jedem Skandal aus Produktion und Handel wegen unmenschlicher Ausbeutung, Zerstörung von Lebensgrundlagen oder Steuervermeidung durch Großkonzerne sinke das Vertrauen in die Wirtschaft weiter. „Die Gemeinwohlökonomie hat ein Punktesystem entwickelt zur Beurteilung von Unternehmen nach ethischen Gesichtspunkten, zu denen auch Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung gehören. Unternehmen können sich freiwillig prüfen lassen und das Siegel mit der erreichten Punktzahl für Werbezwecke nutzen“, berichtete er. Schnitzlein plädierte dafür, unethisch wirtschaftende Unternehmen in keiner Weise mehr zu fördern. Dr. Markus Litpher zeigte am Beispiel moderner Beleuchtung von der Art, wie sie in den nächsten Monaten in den Straßen Königsbrunns installiert wird, dass durch neue Technologien auf viel elektrischen Strom verzichtet werden kann, ohne den Lebensstil ändern zu müssen. Auch Photovoltaikanlagen bedeuten einen Verzicht auf Ressourcenverbrauch ohne Einbuße an Komfort.

Die Fakten sind eindeutig


Prof. Dr. Wolfgang Buermann präsentierte viele wissenschaftliche Messdaten, die den globalen Temperaturanstieg belegen. Der Anstieg sowohl der Luft- als auch der Meerestemperaturen seit Beginn der Messungen 1880 ist offensichtlich. Seit 1950 ist das arktische See-Eis um 50 Prozent zurück gegangen, wodurch der Anstieg sich noch beschleunigt hat. Im selben Zeitraum ist die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre stark angestiegen, und zwar weltweit, denn das Gas verbreitet sich schnell um den ganzen Globus. Dies weist darauf hin, dass die Erwärmung vom Menschen verursacht wurde, dessen Produktion von CO2 in diesem Zeitraum durch Industrie und Verkehr stark gestiegen ist. Neben Methan und Ozon ist CO2 das wichtigste Treibhausgas. Seit der vorindustriellen Zeit ist die Temperatur um ein Grad angestiegen. Die Politik hat sich das Ziel gesetzt, den Anstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Ist dies noch möglich? „Bisher deutet nichts darauf hin“, so Buermann. Das Ziel könne nur erreicht werden, wenn der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 auf null sinke. In den letzten Jahren konnte jedoch kein Rückgang der Emissionen gemessen werden. Die Hoffnung sei daher unrealistisch.
Bonaventura, der in Augsburg Ökonomie studiert, hält das Klimapaket der Bundesregierung für eine „Lachnummer“. Er ist überzeugt, dass privates richtiges Handeln nicht ausreichen wird, die Politik müsse sich bewegen, und auch die Wirtschaft. Er und seine Mitstreiter von „Fridays for Future“ geben die Hoffnung nicht auf. Dies bekräftigte Nina Tuchscherer, Schülerin und ebenfalls bei „Fridays for Future“ engagiert: „Viele belächeln uns oder finden uns nervig. Aber wir wollen nicht, dass unsere Kinder eines Tages um Wasser kämpfen müssen und viele Tierarten nur noch auf Bildern sehen können. Im Jahr 2050 wird es im Meer mehr Plastiktüten geben als Fische. Die Wissenschaft bestätigt, dass unsere Verzweiflung berechtigt ist. Deshalb protestieren wir. Alle, die auf der ganzen Welt mit „Fridays for Future“ demonstrieren, haben eines gemeinsam: Hoffnung.“
Schnitzlein und Bonaventura waren sich einig, dass ein aggressiver Unterton in Gesprächen und Internetforen kontraproduktiv sei. Wenn der Schwarze Peter der Verantwortung zwischen den Generationen hin und her geschoben wird und von der Politik zu den Konsumenten und zurück, werde sich nichts ändern. Der Kabarettist Hagen Rether hat einmal einen kleinen Wortwechsel aufgeschrieben, den Angie Klecker vorlas: „Ach, Herr Rether, wir können doch nicht die Welt retten!“ Darauf Rether: „Ja, wer denn sonst?“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.