Königsbrunn: Klimaschutz vor Ort

Moderatorin und Referenten der Info-Veranstaltung: Harro von Dunker (von links), Claudia Günther, Werner Lohmann und Dr. Stephan Leitschuh. Sie halten Info-Broschüren zu den Vortragsthemen in den Händen, die im Rathaus erhältlich sind.

Kompetente Redner informierten über Möglichkeiten nachhaltiger Nutzung von Energie.

„Stadtrat und Stadtverwaltung suchen schon lange nach Möglichkeiten, zum Schutz von Umwelt und Klima beizutragen“, sagte Claudia Günther von der städtischen Energieberatung. Sie moderierte die Veranstaltung am vergangenen Samstagvormittag, bei der über Konzepte im geplanten Neubaugebiet am östlichen Stadtrand, den Bau von Passivhäusern und die städtische Förderung von Photovoltaikanlagen informiert wurde.
„Die Bundespolitik hat Klimaschutzziele vorgegeben, wir auf kommunaler Ebene sollten uns überlegen, welchen Beitrag zur Erreichung der Ziele wir leisten können“, sagte Bürgermeister Franz Feigl bei seiner Begrüßung im Veranstaltungsraum des Generationenparks an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Wie das im Einzelnen aussehen kann, darüber sprach zunächst Werner Lohmann, der das Technische Bauamt und die Stadtplanung im Rathaus leitet. Im neuen Baugebiet östlich der Raber Straße sollen 103 Einfamilienhäuser, 98 Doppelhaushälften, 72 Reihenhauseinheiten, 15 Mehrfamilienhäuser und eine Kindertagesstätte entstehen. Um das umweltfreundlichste Heizungskonzept zu finden, wurden mehrere technische Möglichkeiten untersucht, nämlich drei Nahwärmesysteme und zwei moderne Heizsysteme für Einzelgebäude. Nahwärmesysteme erwärmen Heizungswasser an zentraler Stelle und pumpen es zu den Häusern, es ist also Fernwärme mit kürzeren Entfernungen. Da die Leitungen kürzer und damit die Wärmeverluste geringer sind als bei Fernwärme, muss das Wasser nicht so stark erwärmt werden, wodurch weniger Energie benötigt wird.

Nahwärme kostengünstig und umweltfreundlich

Für die Erwärmung des Nahwärmewassers wurden Blockheizkraftwerke mit drei verschiedenen Brennstoffen betrachtet: Erdgas, eine Mischung aus Erd- und Biogas und Holzpellets. In einem Blockheizkraftwerk wird Strom erzeugt und die dabei entstehende Wärme für die Erwärmung von Heizwasser genutzt. Diese zentralen Lösungen wurden verglichen mit Einzelgebäudeheizungen, einmal mit Brennwertkessel plus Solaranlage und einmal mit Luftwärmepumpenanlage. Erdwärmepumpen kommen wegen der Lage des Baugebiets im Trinkwasserschutzgebiet nicht in Frage. Das erdgasbetriebene Blockheizkraftwerk erwies sich als die kostengünstigste Variante für den Endnutzer. Zudem spart sich jeder Haushalt die Fläche für einen eigenen Heizkessel und auch die Wartung des Kessels. Gleichzeitig lag diese Variante auch beim Ausstoß von Luftschadstoffen und dem Brennstoffverbrauch vorn. Die Entscheidung war daher klar.
Das Blockheizkraftwerk soll unmittelbar nördlich des Baugebiets entstehen. Es wird so groß sein wie zwei Fertiggaragen. Neben den Wohngebäuden sollen der städtische Betriebshof, die Freiwillige Feuerwehr und das städtische Wasserwerk an das Nahwärmenetz angeschlossen werden. Momentan erstellt ein Ingenieurbüro die Ausschreibungsunterlagen. Wie wirtschaftlich das Nahwärmenetz betrieben werden kann, wird von der Anzahl der angeschlossenen Haushalte abhängen. Diejenigen Bauherren, die ihr Grundstück im Rahmen des Einheimischenmodells von der Stadt kaufen, werden auf jeden Fall dabei sein. Allen anderen wird die Möglichkeit angeboten.
„Der mit weitem Abstand größte Posten beim Energieverbrauch eines privaten Haushalts ist die Raumwärme. Deshalb liegt hier das größte Einsparpotential“, erläuterte Dr. Stephan Leitschuh im zweiten Vortrag der Veranstaltung. Leitschuh hat in Königsbrunn 2008 ein Einfamilienhaus im Passivhaus-Standard gebaut und schilderte dessen Bauweise. Das durchschnittliche Einfamilienhaus verbraucht rund 15 Liter Heizöl oder 14 Kubikmeter Erdgas pro Quadratmeter und Jahr, ein Passivhaus nur ein Zehntel davon oder weniger. Das heißt, statt dreitausend Liter Heizöl müssen pro Jahr nur noch 300 Liter gekauft werden. Um dies zu erreichen, braucht das Haus relativ große Fenster nach Süden, Sonnenschutzvorrichtungen im Sommer, eine dicke Wärmedämmung von Außenwänden und Dach, schwere Bauteile im Inneren für die Speicherung von Wärme, Fenster mit Drei-Scheiben-Verglasung, eine luftdichte Gebäudehülle und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.
Im letzten Vortrag erläuterte der städtische Energieberater Harro von Dunker, wie die Stadt die Anschaffung von Photovoltaikanlagen und damit verbundenen Speicherbatterien fördert. Wer in Königsbrunn ein Wohngebäude besitzt, kann die finanzielle Förderung in Anspruch nehmen. Sie beläuft sich auf rund ein Viertel der Investitionskosten der Anlagen, je nach Leistungsstärke. Die Förderung muss beantragt werden, bevor die Anlage installiert wird.
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