Keine Angst vor dem Alter

In viele Masken und Kostüme schlüpfte Sissi Perlinger bei ihrem Auftritt in Königsbrunn. Fotos: Stöbich
Königsbrunn : Königsbrunn | Kabarettistin Sissi Perlinger begeistert in Königsbrunn

Peter Stöbich
Königsbrunn. Keine großen Probleme mit dem Älterwerden und den Wechseljahren hat Sissi Perlinger, die Mitte 50 ist und in ihrem Bühnenprogramm verkündet „Ich bleib dann mal jung“. Wie sie das macht, verriet sie bei ihrem Auftritt beim Verein "Kultur lebt in Königsbrunn": Positiv denken, seine Träume verwirklichen, sich den Humor und ein Stück kindliche Unbekümmertheit bewahren.
Die Entertainerin im exzentrischen Leoparden-Outfit wirkte wie Pippi Langstrumpf, als sie zwei Stunden lang über die Bühne tobte, plaudernd, singend, tanzend, trommelnd und Gitarre spielend. Ein echtes Multi-Talent, das mit seiner enormen Kreativität die Zuschauer aufs Beste unterhielt. Auch wenn sich in ihrem furiosen Soloprogramm alles ums Altwerden und Altsein drehte, ließ sie die Wildkatze wie eh und je kräftig fauchen; sogar auf dem Rollator prangte ein Kissen aus Leopardenfell. Im Handumdrehen verwandelte sich Perlinger in ein Dutzend skurrile Figuren, trug mal Kapotthut zum gehäkelten Morgenmantel, mal Mega-Brüste, Lockenmähne und hohe Hacken.
Ihr Thema des Abends war klar benannt: „Ich will alt werden, aber ich bleib dann mal jung.“ Bei dem Tempo, mit dem Perlinger über die Bühne wirbelte, und bei dem Elan, mit dem sie ihre Nummern ins Publikum schleuderte, darf man wetten, dass sie es tatsächlich bleiben wird. Stilistisch hat sie sich über all die Jahre nie verändert, nur perfektioniert. So etwas wie Schamgefühl oder Artigkeit hat sie vor 30 Jahren nicht gekannt, kennt sie auch heute nicht; was andere denken, ist ihr egal, am liebsten stellt sie Moralisten und Spießer bloß - mal mit derben Kalauern, mal mit feinsinnigem Humor und mit wechselnden Dialekten.
Dazwischen eingestreut immer wieder kleine spirituelle Weisheiten, schamanische Rituale oder ein Song zum Thema Reinkaration.
Kritisch rechnete die Kabarettistin mit dem von den Medien propagierten Jugendwahn ab: "Zu allen Zeiten waren eigentlich die Alten die Weisen, zu denen man gegangen ist, wenn man Rat gebraucht hat. Heute hat sich das umgedreht, weil man gesehen hat, dass Teenager manipulierbarer sind und man ihnen alle fünf Minuten einen anderen Schrott als Trend oder Kult andrehen kann und sie daraufhin ihr ganzes Geld zum Fenster hinausschmeißen."
Was auf der Bühne so leicht und lustig aussieht, ist doch minutiös ausgearbeitet: „Ich schreibe immer alle meine Ideen auf, irgendwann kristallisiert sich aus dem Berg von Papier ein Thema heraus. Sobald ich eine Fährte aufgenommen habe, stürze ich mich in intensive Recherchen und dann wird zwei Jahre lang gefeilt und geprobt“, erzählt Sissi Perlinger über die Entwicklung ihrer Programme. Diese Arbeit belohnte das Königsbrunner Publikum mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations.
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