Königsbrunn: Hoher Besuch in der Sporthalle

Die Teilnehmer der Veranstaltung stehen auf der Matte, davor die Moderatoren Eddie Fanning und Tanja Wolf.
 
Rechts Generalkonsul Tetsuya Kimura, Eddie Fanning neben ihm übersetzt seine Worte für die ausländischen Gäste ins Englische.

Der Deutsche Shorinji Kempo Verband (DSKV) feierte sein 40-jähriges Bestehen ein Wochenende lang mit einem Trainingscamp in Königsbrunn. Der japanische Generalkonsul für Süddeutschland war zur Eröffnungsveranstaltung aus München angereist.

Ein lautes, rhythmisches Trommelkonzert eröffnete die Veranstaltung in der Willi-Oppenländer-Halle. Vier Damen standen vor vier sehr großen Trommeln und spielten mit weit ausholenden Bewegungen. „Die Trommeln heißen „Taiko“, was auf Deutsch „fette Trommel“ heißt“, erläuterten die beiden Moderatoren des Nachmittags. Tanja Wolf aus Bobingen führte auf Deutsch durch das Programm, die englische Übersetzung für die ausländischen Gäste übernahm Eddie Fanning aus Berlin. Die Zuschauerränge waren gut gefüllt, auf Stühlen in der Halle saßen Aktive aus zehn europäischen Ländern und aus Japan.
Generalkonsul Tetsuya Kimura begann seine Ansprache mit dem japanischen Gruß „Konnichiwa“ und fuhr dann fort in makellosem Deutsch. Er bedankte sich für die Einladung und beglückwünschte den Verband zu seinem Jubiläum. Während seiner Studienzeit habe er selbst Shorinji Kempo trainiert, sagte er. Ihm habe gefallen, dass in diesem Sport nicht der Wettkampf im Mittelpunkt stehe, sondern die Persönlichkeitsentwicklung. „Durch Shorinji Kempo sollen Körper und Geist entwickelt werden zu einem stabilen Selbst, das zu einer friedlichen und harmonischen Gesellschaft beitragen kann. Der Leitsatz des Erfinders der Sportart lautete: „Die Hälfte des Lebens für dein eigenes Wohlergehen, die andere Hälfte für das Wohlergehen von anderen Menschen“. Shorinji Kempo ist mehr als ein Sport, es ist ein Erziehungssystem“, so Kimura.
Das Besondere an dieser jungen Sportart wurde mit der ersten Vorführung verdeutlicht: Die Teilnehmer setzten sich im Schneidersitz auf die große Matte in der Mitte der Halle für eine Meditation. „Man soll in der Meditation ganz zur Ruhe kommen und möglichst an nichts denken“, erläuterte Wolf. „Das ist nicht so einfach, wie es klingt. Die Gedanken, die dennoch kommen, werden zugelassen“. Als der Trainer mit einem Stock laut auf den Boden schlug, war die Meditation beendet. Später erläuterte Douglas Beard, der Vizepräsident des DSKV, dass vor und nach jeder Meditation Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht wird. Gedankt wird den Eltern, den Lehrern und allen Menschen. Wobei mit „Lehrer“ jeder Mensch gemeint sein kann, von dem man lernt. „Diese Haltung der Dankbarkeit und der Verbundenheit mit allen Menschen ist eine gute Art, den Feindseligkeiten in unserer Gesellschaft zu begegnen“, so Beard. Passend zu den Grundsätzen ihrer Sportart wurden am Ende der Veranstaltung Spenden gesammelt für die Organisation „Weißer Ring“, die Kriminalitätsopfern Hilfe und Unterstützung anbietet. Die stellvertretende Landrätin Anni Fries überreichte eine Spende des Landkreises an den „Weißen Ring“, nachdem sie ein Grußwort gesprochen hatte.

Vorbereitung auf Kampfsituationen

Die weiteren Vorführungen zeigten, was im Training geübt wird. Man stellt sich einen Gegner vor und auf die Kommandos des Trainers hin wird mit lautem Rufen in die Luft geboxt, geschlagen, getreten, abgewehrt. „Dabei trainiert man Konzentration und Rhythmus und es macht richtig Spaß, wenn man es mit voller Energie ausführt“, so Tanja Wolf. Man sah es den Aktiven an, die allen Altersgruppen angehörten. Besonders viele Kinder gehörten zu der Gruppe aus Bobingen. Wird das Ganze paarweise durchgeführt, muss man kurz vor dem Körper des Partners die Bewegungen stoppen. Ein „Embu“ ist ein einstudierter Bewegungsablauf von zwei oder mehr Partnern, bei dem eine realistische Kampfsituation geübt wird. Die Abläufe werden von den Sportlern selbst erarbeitet. Hier kommen Techniken hinzu, mit denen man einen Gegner außer Gefecht setzen kann, etwa indem man dessen Arm verdreht, ihn über die Schulter wirft oder am Arm herumwirbelt. Für den Fall, dass man selbst durch die Luft fliegt, lernt man, wie man auf dem Boden abrollt oder wie man nach einem Wurf nicht auf dem Rücken, sondern auf den Füßen landen kann. Ausgangssituation eines Embu ist ein Angriff, gegen den man sich selbst und vielleicht noch andere verteidigt. Das kann eine Rempelei auf dem Schulhof sein oder ein zudringlicher Mann, gegen den sich eine Frau zur Wehr setzt. Eine Gruppe aus Italien zeigte ihre Embus mit Musik. Zu hymnischer Filmmusik wurde ein Kampf eines Einzelnen gegen mehrere Angreifer simuliert.
Noch eine Besonderheit ist die Verwendung von japanischen Ausdrücken. Eine organisierte Sportgruppe heißt nicht „Verein“, sondern „Dojo“, und ein Trainer heißt „Sensei“. Der erste Dojo in Deutschland wurde 1979 von Walther Wunderle in Augsburg gegründet. Dadurch wurde die Region zur Hochburg des Shorinji Kempo in Deutschland. Wunderle ist heute Ehrenpräsident des DKSV und war einer der Ehrengäste der Veranstaltung. Die Sportkleidung sind weiße Anzüge, wie man sie vom Judo kennt, teils mit schwarzen Überwürfen, die an Mönchskutten erinnern. Der Überwurf darf von denjenigen getragen werden, die einen schwarzen Gürtel, einen „Dan“ errungen haben. Die Mönchskutte rührt von der Verbundenheit dieser Sportart mit dem Buddhismus her. So Doshin, der Gründer des Shorinji Kempo, wollte angesichts der Missstände der Nachkriegszeit in Asien die junge Generation zu geistig und körperlich starken Menschen erziehen, die die Gerechtigkeit verfechten und beschützen würden. Dies wollte er durch die gleichzeitige Unterrichtung von Zen-Buddhismus und Kampfkunst erreichen.
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