Königsbrunn: Die Märchen der Trickbetrüger

Wenn die echte Bobinger Polizei-Inspektion anruft, erscheint diese Nummer im Display.

Auf der Bürgerversammlung warnte Polizeihauptkommissar Markus Graf, stellvertretender Amtsleiter der Polizeiinspektion Bobingen, vor alten und neuen Maschen von Trickbetrügern.

Bei der Methode „Falscher Polizist“ werden zunächst die Opfer angerufen. Die Angerufenen sehen im Display eine deutsch aussehende Nummer, tatsächlich sitzen die Betrüger meist im Ausland und haben ihre Telefonnummer manipuliert. Beispielsweise wird 110 angezeigt. Da 110 die Notrufnummer der Polizei ist, glauben die Angerufenen, die Polizei rufe an. Die Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus und behaupten, sie hätten Hinweise darauf, dass in die Wohnung des Angerufenen demnächst eingebrochen werden soll. Sie rieten daher dazu, Geld und Wertsachen in Sicherheit zu bringen, am besten bei der Polizei. Ein Kollege könne gleich vorbei kommen und die Sachen entgegen nehmen. Leider sind schon einige Angerufene darauf eingegangen und haben einem falschen Polizisten ihre Wertsachen übergeben. Graf empfahl für den Fall, dass ein Polizist am Telefon nach Wertsachen fragen sollte, aufzulegen und die Nummer der Polizei-Inspektion herauszusuchen und dort anzurufen, also keinesfalls die Rückruf-Funktion des Telefons zu nutzen. So könne schnell herausgefunden werden, ob man von einem echten oder einem falschen Polizisten angerufen wurde. Auf jeden Fall ruft die echte Polizei nicht von der Nummer des Notrufs 110 an. Wenn die Polizei tatsächlich anruft, wird die Nummer der Polizei-Inspektion angezeigt. In Königsbrunn ist dies die Inspektion Bobingen mit den Nummern 08234-9606-10, 9606-11 oder 9606-12. Die echte Polizei wird auch niemals fragen, wo Geld und Wertsachen aufbewahrt werden, geschweige denn um die Herausgabe bitten. Grundsätzlich sollte niemand am Telefon Auskünfte über die eigenen Vermögens- oder Wohnverhältnisse oder persönliche Daten Auskunft geben.
Ein anderer Trick heißt „Gewinnversprechen“. Man erfährt am Telefon, man habe bei einem Gewinnspiel eine große Summe gewonnen, die persönlich übergeben werden müsse. Für diese Übergabe werde eine Gebühr fällig. Diese Gebühr haben leider schon viele bezahlt, natürlich ohne einen Gewinn zu bekommen. Sehr häufig sind Anrufe von angeblichen Microsoft-Mitarbeitern, die einen Schaden am Betriebsprogramm auf dem Computer des Angerufenen beheben müssten, was nur mit einem Fernzugriff möglich sei. Damit bekommen die Betrüger alle Passwörter des gutgläubigen Angerufenen. Weithin bekannt ist der „Enkeltrick“, bei dem Menschen mit aus der Mode gekommenen Vornamen, wie etwa Edeltraut, Anrufe bekommen mit der Begrüßung: „Hallo Oma, ich bin's“. Das „Enkelkind“ braucht dringend Geld, das schon viele Angerufene einem angeblichen Freund des Enkels übergeben haben. Relativ neu ist der Trick „Romance Scamming“, der über Kennenlern-Portale im Internet abläuft. Dabei täuscht ein charmanter Mensch mit tollen Fotos im Profil Liebe vor, will das Opfer bald kennen lernen und erlebt kurz vorher eine Tragödie, wegen der er um Geld bitten muss.

Sicheres Königsbrunn

Zudem zeigte Graf die Königsbrunner Kriminalitätsstatistiken von 2017 und 2018. Die Anzahl der Straftaten in Königsbrunn ist in den letzten Jahren in etwa gleich geblieben. 2018 wurden 1065 Delikte angezeigt, von Ladendiebstählen und Sachbeschädigungen bis zu Wohnungseinbrüchen und Körperverletzungen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht bayernweit zurück. 2018 wurden 5 Einbrüche zu Ende geführt, 15 wurden im Versuchsstadium abgebrochen. Meistens werden Einbrüche vorbereitet, indem jemand in einer Wohngegend herumgeht und beobachtet, wann die Bewohner aus dem Haus gehen oder wo Fenster gekippt bleiben. Graf rief daher dazu auf, die Polizei anzurufen, wenn man Fremde in der eigenen Nachbarschaft sehen sollte, die zu beobachten scheinen. Die Personen würden dann überprüft. Bei späteren Ermittlungen seien die Daten der Überprüfung oft hilfreich.
Als „Kriminalitätshäufigkeit“ wird die Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner bezeichnet. Da Königsbrunn keine 100000 Einwohner hat, wurden die tatsächlichen Straftaten auf 100000 Einwohner hochgerechnet. Die Zahl liegt im bayerischen Durchschnitt bei 4888, in Königsbrunn bei 3792. In Augsburg, einer der sichersten Städte mit über 100000 Einwohnern in Deutschland, liegt die Zahl bei über 7000. „In Königsbrunn lebt man also sehr sicher“, so Graf. Auch die Aufklärungsrate von rund zwei Dritteln aller angezeigten Delikte kann sich sehen lassen.
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